Welche Therapie bei Legasthenie helfen kann

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Es gibt eine ganze Reihe von Förderungsmöglichkeiten und Therapien, die Menschen mit Legasthenie helfen können. Dabei ist grundsätzlich zu beachten: Je früher die Förderung einsetzt, desto größer sind die Chancen, dass das Kind einen Rückstand beim Lesenlernen aufholt, seine Rechtschreibung verbessert und bei noch folgenden Lerninhalten in der Schule mithalten kann.

Bei der innerschulischen Förderung geht es darum, dass direkt in der Schule Fördermöglichkeiten für Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche angeboten werden. Das Vorgehen variiert dabei je nach Bundesland und einzelner Schule.

 

Binnendifferenzierung, Fördergruppen und LRS-Förderklassen als Legasthenie-Therapie

  • Bei der Binnendifferenzierung fördern die Lehrer die Schüler innerhalb des Klassenverbands, z. B. mit speziellen Übungsblättern und Hilfestellungen. Für Kinder mit Legasthenie ist dies entlastend, in den meisten Fällen jedoch als Förderung nicht ausreichend.
  • Viele Schulen bieten Fördergruppen an, wo die Schüler mit Lese-Rechtschreibstörung ein- bis zweimal die Woche in einer kleinen Gruppe zusammenkommen und gezielt unterrichtet werden.
  • An einzelnen Schulen gibt es in bestimmten Bundesländern (z. B. Baden-Württemberg) LRS-Förderklassen, in denen alle legasthenen Schüler einer Jahrgangsstufe zusammen als Klasse unterrichtet werden. Die Klassengrößen sind hier geringer und die Betreuung erfolgt gezielt und individuell.
Jugendliche mit Lernschwaeche
Ein Lese- und Rechtschreibtraining kann für Legastheniker jeden Alters sinnvoll sein - etwa für Bewerbung, Ausbildung, Studium oder berufliche Kommunikation© Fotolia

Daneben ist für viele Kinder mit Legasthenie eine außerschulische Förderung sinnvoll, denn nicht jede Schule kann eine ideale Betreuung für Schüler mit speziellen Lernbedürfnissen realisieren. In dem Fall bietet sich eine Lerntherapie an, die ergänzend zum normalen Unterricht stattfindet. Diese Form der Förderung bieten sowohl lerntherapeutische Institute als auch frei praktizierenden Lerntherapeuten an. Wichtig bei der Therapiesuche ist, einen seriösen und kompetenten Therapeuten zu finden. Achten Sie deshalb darauf, ob er bei einem anerkannten Verein (z. B. Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie) ausgebildet ist, denn die Berufsbilder Lerntherapeut und Legasthenietherapeut sind in Deutschland nicht geschützt.

In der Lerntherapie erhalten Kinder mit Legasthenie einzeln oder in kleinen Gruppen ein gezieltes Lese- und Rechtschreibtraining und bekommen geeignete Lernstrategien und Arbeitstechniken an die Hand. Dabei ist entscheidend, dass die außerschulische Förderung eng mit den Schulinhalten verzahnt ist, dass also Kind und Therapeut Lücken aufholen und neue Lerninhalte vorbereiten können.

Auch für Erwachsene mit Legasthenie gibt es spezielle Trainings- und Förderprogramme, etwa an Instituten, durch private Trainer oder in Form von Selbstlernprogrammen. Ein Lese- und Rechtschreibtraining kann für Legastheniker jeden Alters sinnvoll und wertvoll sein – etwa für das Studium, die berufliche Kommunikation und Weiterbildung. Besser lesen und schreiben zu können, ist aber auch eine persönliche Bereicherung, weil es mit der Zeit viel leichter fällt, Briefe und E-Mails zu schreiben, den eigenen Kindern vorzulesen und sie zu motivieren, falls sie selbst unter einer Lese-Rechtschreibstörung leiden.

Für Eltern legasthener Kinder – egal ob selbst betroffen oder nicht – gibt es einige Tipps, die den Umgang mit dem Kind und seinen Problemen erleichtern:

  • Sagen und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es unabhängig von seinen Lese- und Rechtschreib-Leistungen lieb haben. Signalisieren Sie ihm immer wieder liebevolle Unterstützung und werden Sie nicht ungeduldig, wenn es zeitweise kaum Fortschritte zeigt.
  • Erklären Sie Ihrem Kind die Legasthenie. Machen Sie ihm vor allem bewusst, dass es nicht „dümmer“ ist als seine Mitschüler, Freunde oder Geschwister, nur weil es (noch) nicht so gut lesen und schreiben kann.
  • Unterstützen, begleiten und ermutigen Sie Ihr Kind – akzeptieren Sie aber auch, wenn es bestimmte Dinge alleine schaffen möchte.
  • Informieren Sie auf jeden Fall in einem Gespräch den Klassen- bzw. Deutschlehrer über die Probleme Ihres Kindes. Wenn ein Arzt oder Therapeut die Legasthenie diagnostiziert hat, können Sie auch einen Antrag an die Schule stellen, die Rechtschreibleistung aus der Benotung auszuklammern. Dies ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt; informieren Sie sich am besten bei dem zuständigen Landesverband für Legasthenie und Dyskalkulie in Ihrem Bundesland.
  • Bleiben Sie stets in engem Kontakt und Austausch mit den Lehrern und Therapeuten Ihres Kindes, um zu erfahren, wie der aktuelle Stand ist und welche Unterstützung von Ihrer Seite hilfreich ist.
  • Wenn Sie mit Ihrem Kind üben, planen Sie kurze und dafür regelmäßige Übungseinheiten ein. Das ist effektiver und motivierender als stundenlanges Lernen.
  • Lesen lernen ist zunächst wichtiger als eine korrekte Rechtschreibung. Setzen Sie Prioritäten und erwarten Sie nicht zu viel.
  • Machen Sie aus Misserfolgen (z. B. schlechten Klassenarbeiten) keine große Katastrophe. Loben Sie Ihr Kind außerdem nicht nur für Erfolge, sondern vor allem dafür, dass es sich Mühe gibt.
  • Für Kinder mit Legasthenie und anderen Lernproblemen ist ein Ausgleich zu Schule und Schulthemen besonders wichtig. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind sich zwischendurch entspannt und seinen Hobbys (z. B. Sport oder Musik) nachgehen kann.
  • Wenn Sie sich unsicher sind, nehmen Sie Beratungsangebote wahr, etwa beim schulpsychologischen Dienst oder einer Beratungsstelle, die auf das Thema Legasthenie spezialisiert sind.
Vorbeugung
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