Wenn die Haut weiße Flecken bekommt

Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt die Weißfleckenkrankheit Vitiligo
Expertin Dr. Hess: „In vielen Fällen verschwindet die Hautkrankheit Vitiligo von selbst wieder. Insbesondere bei Kindern kommt dies in bis zu 30 Prozent der Fälle vor“ © privat

In der Regel passiert es plötzlich und ohne Warnzeichen: weiße Flecken treten auf der Haut auf. Beinahe jeder hat schon mal jemanden mit der sogenannten Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) gesehen, denn sie gehört zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Angeblich war sie auch der Grund für Michael Jacksons immer heller gewordene Haut.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Aber es gibt Hoffnung für Betroffene: In einigen Fällen verschwindet Vitiligo von selbst wieder. Können Ärzte trotzdem etwas tun? Gibt es Maßnahmen zur Vorbeugung? Und wie gefährlich ist die Krankheit eigentlich – besonders für Kinder?

Wenn die Weißfleckenkrankheit ausbricht, sorgen Autoimmunprozesse, also Abwehrreaktionen, die sich gegen den eigenen Körper richten, dafür, dass die sogenannten Melanozyten an bestimmten Stellen zerstört werden. Melanozyten sind die Zellen, die für die Pigmentierung der Haut und damit für den Schutz der unteren Hautschichten vor Sonnenstrahlung zuständig sind. Einige der Betroffenen leiden zusätzlich an weiteren Autoimmun-Erkrankungen, z. B. der Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis) oder der Nebennierenrinde (Morbus Addison). Aus diesem Grund werden Ärzte bei der ersten Diagnosestellung auch immer eine Blutuntersuchung vornehmen, um solche Krankheiten auszuschließen. Es scheint, dass Vererbung bei der Weißfleckenkrankheit eine große Rolle spielt: In 30-50 Prozent der Fälle sind noch weitere Personen in der Familie betroffen. Ansteckend ist sie allerdings nicht. Somit besteht leider auch keine Möglichkeit der Vorbeugung.

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Die Eltern von betroffenen Kindern und selbst an der Weißfleckenkrankheit Erkrankte sollten, wenn sie in die Sonne gehen, auf einen besonders hohen Lichtschutzfaktor achten, da die betroffenen Bereiche sehr viel schneller verbrennen können© Fotolia

In der Ausprägung gibt es sehr große Unterschiede. Normalerweise kommt es plötzlich zu einer deutlichen, fleckförmigen Aufhellung einiger Bereiche der Haut, häufig an den Händen, Ellbogen oder an den Knien. Es werden insgesamt drei Vitiligo-Formen unterschieden: Bei Kindern am häufigsten ist die sogenannte segmentale Form, bei der die Aufhellung in einem streng abgegrenzten Hautbereich auftritt. Hierbei liegen so gut wie nie weitere Autoimmun-Erkrankungen vor. Die zweite Form ist die sogenannte akrale Vitiligo, bei der sich die Pigmentstörungen im Gesicht, an Händen, Füssen und im After- und Genitalbereich zeigen. Die dritte und häufigste Form ist die Vitiligo generalisata. Hier breitet sich die Krankheit in der Regel symmetrisch auf beiden Körperhälften aus, mit Beginn an den Händen oder im Gesicht.

 

Lässt sich Vitiligo heilen?

Es gibt mittlerweile einige Möglichkeiten der Behandlung, die jedoch nicht immer wirksam sind – ein echtes Heilmittel gegen die Vitiligo ist leider noch nicht gefunden. Aber in vielen Fällen verschwindet die Hautkrankheit von selbst wieder. Insbesondere bei Kindern kommt dies in bis zu 30 Prozent der Fälle vor, so dass zumindest in den ersten drei Monaten nach Beginn Abwarten sinnvoll ist. Danach können Therapieversuche mit lokal angewendeten Steroiden gemacht werden oder mit dem Wirkstoff Calcipotriol, das aber erst ab 12 Jahren zugelassen ist.

 

VIDEO: Vitiligo – Die mysteriöse Hautkrankheit

Eine dritte Behandlungsmöglichkeit ist das Auftragen von Salben, die sogenannte Calcineurininhibitoren enthalten. Auch diese Therapieform ist für Kinder mit Vitiligo eigentlich nicht zugelassen (es besteht aktuell nur eine offizielle Zulassung für die Behandlung von Ekzemen ab zwei Jahren), kann aber nach Abwägung des Nutzens und der Risiken eingesetzt werden. Eine vierte – ab 12 Jahren mögliche – Behandlung ist die Bestrahlung mit UV-Licht von einer bestimmten Wellenlänge.

Die Eltern von betroffenen Kindern und selbst Erkrankte sollten, wenn sie in die Sonne gehen, auf einen besonders hohen Lichtschutzfaktor (50) achten, da die betroffenen Bereiche sehr viel schneller verbrennen können. Am besten ist: Sie setzen sich gerade im Sommer überhaupt nicht dem direkten Sonnenlicht aus, bzw. tragen dabei immer schützende Kleidung. Ein erhöhtes Risiko für Hautkrebserkrankungen konnte in einer groß angelegten Studie[1] jedoch nicht nachgewiesen werden[2].


[1] Teulings HE1, Overkamp M, Ceylan E, Nieuweboer-Krobotova L, Bos JD, Nijsten T, Wolkerstorfer AW, Luiten RM, van der Veen JP. Decreased risk of melanoma and nonmelanoma skin cancer in patients with vitiligo: a survey among 1307 patients and their partners. Br J Dermatol. 2013 Jan;168(1):162-71

[2] Übrige Daten aus Peter Höger, Kinderdermatologie, 3. Auflage, s. bes. S. 125-127.

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