Weniger Antibiotika im Essen

Rasmus Cloes
Fleisch mit Bioland- oder Neuland-Siegel ist weniger mit Antibiotika belastet
Fleisch mit Bioland- oder Neuland-Siegel ist weniger mit Antibiotika belastet © Fotolia

Etwa 70 Prozent der Deutschen haben Angst vor Antibiotika in ihrem Essen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Für sie hat der BfR-Präsident Professor Andreas Hensel eine gute Nachricht: „Antibiotikaresistente Keime in der Lebensmittelkette nehmen nicht weiter zu. Der negative Trend der letzten Jahre hält somit nicht weiter an!“ Die positive Botschaft übermittelte er auf dem Kongress „Antibiotikaresistenz in der Lebensmittelkette“, den das Institut am 2. und 3. November in Berlin veranstaltete.

 

Antibiotikaresistente Keime durch Tierhaltung

Lange schien es unmöglich, die Entwicklung von neuen, resistenten Keimen zu stoppen. Eine wichtige Ursache dafür: In Europa werden jedes Jahr mehrere 1000 Tonnen Antibiotika vorsorglich in der Tierhaltung eingesetzt. „Das hat rein prophylaktische Gründe“, sagt der Hygieniker Prof. Franz Daschner. Die Praxis komme besonders in der Massentierhaltung vor, weil sich dort Krankheiten schneller ausbreiteten. „Deshalb werden die Tiere über das Trinkwasser mit Antibiotika behandelt, auch wenn sie gar nicht krank sind.“ Die Folge sind resistente Keime. Denn: „Immer dann, wenn man Antibiotika gibt, entstehen resistente Keime“, so Daschner. „Wird ein Tier, das diese Keime in sich trägt, geschlachtet, können die Bakterien ihren Weg auf den Teller des Menschen finden.“

Genau an dieser Stelle zeigt sich in den letzten Jahren ein positiver Wandel: Tierärzte haben in Deutschland seit 2011 deutlich weniger Antibiotika verschrieben. Im Jahr 2011 waren es noch 1706 Tonnen. Drei Jahre später ist die Zahl auf 1238 gesunken – immerhin ein Rückgang von fast 30 Prozent.

Welche Maßnahmen zu dieser Veränderung geführt haben, wissen die Experten bislang jedoch nicht. „Jetzt ist es wichtig, die Ursachen für diesen ersten erfreulichen Befund zu finden und weitere Maßnahmen zu ergreifen“, sagt auch BfR-Präsident Hensel. Fest steht: Es wird noch lange dauern, bis Fleisch frei von antibiotikaresistenten Keimen ist.

 

Einfache Hygiene-Tipps

Bis dahin müssen Verbraucher sich selber schützen. Hygiene-Experte Daschner rät: „Die richtige Küchenhygiene vor allem beim Umgang mit rohem Fleisch ist das A und O. Hände immer gründlich mit Seife waschen. Schneidebretter, Messer und Töpfe immer im Geschirrspüler reinigen.“ Wichtig sei es auch, das Fleisch richtig durchzugaren, um die Keime abzutöten. Und was auch schützt: Kaufen Sie Fleisch, das nicht mit zugesetzten Hormonen oder Antibiotika produziert wurde. Zum Beispiel von „Bioland“ oder „Neuland“.

Hamburg, 3. November 2015

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