Wenn die Haut um Hilfe ruft

Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Stress spielen eine große Rolle für Hautkrankheiten
Die genauen Ursachen für Hauterkrankungen, wie zum Beispiel Neurodermitis oder Vitiligo, sind bis heute nicht eindeutig bekannt. Offenbar spielen aber genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Stress eine große Rolle © shutterstock

Rund elf Millionen Menschen müssen mit Krankheiten wie Neurodermitis, Rosazea oder auch Vitiligo leben. Praxisvita erklärt die häufigsten Auslöser und was Sie dagegen tun können.

Pickel und Pusteln sind eine enorme Belastung – das wissen wir noch aus der Pubertät. Doch wie groß ist erst das Leid, wenn die Makel nicht mehr verschwinden, wenn sie mit Schmerzen oder gar höllischem Juckreiz einhergehen? Der wichtigste Schritt bei wiederkehrenden Hautproblemen: einen Arzt aufsuchen. Denn ist die Krankheit erst einmal erkannt, kann sie meist gut behandelt werden. Hilfreich ist auch die Selbstbeobachtung. Was löst meine Beschwerden aus oder verschlimmert sie? Nicht selten steckt psychische Überlastung dahinter, haben Wissenschaftler festgestellt. Wer um die eigenen Empfindlichkeiten weiß, kann seine Haut und damit auch Seele besser schützen.

 

Vitiligo: Womöglich steckt die Schilddrüse dahinter

Keine typische Hautkrankheit, sondern eine Pigmentstörung: Plötzlich tauchen weiße Flecke auf, die auch bei Sonnenbestrahlung nicht verschwinden. Schätzungsweise zwei Prozent der Bevölkerung haben Vitiligo, vermutlich steckt eine Fehlregulation des Immunsystems dahinter. Auslöser können psychische Probleme, hormonelle Veränderungen, aber auch Schilddrüsen-Störungen oder Diabetes sein. Wer die weißen Flecke bemerkt, sollte deshalb zunächst einen Internisten aufsuchen. Es gibt keine Medikamente gegen Vitiligo, manchmal hilft Bestrahlung mit UV-B-Licht.

 

Mundrose: Bei Stress beginnt die Haut zu jucken

"Wenn ich arg im Stress bin, beginnt meine Haut zu jucken. Aber nur um den Mund herum, und manchmal wird dieser Bereich auch ganz rot. Seit ich 14 bin, schlage ich mich damit herum, mal habe ich längere Zeit keine Probleme, dann wieder sieht es so schlimm aus, dass ich mich kaum aus dem Haus traue. Vor allem im Herbst leidet meine Haut, davor graut mir jedes Jahr. Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass es sich dabei um eine Krankheit handelt. Ich war zwar wiederholt bei Hautärzten gewesen, doch eine Diagnose bekam ich nicht. Erst seit Kurzem haben meine Beschwerden einen Namen: periorale Dermatitis oder auch Mundrose, ein bei Frauen gar nicht so seltener Hautausschlag. Die Ursachen sind nicht bekannt. Angeblich steckt häufig ein Zuviel an Reinigung und Pflege dahinter, aber das trifft bei mir ganz bestimmt nicht zu. Ich benutze um den Mund herum nur Wasser und überhaupt keine Creme, allenfalls einen Abdeckstift. Bei mir sind offenbar Bakterien für die Mundrose verantwortlich: Die Haut ist in dem Bereich so empfindlich, dass sie sich nicht immer gegen Keime wehren kann, zum Beispiel in Stresszeiten. Ich habe eine antibiotische Salbe verschrieben bekommen, die sehr geholfen hat. Im Moment geht es meiner Haut prima."

 

Neurodermitis: Juckreiz in Schüben

Mindestens jedes fünfte Kind hat Neurodermitis, bei den Erwachsenen sind es rund sechs Prozent: Sie leiden unter schuppiger und sehr trockener Haut, die sich immer wieder entzündet. Neurodermitis juckt extrem – durch Aufkratzen verschlimmern sich die Beschwerden weiter. Die genauen Ursachen sind bislang nicht bekannt; offenbar spielen genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Stress eine große Rolle. Der Hautarzt verschreibt in der Regel Medikamente mit Kortison, die Entzündungen und Juckreiz lindern. Bei leichteren Beschwerden helfen auch mildere Pflegemittel. Wichtig zu wissen: Schübe werden oft von Konservierungs- und anderen chemischen Stoffen in Nahrungsmitteln, Kosmetika und Putzmitteln ausgelöst. Meiden Sie auch Tierhaare und Schimmel.

 

Schuppenflechte: auf den Lebensstil achten

Unsere Haut besteht aus Millionen winziger Zellen und erneuert sich normalerweise innerhalb von drei bis vier Wochen. Bei Menschen mit Schuppenflechte ist diese Zeitspanne auf wenige Tage verkürzt, und dieses rasante Tempo führt an manchen Stellen zu entzündeten Hautflächen mit Schuppenbildung. Experten schätzen, dass rund zwei Prozent der Bevölkerung mehr oder weniger stark an Schuppenflechte leiden. In sehr schlimmen Fällen sind auch die Gelenke von chronischen Entzündungen betroffen. Es gibt wirksame Medikamente gegen die Beschwerden. Mittlerweile werden auch sogenannte Biologika eingesetzt, das sind gentechnisch hergestellte Eiweißstoffe, die das Immunsystem von Fehlreaktionen abhalten. Für den Alltag der meisten Patienten gilt: Je gesünder der Lebensstil, desto besser lassen sich Krankheitsschübe vermeiden.

 

Rosazea: "blühende" Rötungen im Gesicht

Diese häufige Hauterkrankung tritt meist zwischen 40 und 50 und nur im Gesicht auf: Typische Symptome sind zunächst erweiterte Äderchen und deutlich sichtbare Rötungen, später bilden sich Pusteln und Pappeln, in schweren Fällen auch knollenartige Wucherungen an der Nase. Der psychische Druck für die Betroffenen ist groß, denn nicht selten werden die markanten Flecke mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht. Im Frühstadium zeigen Antibiotika und spezielle Cremes schnelle Wirkung, später verbessert eine Laser-Behandlung das Hautbild. Auch Rosazea tritt in Schüben auf, häufig nach dem Genuss von Wein und Käse oder bei zu viel Sonne. Der Hautarzt kann helfen, diese Verstärker zu finden.

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