Wenn Darmträgheit den Körper schwächt

Darmträgheit verschlechtert sich die Blutversorgung des Verdauungstrakts
Bei Darmträgheit verschlechtert sich die Blutversorgung des Verdauungstrakts – Schmerzen sind die Folge © Fotolia

Darmträgheit macht vor allem Frauen zu schaffen. Fast jede vierte beklagt sich über quälende Verdauungsbeschwerden. Berliner Wissenschaftler haben jetzt das Problem mit einer ausgeklügelten Technik direkt am Ort des Geschehens untersucht – im Darm. Die überraschende Entdeckung: Bei einer Verstopfung sind die kleinsten Blutgefäße im Darm blockiert, wodurch die körpereigenen Abwehrkräfte geschwächt werden.

Wir wissen heute, dass die meisten krankhaften Zustände im Magen-Darm-Trakt durch Störungen in den winzigen Gefäßen am Ende der Blutbahn entstehen", erläutert Dr. Rainer Klopp.

Dr. Klopp hat bei chronisch verstopften Patienten untersucht, welchen Einfluss eine Verstopfung auf die Blutversorgung des Darms hat. Mit Hilfe der so genannten Intravitalmikroskopie wurden winzige Gefäßnetzwerke fotografiert und gefilmt, gleichzeitig lieferte die so genannte Reflexionsspektrometrie genaue Daten über die Versorgungssituation in den kleinen Darmgefäßen.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zu Darmträgheit und Verstopfung:

  • Bei Verstopfung verschlechtert sich die Blutversorgung des Darms von Stunde zu Stunde.
  • Bei einer länger bestehenden Verstopfung werden über 15 Prozent der winzigsten Blutgefäße sehr schlecht durchblutet.
  • Verstopfter Darm – krankes Immunsystem
  • Die Verstopfung lässt das Blut im Darm regelrecht stocken: Es wird dickflüssiger und fließt träger.
  • Die Versorgung des Darms mit Sauerstoff nimmt um mehr als zehn Prozent ab.
  • Der Darm büßt von seiner wichtigen Abwehrrolle ein, schwächt also das Immunsystem.

Bei Gabe eines Abführmittels mit dem Wirkstoff Bisacodyl ergibt sich dagegen ein völlig anderes Bild: Die Eigenbewegungen des Darms werden angeregt, das Blut wird dünnflüssiger und fließt schneller, auch das Immunsystem kann problemlos arbeiten.

Als Allgemeinmaßnahmen zur Behebung der lästigen Darmträgheit werden reichlich Bewegung, Bauchmassagen im Uhrzeigersinn, genügend Flüssigkeit (mindestens zwei Liter pro Tag) und die Erziehung des Darms zur Pünktlichkeit empfohlen. Auch Ballaststoffe, etwa ein bis drei Esslöffel Leinsamen oder Kleie täglich, die die Eigenbewegungen des Darms anregen, können von Nutzen sein. Doch Professor Dr. Stefan Müller-Lissner (52), Chefarzt an der Parkklinik Berlin-Weißensee, schränkt ein: „Bei Patienten mit einer chronischen Verstopfung helfen diese Maßnahmen allein oft nicht mehr. Dann ist es vernünftiger, nach Absprache mit dem Arzt eine Zeitlang ein geeignetes Abführmittel einzunehmen."

Quelle: Das Neue Blatt, 24/2003

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