Wenn die ersten Zähne kommen…

Dr. med. Nadine Heß

Die meisten Eltern freuen sich darauf, dass ihre kleinen Lieblinge endlich die ersten Zähne bekommen. Aber wenn es dann soweit ist, geht häufig das Geschrei los. In manchen Fällen läuft das Zahnen auch ohne Schmerzen ab, ohne durchwachte Nächte.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: "Helfen können Sie Ihrem Kind, indem Sie ihm kühle, feste Gegenstände geben, auf denen es beißen kann – zum Beispiel einen Beißring. Der Gegendruck und die Kühle lindern das Schmerzgefühl." © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Wer Weißheitszähne bekommen hat – und wem sie nicht vor Durchbruch gezogen wurden – weiß aber, wie schmerzhaft es sein kann, wenn ein Zahn sich das erste Mal durch das Zahnfleisch an seinen späteren Platz bohrt und nicht schon vorgebahnte Wege hat, wie beim Zahnwechsel im Schulalter. Aber was können Eltern dann tun? Wie werden die Nächte wieder ruhig und die Kinder schmerzfrei? Ungefähr zwischen dem 5.-8. Lebensmonat sucht er sich den Weg in die Freiheit – der erste Zahn. Bei einigen Kindern kommt er später, manche kommen dafür bereits mit einem Zahn zur Welt. In der Regel brechen als erstes die beiden Schneidezähne (S1 genannt) im Unterkiefer durch.

Die ersten Zähne kündigen sich an. Typische Symptome, die aber nicht jedes Kind aufweist, sind: Vermehrtes kauen auf harten Gegenständen oder auch lutschen an den Händen, erhöhter Speichelfluss, allgemeine Unruhe, teilweise verbunden mit nächtlichem Erwachen, manchmal ist bereits eine leichte Rötung und Vorwölbung des Zahnfleisches erkennbar. Steht der Durchbruch unmittelbar bevor, kann der Zahn bereits als weißliches Schimmern erahnt werden.

 

Erste Zähne: Beißring kann bei Durchbruch helfen

Helfen können Sie Ihrem Kind, indem Sie ihm kühle, feste Gegenstände geben, auf denen es beißen kann – zum Beispiel einen Beißring. Der Gegendruck und die Kühle lindern das Schmerzgefühl. Achten Sie aber darauf, dass die Beißgegenstände für Kinder geeignet sind – also nichts versehentlich herausgebissen werden kann, an dem das Kind sich verschlucken könnte (das gilt beispielsweise auch für gekühlte Möhren!) und sie nicht zu kalt sind (nichts aus dem Tiefkühlschrank nehmen), sonst drohen möglicherweise Kälteverletzungen.

In Apotheken sind diverse Gels mit sogenannten Lokalanästhetika erhältlich, die bei Zahnungsbeschwerden helfen sollen. Wenn sie für das Alter des Kindes bereits zugelassen sind, ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings ist die Wirkung meist nur kurz, die Kinder gewöhnen sich an den häufig süßen Geschmack und verlangen dann gezielt nur deshalb wieder danach und die maximale Dosis darf keinesfalls überschritten werden.

 

Erste Zähne: Bei starken Schmerzen ist leichtes Schmerzmittel gute Wahl

Bei starken Zahnungsbeschwerden spricht meines Erachtens nichts dagegen, dem Kind nach Rücksprache mit dem Kinderarzt auch an ein oder zwei Abenden ein orales oder rektales (=Zäpfchen) Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen zu verabreichen. Wobei ich persönlich Ibuprofen ab dem Alter von 6 Monaten (vorher nicht zugelassen!) etwas bevorzuge, da es noch leicht entzündungshemmend und abschwellend wirkt.

Bevor Kind und Eltern die X-te unruhige, durchweinte Nacht haben, ist es absolut vertretbar, ein Schmerzmittel in alters- und gewichtsangepasster Dosierung zu geben. Fragen Sie dazu den Apotheker.

Es existieren zudem viele homöopathische Präparate, die das Durchbrechen der ersten Zähne erleichtern sollen. Wenn Sie oder Ihre Freundinnen damit gute Erfahrungen gemacht haben, ist auch hier nichts dagegen einzuwenden, diese einzusetzen – wer hilft, hat recht!

 

Erste Zähne: Veränderte Ernährung kann Durchfall verursachen

Manche Kinder reagieren während des Durchbrechens der ersten Zähne mit einem wunden Po. Warum das so ist, ist nicht wirklich geklärt. Möglicherweise steht es im Zusammenhang mit dünnerem Stuhl, der oft durch in der Zahnungsphase veränderte Ernährungsgewohnheiten zustande kommt. Dass es während des Zahnens zu mehr Fieber oder Infekten kommt, konnte allerdings bislang nicht durch Studien bestätigt werden.

Eine Studie aus dem Jahr 2011* konnte zwar nachweisen, dass es bei durchbrechenden Zähnen häufig zu vermehrtem Speichelfluss, Unruhe, Schlafschwierigkeiten, laufender Nase, Appetitminderung, Durchfall und Hautrötungen kommen kann, Fieber und andere Symptome stehen aber in keinem direkten Zusammenhang dazu. Dass zahnende Kinder zum Teil öfter an (möglicherweise auch fieberhaften) Infekten leiden, hängt wahrscheinlich eher mit der Tatsache zusammen, dass die „Kinder in dem Alter langsam ihren Netzschutz verlieren und den üblichen Krankheitskeimen der Kindheitsphase ausgesetzt sind“** als mit dem Zahnen selbst.

* Ramos-Jorge J., et al (2011): Prospective Longitudinal Study of Signs and Symptoms Associated With Primary Tooth Eruption. Pediatrics 128(3)471-76

** Sood S, Sood M. (2010): Teething: myths and facts. J Clin Pediatr Dent.;35(1)9-13

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