Weltkrebstag 2020: Der Stand der Krebsforschung

Verena Elson Medizinredakteurin

Am vierten Februar findet zum 20. Mal der Weltkrebstag statt. Wie jedes Jahr liegt der Fokus auch im Jubiläumsjahr auf Prävention und Früherkennung von Krebserkrankungen. Doch auch in der Krebstherapie gibt es stetig neue Fortschritte zu verzeichnen. Wie ist der aktuelle Stand der Forschung?

Hände halten eine Schleife
Am 04.02. ist wieder Weltkrebstag Foto:  IStock/ThitareeSarmkasat
Inhalt
  1. Was macht die Krebsforschung?
  2. Das Immunsystem im Kampf gegen Krebs unterstützen
  3. Monoklonale Antikörper in der Krebsforschung
  4. Präventionsforschung: Lässt sich Krebs verhindern?
 

Was macht die Krebsforschung?

Ziel der Krebsforschung ist es, neue Therapien und genauere Diagnostikverfahren zur Erkennung und Behandlung von Krebserkrankungen zu entwickeln. Zudem betreiben Wissenschaftler Grundlagenforschung zum Thema Krebs, um genauere Erkenntnisse zur Entstehung der Krankheit zu gewinnen. Kandidaten für neue Krebsmedikamente werden zunächst im Labor an Zellkulturen oder Tieren getestet (vorklinische Studien), bevor ihre Verträglichkeit und Wirksamkeit an Menschen geprüft werden (klinische Studien).

Die Krebsforschung wird an Universitäten, Universitätskliniken und anderen Krankenhäusern sowie Bundesinstitutionen und Unternehmen betrieben. Seit Jahren liegt der Fokus der Krebsforschung darauf, die Krebstherapie gezielter und damit verträglicher zu machen. Die sogenannte Präventionsforschung hat das Ziel, die Erkrankungszahlen auf ein niedrigeres Niveau zu bringen.

 

Das Immunsystem im Kampf gegen Krebs unterstützen

Ein vielversprechender Ansatz der Krebsforschung, der bereits gute Erfolge gebracht hat, ist die Immuntherapie gegen Krebs. Ziel dieser Therapieform ist es, das Immunsystem auf den Krebs aufmerksam zu machen. Der Hintergrund: Bei Krebs versagt die Körperabwehr, weil sie die Tumorzellen nicht als solche erkennt.

Normalerweise heften sich Antikörper des Immunsystems an schädliche Zellen wie Krankheitserreger um sogenannten Fresszellen den „Auftrag“ zu geben, diese Zellen zu zerstören. Dank eines speziellen Mechanismus gelingt es den Krebszellen jedoch, sich vor dem Immunsystem zu verstecken, indem sie sich als gesunde Zellen tarnen.

 

Monoklonale Antikörper in der Krebsforschung

Seit einigen Jahren arbeiten Forscher mit sogenannten monoklonalen Antikörpern. Viele davon sind bereits als Medikamente zugelassen; andere befinden sich noch in der Testphase. Monoklonale Antikörper können in der Krebstherapie drei verschiedene Funktionen erfüllen. Erstens können sie die Fresszellen des Immunsystems zu den Tumorzellen „locken“: Sie binden Krebs- und Fresszellen gleichsam aneinander und sorgen so dafür, dass die Tumorzellen den Fresszellen nicht entkommen können und zerstört werden.

Eine zweite mögliche Aufgabe der monoklonalen Antikörper ist das „Entfesseln“ des Immunsystems: So gibt es „Bremsen“ in den Immunzellen, die verhindern sollen, dass gesunde Zellen angegriffen werden. Krebszellen schaffen es wiederum durch ihre Tarnung als gesunde Zellen, diese Bremsen für sich zu nutzen. Monoklonale Antikörper sind in der Lage, die Bremsen im Kampf gegen die Tumorzellen zu lösen.

Die dritte Funktion der monoklonalen Antikörper: Sie hindern die Tumorzellen am Wachsen, indem sie wichtige Andockstellen auf der Oberfläche der Zelle blockieren. Bei diesen Andockstellen handelt es sich um Rezeptoren für sogenannte Wachstumsfaktoren: Diese sorgen dafür, dass Zellen wachsen können. Docken die monoklonalen Antikörper an die Rezeptoren für die Wachstumsfaktoren an, sind die Andockstellen „besetzt“ und die Wachstumsfaktoren kommen nicht mehr an die Zelle heran, um sie zum Wachstum anzuregen.

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Präventionsforschung: Lässt sich Krebs verhindern?

Ein weiterer Zweig der Krebsforschung ist die Präventionsforschung: Sie beschäftigt sich zum einen damit, welche Faktoren die Entstehung von Krebs beeinflussen. Zum anderen beinhaltet sie Maßnahmen, mehr Menschen zur Teilnahme an Krebs-Präventionsprogrammen zu bewegen.

Laut aktuellem Stand der Präventionsforschung wären rund 40 Prozent der pro Jahr in Deutschland diagnostizierten Krebserkrankungen durch eine Änderung des Lebensstils vermeidbar. Je nach Lebensstil ergibt sich so – auch unabhängig von den genetischen Vorbelastungen – ein individuelles Krebsrisiko für jeden Menschen. Als häufigste beeinflussbare Faktoren bei der Krebsentstehung gelten:

  • Tabakkonsum (verantwortlich für etwa 20 Prozent der Krebserkrankungen)
  • Ungesunde Ernährungsweisen (verantwortlich für etwa acht Prozent der Krebserkrankungen)
  • Übergewicht (verantwortlich für etwa sieben Prozent der Krebserkrankungen)
  • Bewegungsmangel (verantwortlich für etwa sechs Prozent der Krebserkrankungen)

Zusätzlich können einige Krebserkrankungen durch Infektionen ausgelöst werden – so ist das Humane Papillomvirus (HPV) der Hauptauslöser von Gebärmutterhalskrebs. Demnach schützt die HPV-Impfung vor dieser sowie einiger anderer Krebsarten.

Quellen:

Krebsinformationsdienst.de: Krebsforschung und klinische Studien
Krebsinformationsdienst.de: Immuntherapien bei Krebs
Deutsche Krebsgesellschaft: Die Entwicklung neuer Krebsmedikamente – von der Forschung in die Praxis
Bundesministerium für Bildung und Forschung: Präventionsforschung

 

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