Wenn Brustgewebe woanders wächst

Redaktion PraxisVITA

Ärzte berichten über einen Fall in Österreich, bei dem eine Frau Muttermilch aus ihrer Vulva absonderte. Dieser spezielle Fall ist sehr selten – doch Brustgewebe an anderen Körperstellen als der Brust kommt häufiger vor.

Muttermilch
Foto:  Reptile8488/iStock

Brustgewebe kann auch an anderen Körperstellen wachsen – meist in der Nähe der Brust im Bereich der Achselhöhlen. Bekommt eine betroffene Frau ein Kind, kann dieses „zusätzliche“ Brustgewebe Muttermilch bilden. Eine solche „aberrierende Mamma“ kommt bei ein bis fünf Prozent aller Frauen vor.

Bei einer 29-jährigen Frau in Österreich trat ein besonderer Fall ein: Sie hatte vor kurzem ihr zweites Kind zur Welt gebracht, als sie starke Schmerzen auf der rechten Seite ihrer Vulva entwickelte. Ihre Ärzte bemerkten eine Schwellung in einem Bereich, in dem sie nach der Geburt genäht worden war – sie gingen darum zunächst von einem Abszess aus.

 

Vulva sonderte Muttermilch ab

Die Patientin berichtete, vier Tage nach der Geburt seien beide Seiten ihrer Vulva angeschwollen und es sei eine „milchig-weiße“ Flüssigkeit ausgetreten. Bereits nach ihrer ersten Schwangerschaft habe sie solche Schwellungen bemerkt.

Daraufhin vermuteten die Ärzte, dass es sich um „ektopisches“, also verlagertes, Brustgewebe handelte – der Verdacht bestätigte sich bei einer Ultraschalluntersuchung.

Die rechte Seite war besonders stark geschwollen, weil die Nähte die Milchdrüsen verschlossen. Nachdem die Nähte entfernt worden waren, ließen die Schmerzen sofort nach. Die Ärzte der Frau berichten in dem Fachblatt Obstetrics & Gynecology über den Fall.

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Zusätzliches Brustgewebe kann operativ entfernt werden

Eine aberrierende Mamma stellt kein oder nur ein minimales gesundheitliches Risiko dar – dennoch kann sie für betroffene Frauen sehr belastend sein. Neben kosmetischen Problemen können in der Schwangerschaft und nach der Geburt Beschwerden entstehen. Nicht immer kann das Gewebe die produzierte Milch absondern – die so entstehende Schwellung kann zu starken Schmerzen führen. Das zusätzliche Brustgewebe kann in einem operativen Eingriff komplett entfernt werden.

Quelle:
Mayer, R. et al. (2019): Postpartum Galactostasis of the Vulva in a Case of Bilateral Lactating Ectopic Breast Tissue, in: Obstetrics & Gynecology.

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