In welchem Alter ist das Selbstbewusstsein am höchsten?

Verena Elson

Schweizer Forscher haben in einer Studie ermittelt, in welchem Alter das Selbstvertrauen am höchsten ist. Doch wir können auch selbst viel tun, um unser Selbstbewusstsein zu stärken – mit diesen Tricks.

Drei Generationen
Unser Selbstbewusstsein entwickelt sich im Laufe des Lebens stetig Foto:  AleksandarNakic/iStock

Viele Menschen sehen dem Älterwerden mit negativen Gefühlen entgegen. Doch in Wahrheit ist dieser Lebensabschnitt besser als sein Ruf, wie Forscher der Universität Bern in einer Metaanalyse herausfanden. Denn im Alter von 60 Jahren ist unser Selbstbewusstsein durchschnittlich am höchsten.

Die Wissenschaftler analysierten 191 Forschungsartikel zum Thema Selbstbewusstsein, darin wurden die Daten von knapp 165.000 Personen berücksichtigt. Konkret ging es um Selbstvertrauen, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen.

 

Die Alterskurve – so entwickelt sich das Selbstbewusstsein

Die horizontale Achse zeigt das Alter, die vertikale Achse das durchschnittliche Selbstbewusstsein der Probanden. Quelle: Orth, Ulrich, Ruth Yasemin Erol und Eva C. Luciano
 

Die in den Langzeitstudien befragten Probanden waren vier bis 94 Jahre alt. Insgesamt ergab die Auswertung folgendes Bild: Das Selbstbewusstsein von Kindern entwickelt sich im Alter von vier bis elf Jahren zunehmend. Mit dem Eintritt in die Pubertät stagniert diese Entwicklung – das Selbstvertrauen geht aber nicht zurück. Dieses Ergebnis überraschte die Forscher; bisher waren Experten davon ausgegangen, dass das Selbstbewusstsein unter dem Beginn der Pubertät leidet, etwa aufgrund des sozialen Wettbewerbs unter Heranwachsenden.

Im Alter zwischen 15 und 30 Jahren steigt das Selbstbewusstsein stark an, zwischen 30 und 60 verläuft der Anstieg langsamer. Mit 60 ist im Schnitt das höchste Selbstbewusstsein erreicht und es bleibt auf diesem Niveau etwa bis zum Alter von 70 Jahren. Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Selbstbewusstsein wieder zurückzugehen, zunächst allerdings nur moderat. Ab 90 sinkt das Selbstvertrauen schneller und es kommt zu einem Einbruch in der „Entwicklungskurve“ des Selbstbewusstseins. 

 

Lebenserfahrung stärkt das Selbstbewusstsein

Das große Selbstvertrauen der 60-70-Jährigen erklären die Forscher mit dem Reichtum an Lebenserfahrung: Mit 60 hat man beruflich häufig schon viel erreicht, viele Menschen leben in stabilen Beziehungen und haben die Erziehung ihrer Kinder, die meist schon erwachsen sind, gemeistert. Im hohen Alter wirken sich dagegen körperliche oder kognitive Einschränkungen sowie in vielen Fällen der Verlust des Partners negativ auf das Selbstbewusstsein aus.

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Selbstbewusstsein stärken – die besten Tipps

Wer sich mehr Selbstbewusstsein wünscht, muss jedoch nicht warten, bis es von selbst wächst. Einige Tricks helfen dabei, das Selbstbewusstsein zu stärken: Dabei geht es vor allem darum, über Jahre gefestigte negative Denkmuster aufzubrechen und „umzulernen“. 

  • Vorhandene Denkmuster bewusst machen: Allein das „Aufdecken“ von negativen Gedanken und Selbstkritik kann helfen, sich davon zu distanzieren. 
  • Argumente sammeln: Um negative Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen oder zumindest zu übertönen ist folgende Übung sinnvoll: Schreiben Sie so viele positive Eigenschaften von sich auf, wie Ihnen einfallen. Diese sollten Sie so oft wie möglich laut oder in Gedanken wiederholen – dann beginnt das Gehirn, diese neue Art des Denkens zu lernen.
  • Nicht vergleichen: Diese Aufgabe kann extrem schwierig sein – sie lohnt sich aber. Wenn eine andere Person für uns glücklich und erfolgreich erscheint, heißt das nicht, dass es ihr tatsächlich besser geht als uns selbst. Bei solchen Vergleichen ziehen wir selbst meist unweigerlich den Kürzeren. Versuchen Sie, sich jeden dieser Vergleiche bewusst zu machen und ihn gedanklich zu entkräften.
  • Sport treiben: Sport steigert nachweislich das Selbstbewusstsein. Wer regelmäßig trainiert, nimmt sich Zeit für sich selbst, hat weniger Stress und erlebt Erfolge wie etwa die wachsende körperliche Fitness.
  • Anderen helfen: Wer anderen Menschen hilft oder eine Freude macht, ist hinterher stolz auf sich – ein echter Booster für das Selbstbewusstsein. Eine US-Studie zum Thema Glück zeigte außerdem, dass selbstlose Taten der beste Glücksgarant sind.
  • Verzeihen: Sich selbst oder anderen zu verzeihen stärkt das Selbstbewusstsein. Das Festhalten an Gefühlen wie Verbitterung und Groll kann uns dagegen in einen Strudel negativer Gedanken ziehen – und das verpasst dem Selbstbewusstsein einen Dämpfer.

Quelle:
Orth, Ulrich, Ruth Yasemin Erol und Eva C. Luciano (2018): Development of self-esteem from age 4 to 94 years: A meta-analysis of longitudinal studies, in: Psychological bulletin.
DOI: http://dx.doi.org/10.1037/bul0000161

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