Wenn das Gehirn die Zehen vergisst

Fußmassage
Welcher Zeh wird gerade berührt? Beim großen Zeh fällt die Zuordnung leicht, doch bei den mittleren Zehen liegen die meisten Menschen häufig falsch © Fotolia

Mit geschlossenen Augen sind wir nicht in der Lage, unsere Zehen korrekt zu bestimmen – das zeigt jetzt ein Experiment britischer Wissenschaftler. Praxisvita erklärt, wie unser Gehirn uns dabei eine Falle stellt.

Für ihr Experiment ließen Wissenschaftler der Oxford University Probanden die Augen schließen – anschließend wurden ihre Finger oder Zehen nacheinander angetippt. Die Studienteilnehmer sollten nun bestimmen, welcher Zeh oder Finger berührt worden war.

 

Probanden konnten Zehen nicht auseinanderhalten

Das Ergebnis: Beim Zuordnen der Finger hatten die Probanden in der Regel keine Probleme – in 99 Prozent der Fälle lagen sie richtig. Die korrekte Bestimmung der Zehen gestaltete sich als deutlich schwieriger: Während die Trefferquote beim kleinen und großen Zeh immerhin 94 Prozent betrug, lag sie bei den mittleren Zehen bei 57, 60 und 79 Prozent.

Die Testpersonen waren unterschiedlich gut darin, ihre Zehen auseinanderzuhalten – doch niemand schaffte es, jedes Mal richtig zu liegen. Irrten sich die Probanden, geschah das meist nach einem bestimmten Muster: Der zweite Zeh wurde für den dritten gehalten und der dritte Zeh für den vierten. Die Bestimmung fiel noch schwerer, wenn am nicht dominanten Fuß (bei Rechtshändern meistens der rechte Fuß, bei Linkshändern meistens der linke) getestet wurde.

 

Zeh scheinbar verschwunden

Die Forscher stießen auf ein weiteres Phänomen: Fast die Hälfte der Probanden berichtete während des Experiments von dem Gefühl, dass ihnen ein Zeh fehlte.

Nach Erklärung der Studienautoren nimmt das Gehirn die Abgrenzungen zwischen den Zehen nicht genau wahr, sondern benötigt die visuelle Bestätigung durch die Augen, um zu spüren, wo ein Zeh aufhört und der nächste anfängt. So kommt es ihrer Ansicht nach dazu, dass wir mit geschlossenen Augen einzelne Zehen nicht auseinanderhalten oder sogar gar nicht wahrnehmen können.

Hamburg, 23. September 2015

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