Wen juckt's?

Neben Erkrankungen wie Neurodermitis können auch trockene Haut oder Stoffwechselstörung der Leber das Reizgefühl der Haut hervorrufen
Juckreiz kann viele Ursachen haben. Neben Erkrankungen wie Neurodermitis können auch trockene Haut oder Stoffwechselstörung der Leber das Reizgefühl der Haut hervorrufen © iSTOC

Rund vier Millionen Deutsche haben mit juckender Haut und Ausschlägen zu kämpfen. Die Ursache: Neurodermitis. Oder? Wir fragten den Dermatologen Dr. Peter Weisenseel.

 

Stimmt es, Neurodermitis ist eine Kinderkrankheit?

Nein. Aber was stimmt, ist, dass bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen die Krankheit in der frühen Kindheit erstmalig auftritt.

 

Und können die Betroffenen geheilt werden?

Neurodermitis ist eine chronischentzündliche Hauterkrankung mit genetischem Hintergrund. Die Veranlagung bleibt ein Leben lang, Neurodermitis ist nicht heilbar. Aber: Die Symptome können gut behandelt werden.

 

Trotzdem haben viele Erwachsene mit extremem Juckreiz und entzündeter Haut zu kämpfen. Haben sie am Ende gar keine Neurodermitis?

Dr. Weisenseel ist Facharzt für Dermatologie und Allergologie im Dermatologikum Hamburg
Dr. Weisenseel ist Facharzt für Dermatologie und Allergologie im Dermatologikum Hamburg© privat

Die Veranlagung dafür bleibt. Deshalb können äußere Faktoren immer wieder Schübe auslösen. Der Juckreiz kann aber auch viele andere Ursachen haben, etwa trockene "Winterhaut". Stoffwechselstörungen der Leber oder Niere, sogar Tumorerkrankungen können juckende Hautveränderungen verursachen.

 

Ist Juckreiz immer ein Fall für den Arzt?

Ja, wenn er über mehrere Wochen anhält, ohne dass sich der Grund dafür erklären lässt.

 

Gibt es weitere typische Auslöser?

Allergien, extremes Klima, zu häufiges Waschen oder die falsche Hautpflege sind nur einige Beispiele. Besonders bei Neurodermitis ein nicht zu vernachlässigender Faktor: psychischer Stress.

 

Stress als Verursacher - müssen Neurodermitiker also eher zum Psychologen als zum Hautarzt?

Wenn sie das Gefühl haben, dass Stress ein zentraler Auslöser der Schübe ist, dann ist es sinnvoll, auch eine psychologische bzw. psychosomatische Beratung in Anspruch zu nehmen. Ziel ist es, die Auslöser zu erkennen und zu vermeiden - und dadurch Schübe zu verhindern. Allerdings kann der Psychologe nicht den Facharzt ersetzen.

 

Was hilft in der akuten Phase, wenn die Haut juckt, schmerzt und entzündet ist?

Kortisonhaltige Salben gehören immer noch zum Standard. In der Therapie setzen wir heute auch andere entzündungshemmende Substanzen oder UV-Licht ein. Außerdem wichtig: eine gute Hautpflege, um die Hautbarriere zu stärken. Bei Neurodermitis ist die Barrierefunktion der obersten Hautschicht gestört. Dadurch ist die Haut trockener, verliert mehr Wasser und entzündet sich schneller.

 

Wie sieht eine gute Hautpflege generell aus?

Am besten nach jedem Duschen oder Baden eincremen, weil die Haut durch den Kontakt mit Wasser und Seife entfettet wird. Gerade im Winter braucht trockene Haut einen höheren Fettanteil, dann sind Wasser-in-Öl-Produkte besser. Bei Neurodermitis empfehle ich außerdem, soweit es geht, auf Duftstoffe in den Pflegeprodukten zu verzichten, da sie Allergien und damit Schübe begünstigen.

 

So erkennen und behandeln sie Neurodermitis

Eine Frage der Gene Neurodermitis hat einen genetischen Hintergrund. Schübe werden verursacht durch eine überschießende, fehlgeleitete Immunreaktion. Auslöser dafür können äußere Faktoren wie Nahrungsmittel (Eier, Milch, Erdnüsse), Reinigungsmittel, Tierhaare oder Stress sein.

 

Juck-Kratz-Zirkel

Hauptsymptome sind gerötete, trockene, schuppige Haut und starker Juckreiz. Das Problem: Geben Betroffene dem Juckreiz nach und beginnen zu kratzen, verletzen sie die oberste Hautschicht. Erreger können eindringen, schmerzhafte Entzündungen verursachen - und den Juckreiz noch verstärken.

 

Regelmäßige Hautpflegege

Rückfettende Salben oder Lotionen helfen, den Schutzschild der Haut zu stärken und den Juckreiz zu verringern. Bei einem akuten Neurodermitis-Schub mit entzündeten, juckenden Ekzemen können neben kortisonhaltigen Cremes und entzündungshemmenden Produkten vom Arzt auch feuchte Wickel, z. B. mit unparfümiertem Schwarztee, Linderung verschaffen.

 

Heißkalt erwischt

Auch gesunde Haut ist sensibel - gerade im Winter setzen ihr ständige Wechsel zwischen trockener Heizungsluft in den Räumen und Kälte draußen extrem zu. Bei niedrigen Tempera turen verengen sich zudem die Blutgefäße, und die Talgdrüsen reduzieren ihre Tätigkeit. Die Haut wird trocken, spannt und juckt.

 

Starker Schutzschild

Trockene Haut braucht Unterstützung, um die Schutzbarriere gegen Erreger zu erhalten. Sehr hilfreich dabei: Wasser-in-Öl-Emulsionen mit natürlichen Ölen, wie Süßmandel- oder Olivenöl (z. B. in Eubos Trockene Haut Urea Körperlotion, Apotheke). Die Kombination aus Fett und Wasser schützt vor Austrocknung und stärkt zugleich den hauteigenen Schutzschild.

 

Sanfte Hilfe

Das stärkt trockene Haut außerdem: Zur Reinigung pH-neutrale Waschlotionen verwenden, die den Säureschutzmantel der Haut nicht angreifen. Ölbäder verbessern den Wasser- und Fettgehalt der Haut und können zusätzlich den Juckreiz lindern. Um die Hautelastizität zu erhalten, empfehlen Hautärzte, ausreichend zu trinken.

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