Wenn der Magen streikt...

Expertin Nadine Hess Erbrechen
Expertin Dr. Hess: "Die im geriebenen Apfel enthaltenen Pektine wirken beispielsweise Stuhl-aufquellend und lindern so den Durchfall." © privat

Jeder leidet irgendwann mal daran – Übelkeit und Erbrechen. Sehr unangenehm für alle Beteiligten und bei Kindern oft mit Sorgen verbunden: Was tun, wenn das Erbrechen einfach nicht aufhören möchte? Eine sogenannte Teepause einlegen oder mit Schonkost vorsichtig wieder starten? Und: Wann sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden?

 

Das sagt die Kinderärztin Nadine Hess:

Der häufigste Grund für Bauchschmerzen in Verbindung mit Erbrechen ist eine Virus-Erkrankung. Aber zum Glück ist eine solche Infektion meistens selbstlimitierend. Das heißt, nach einigen Stunden geht die unangenehme Phase in der Regel auch ohne Medikamente vorüber. In bestimmten Situationen sollte dagegen unbedingt ein Arzt aufgesucht werden – erst recht, wenn Kleinkinder oder Säuglinge betroffen sind.

Ein deutliches Anzeichen für ein ernsthaftes medizinisches Problem ist beispielsweise das unstillbare Erbrechen von Magensaft und Galle. Denn irgendwann wird der eigentlich sinnvolle Effekt des Erbrechens, nämlich die Reduzierung der Viren- oder Bakterienlast und die vorübergehende Entlastung von der Verdauungsarbeit, aufgehoben. Der Körper verliert bei unaufhörlichem Erbrechen nur noch wichtige Salze und Flüssigkeit und wird zunehmend geschwächt.

Aber grundsätzlich ist Erbrechen nichts Schlechtes, wenngleich auch sehr unangenehm und man sollte dem Körper zunächst mal die Möglichkeit geben, den Infekt „auf seine Art“ zu bekämpfen. Es ist also gar nicht unbedingt sinnvoll, sofort etwas gegen das Erbrechen oder die Übelkeit zu unternehmen. Bei unstillbarem Erbrechen ist der Einsatz von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen (= Antiemetika) allerdings durchaus gerechtfertigt.

Bei Kindern unter zwei Jahren ist nur Dimenhydrinat zugelassen, ein Medikament, was auch bei Reiseübelkeit eingesetzt werden kann. Das bei Erwachsenen gut verträgliche Metoclopramid darf erst Kindern über zwei Jahren verabreicht werden und ist dann auch nicht das Mittel der ersten Wahl. Metoclopramid kann bei Kindern, aber auch bei einigen Erwachsenen, zu neurologischen Beschwerden (extrapyramidal-motorische Störungen = unkontrollierte krampfartige Bewegungen) führen.

Bei Erwachsenen ist häufig ein selbstgemachter Ingwertee hilfreich: Ein paar Scheiben frischen Ingwer mit kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen und schluckweise möglichst warm trinken. Die im Ingwer enthaltenen Substanzen Gingerol und Zingeron sind für die antiemetische Wirkung verantwortlich. Neueste Studien ergaben sogar, dass der Einsatz von Ingwer auch gegen Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen sinnvoll und gefahrfrei möglich ist.*

Wichtig: Dimenhydrinat, das es als Zäpfchen sowie in Sirup- und Tablettenform gibt, darf keinesfalls überdosiert werden. Halten Sie bitte unbedingt die im Beipackzettel angegebene Maximaldosis für das Gewicht Ihres Kindes ein. Empfehlenswert ist es, nach Verabreichung eines Antiemetikums mindestens 30-60 Minuten auf Nahrung und Flüssigkeit zu verzichten, damit der Magen etwas Ruhe bekommt und das Medikament wirken kann. Danach vorsichtig und schluckweise mit klarer Flüssigkeit wie Wasser, Kamillentee oder die in jeder Apotheke erhältlichen Rehydratationspulver (werden in Wasser aufgelöst und ersetzen die durch das Erbrechen verlorengegangenen Elektrolyte, gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen) wieder beginnen.

Bei kleinen Kindern kann es schwierig sein, nur kleine Schlucke trinken zu lassen, hier können Sie sich behelfen, indem Sie Ihrem Kind alle fünf Minuten einen Esslöffel Flüssigkeit geben. Ein Esslöffel enthält etwa 15 ml – in einer Stunde können Sie Ihrem Kind so 180 ml zuführen. Kinder, die noch gestillt werden, sollten unbedingt weiter gestillt werden, legen Sie das Kind kürzer, aber dafür häufiger an.

Von einer sogenannten „Teepause“, also dem Verzicht auf feste Nahrung für einen Tag oder länger, raten die meisten Experten mittlerweile ab. Die Wiederherstellung der Magen-Darmflora wird dadurch eher verzögert. Beginnen Sie lieber mit leicht verdaulichen Nahrungsmitteln, wie einem trockenen Brötchen, Zwieback oder einem Karotten-Kartoffelstampf. Meiden Sie fettige, scharfe oder saure Speisen für ein oder zwei Tage.
 

* Thomson M, Corbin R, Leung L.: Effects of ginger for nausea and vomiting in early pregnancy: a meta-analysis. J Am Board Fam Med. 2014 Jan-Feb;27(1):115-22

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