Welcher Sport eignet sich für mein Kind in welchem Alter?

Dr. med. Nadine Heß

Klettern, rennen, hüpfen: Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Viele Eltern suchen daher eine Möglichkeit, bei der die Kleinen durch Sport ihre Freude an Bewegung ausüben können. In welchem Alter sollten Eltern ihre Kleinen an Sport heranführen? Und welche Sportart ist für welches Kind geeignet? Unsere Kinderärztin Dr. Nadine Hess klärt auf.

Mädchen klettert
Kinder sollten zwar nicht sofort mit der Sportart aufhören, wenn sie nach den ersten Malen keine Lust mehr haben, aber auf Dauer sollte im Mittelpunkt stehen, dass das Kind beim Sport den Spaß behält © alamy

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess: Babyschwimmen ab vier Monaten

Der kindliche Bewegungsdrang ist angeboren. Bereits ab vier Monaten können Eltern dem Drang der Kleinen nachkommen und mit dem Babyschwimmen beginnen. Da Kinder sich in den ersten Monaten auf dem Wasser wesentlich sicherer fühlen als auf dem Trockenen, gelingen ihnen Bewegungen, zu denen sie im Grunde genommen noch gar nicht fähig sind. Im Wasser können die Kleinen sich angstfrei bewegen. Babyschwimmen bietet ­Eltern und Kindern eine große körperliche Nähe, was positiv für deren Bindung sein kann. Aber: Säuglinge können während des Babyschwimmens größere Mengen Wasser schlucken und damit Viren und Bakterien aufnehmen. Ich rate Eltern daher, vor Kursbeginn die Rotaviren-Impfung ihres Kindes vollständig abzuschließen.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Damit Ihr Kind nicht zu einem Bewegungsmuffel wird, können Sie es bereits im Kindergartenalter an Sport heranführen. Hauptsache ist, der ausgewählte Sport macht Kindern Spaß!“© privat
 

Turnen für Drei- bis Vierjährige

Für Kinder, die laufen können, eignen sich gemeinsame Turn-Kurse mit den Eltern. Hier sammeln die Kleinen wichtige Bewegungserfahrungen und lernen, ihr Körpergefühl zu trainieren. Sie können erste Turnübungen auf Matratzen ausüben, an Ringen schaukeln, auf Trampolinen springen, auf dem Schwebebalken balancieren oder Kisten auf- und absteigen. Auf diese Weise können die Kinder zum einen verschiedene Bewegungsarten testen. Zum anderen bekommen sie dabei erste Übungsabläufe mit und lernen es, sich beispielsweise bei Übungen einzureihen. Spielerisch wird dabei der ganze Körper trainiert. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass der Trainer oder die Trainerin weiß, wie man sich im Verletzungsfall zu verhalten hat.

 

Der klassische Mädchensport mit vier bis fünf Jahren: Tanzen

Viele Kinder lieben es, sich zur Musik zu bewegen und begeistern sich vor allem im Vorschulalter für das klassische Ballett. Viele Tanzschulen bieten bereits Kurse ab vier Jahren an. Dabei steht zunächst der spielerische Einstieg mit Musik im Fokus. Tanzen fördert die Bewegungsfreude und das Körpergefühl, steigert Ausdauer, Koordination und Balance. Mit klassischem Ballett sollten Kinder warten, bis sie eine gute, technische Grundlage haben, also die Muskeln von Rücken, Beinen und Füßen genügend gekräftigt sind und entsprechende Körperspannung da ist. Der früheste Zeitpunkt liegt etwa bei einem Alter von zehn Jahren.

 

Der klassische Jungensport mit vier bis fünf Jahren: Ballsport

Bereits im Alter von vier Jahren können Kinder an Handball herangeführt werden. Fußball ist nach wie vor ein beliebter Sport unter Jungs. Fußball bietet den Kleinen die Möglichkeit, Energie loszuwerden und sich auszutoben. Bei den ganz Kleinen geht es dabei noch nicht um Leistung. Vielmehr machen sie leichte Torschuss- und Ballübungen, um ein erstes Gefühl für den Sport zu entwickeln. Hierbei steht nur der Spaß im Vordergrund. Erst mit sechs oder sieben Jahren haben Kinder die erforderlichen körperlichen Fähigkeiten und ein ausreichendes Spielverständnis, um ein Spiel zu absolvieren.

 

Ab sechs Jahren: Selbstverteidigung

Sechs Jahre sind ein gutes Alter, um Kinder an Kampfsportarten wie Judo heranzuführen. Dem Kind werden Übungen für das eigene Körpergefühl und Körperspannung beigebracht, ohne sich zu verletzen oder zu überfordern. Durch den Trainer lernen sie den eigenen Körper kennen und nehmen ihn bewusster wahr. Bei Sportarten wie Judo lernen die Kinder, sich z. B. bei Stürzen richtig abzufangen.

Fußball spielen
Die meisten Kinder werden früher oder später selbst den Wunsch äußern, eine bestimmte Sportart auszuprobieren. Fußball ist bei Jungs nach wie vor sehr beliebt© Fotolia
 

Ab sieben Jahren: Klettern

Beim Klettern gilt es, sich an bestimmte Regeln zu halten. Disziplin und Sicherheit müssen von den Kindern verstanden werden. Mit sieben Jahren sind die Kleinen bereits ein Jahr in der Schule und haben eine gewisse Disziplin gelernt. Außerdem haben die meisten Kinder eine Größe erreicht, in der sie nicht mehr aus den Gurten schlüpfen können. Klettern ist für Kinder ein Grundbedürfnis. Es gibt wenige Bewegungsformen, bei denen Kinder besser Kraft und Gewandtheit erwerben können.

 

Ab acht Jahren: Leichtathletik

In der Leichtathletik gilt das Prinzip der Vielseitigkeit. Die Kinder trainieren die Grundbewegungsformen Laufen, Springen und Werfen. Erst mit der Zeit wird das Training auf die individuellen Stärken und Schwächen der kleinen Athleten angepasst. Wettkämpfe sind eine spielerische Form, eigene Grenzen zu erkennen und anderen Grenzen aufzuzeigen. Durch Wettkämpfe können Kinder lernen, Ehrgeiz zu entwickeln, ihre Talente und Fähigkeiten zu entdecken und ihre Motivation zu stärken. Das geht aber nur, wenn die Kinder es freiwillig machen!

 

Vorsicht bei diesen Sportarten

Krafttraining

Kinder, die mit dem Hanteltraining beginnen wollten, sollten mindestens zwölf Jahre alt sein. Zum einen ist der Körper bei jüngeren Kindern noch nicht in der Lage, große Muskelmassen aufzubauen. Zum anderen sollte erst der Körper wachsen, bevor gezielt Muskeln aufgebaut werden.

Boxen

Beim Boxen werden Schläge zum Kopf und Oberkörper gelehrt. Die Folge können Kopfverletzungen sein. Bei Kindern und Jugendlichen sind Gehirnerschütterungen und ähnliche Kopfverletzungen aber besonders gefährlich, da das noch nicht vollständig entwickelte Gehirn sehr empfindlich ist. Die Heilung der Gehirnerschütterungen bei Kindern kann bis zu zehn Tage länger dauern als beim Erwachsenen.

Reiten

Beim Reiten besteht eine erhebliche Unfallgefahr. Wirbelverletzungen, Gehirnerschütterungen und schwerere Kopfverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen beim Sturz von einem Pferd. Pferde sind zudem keine Schmusetiere, sondern können beißen und treten. Daher sollten Kinder schon im Stall unbedingt einen Helm tragen und festes Schuhwerk. Besonders hilfreich ist es, wenn Ihr Kind bereits Vertrauen zu Ponys und Pferden gefunden und erste Bewegungserfahrungen gemacht hat. Das beste Alter, um mit dem Reiten zu beginnen, liegt etwa bei zehn Jahren.

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