Welche Krebsvorsorge gibt es?

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Welche Krebsvorsorge gibt es?

In Deutschland gibt es für alle Versicherten das Angebot regelmäßig zur Krebsvorsorge zu gehen. Getestet wird man auf Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs. Prostatakrebs, Darmkrebs und Hautkrebs. Die Teilnahme an der Krebsvorsorge ist eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Sicher ist aber: Je früher eine Krebsart diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen des Betroffenen. Früherkennung ist hierbei das entscheidende Stichwort, wenn erste Gewebeveränderungen entdeckt wurden, die noch keine Beschwerden oder Schmerzen verursachen. Denn kleine oder örtlich begrenzte Tumore lassen sich leichter behandeln als große, die vielleicht schon gestreut haben. 

PraxisVITA fasst alle Krebsvorsorge-und Früherkennungsangebote in Deutschland zusammen.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (2016): Früherkennung von Krebs,
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/Frueherkennung_und_Vorsorgeleistungen/Krebs_Vorsorge-_und_Frueherkennungsleistungen.pdf (Abrufdatum: 17.05.2018).

Gehen Sie ab 20 jedes Jahr zur Krebsvorsorge zu Ihrer Gynäkologin
Gehen Sie ab 20 jedes Jahr zur Krebsvorsorge zu Ihrer Gynäkologin (2/8) iStock/M_a_y_a

Gebärmutterhalskrebsvorsorge

Ab einem Alter von 20 Jahren sollten Frauen einmal jährlich zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge zur Gynäkologin gehen.


Die Untersuchung beinhaltet:
• Gezielte Fragen nach Veränderung und Beschwerden
• Inspektion des Muttermundes
• Krebsabstrich und Pap-Test (bzw. HPV-Test, d.h. Test auf Zellveränderung)
• gynäkologische Tastuntersuchung der inneren Geschlechtsorgane
• Besprechung des Befundes mit anschließender Beratung

Die Gebärmutterhalskrebsvorsorge hilft bei der Früherkennung von Tumoren im Gebärmutterhals, dem Zervixkarzinom. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 6600 Frauen daran. Vorstufen und Frühstadien werden jedoch wesentlich früher anhand typischer Zellveränderungen festgestellt. Die körperliche Untersuchung beginnt meistens mit der Abtastung des Unterleibs. Gebärmutter und Eierstöcke werden von außen über die Bauchdecke abgetastet. Den Muttermund und die Gebärmutter untersucht der Gynäkologe von innen durch die Scheide. Der sogenannte Pap-Test erfolgt über einen Abstrich. Dafür wird mit einem Wattestäbchen etwas Zellmaterial von dem Gebärmuttermund und dem -hals abgeschabt. Die Prozedur ist jedoch völlig schmerzlos. Der eigentliche Pap-Test erfolgt im Labor, wo die entnommenen Zellen unter dem Mikroskop untersucht werden. Die Pap-Skala gibt schließlich Aufschluss über das Erscheinungsbild des Zellmaterials. Falls es Zellveränderungen gibt, verfallen Sie nicht in Panik. Meistens schlägt der Arzt weitere Kontrollabstriche in kürzerem Zeitraum vor und in vielen Fällen geht gerade in jungen Jahren die Zellveränderung von selbst wieder weg.

Zur Brustkrebsvorsorge wird die Brust ab 30 einmal jährlich gezielt von der Gynäkologin abgetastet
Zur Brustkrebsvorsorge wird die Brust ab 30 einmal jährlich gezielt von der Gynäkologin abgetastet (3/8) iStock/SerhiiBobyk

Brustkrebsvorsorge - Part I

Ab einem Alter von 30 Jahren sollten Frauen einmal jährlich zur Früherkennung von Brustkrebs zur Gynäkologin gehen

Die Untersuchung beinhaltet:
•    Gezielte Fragen nach Veränderung und Beschwerden
•    Inspektion und Abtasten der Brust und der Lymphknoten (Achselhöhlen) einschließlich einer ärztliche Anleitung zur Selbstuntersuchung
•    Beratung über Ergebnisse 

Das häufigste Erstsymptom von Brustkrebs ist die tastbare Verhärtung (Knoten in der Brust). Auch einseitige Veränderungen in Form und Größe der Brust, das einseitige Austreten von Flüssigkeit aus der Brustwarze oder das Einziehen oder Vorwölben der Haut können auf Brustkrebs hinweisen. Die meisten Mammakarzinome entstehen übrigens im oberen äußersten Viertel der Brust. Frauen sollten daher einmal im Monat selbst eine Tastuntersuchung der Brust vornehmen. Für Frauen, in deren Familien häufig Brustkrebs in jungem Alter vorkommt, empfiehlt sich die Untersuchung auf das BRCA1- oder das BRC2-Gen. Ist der Nachweis positiv, wird bereits ab dem 25. Lebensjahr oder fünf Jahre vom jüngsten Erkrankungsalter in der Familie alle sechs Monate eine Tast- und Ultraschalluntersuchung bei der Gynäkologin vorgenommen. Zusätzlich wird einmal pro Jahr eine Kernspintomografie angeboten.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 70.000 Mal im Jahr stellen Ärzte die Diagnose „Burstkrebs“ – über 17.000 Frauen sterben jährlich dran. Obwohl es die häufigste Krebsart bei Frauen ist, gehört Brustkrebs nicht zur den aggressivsten. Wichtig ist eine frühe Erkennung und Behandlung. Gehen Sie daher unbedingt zur Vorsorge!

Gehen Sie ab 35 alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge zu Ihrem Hautarzt
Gehen Sie ab 35 alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge zu Ihrem Hautarzt (4/8) iStock/kali9

Hautkrebsvorsorge

Ab einem Alter von 35 Jahren sollten Frauen und Männer alle zwei Jahre zum Hautkrebsscreening zum Dermatologen gehen zur Früherkennung von Hautkrebs. Man unterscheidet dabei zwischen schwarzem und weißem Hautkrebs.

Die Untersuchung beinhaltet:
•    Gezielte Fragen nach Veränderung und Beschwerden
•    Visuelle (mit dem Auge) Ganzkörperinspektion der gesamten Haut (umfasst auch den behaarten Kopf und alle Körperhautfalten)
•    Besprechung des Befundes mit anschließender Beratung

Der schwarze Hautkrebs (in der medizinischen Fachsprache „malignes Melanom“ genannt) ist besonders aggressiv und daher die gefährlichste Hautkrebsvariante. Je früher er erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen des Betroffenen. Dennoch wird er oft unterschätzt.

Den „weißen“ Hautkrebs umfassen mehrere Arten von Tumoren: Das Basalzellkarzinom (Basaliom) und das Plattenepithelkarzinom (Spinaliom). 

Viele Männer scheuen den Gang zum Urologen, was ein Fehler ist: Das Prostatakarzinom ist eine der häufigsten Todesursachen bei Männern
Viele Männer scheuen den Gang zum Urologen, was ein Fehler ist: Das Prostatakarzinom ist eine der häufigsten Todesursachen bei Männern (5/8) iStock/Jan-Otto

Vorsorge Prostatakrebs

Ab einem Alter von 45 Jahren sollten Männer jährlich zur Krebsvorsorge von Prostatakrebs zum Urologen gehen

Die Untersuchung beinhaltet:
• Gezielte Fragen nach Veränderung und Beschwerden
• Inspektion und Abtasten des äußeren Genitals
• Tastuntersuchung der Prostata (vom Enddarm aus)
• Tastuntersuchung der Lymphknoten in der Leiste
• Besprechung des Befundes mit anschließender Beratung

Das Prostatakarzinom ist eine der häufigsten Todesursachen bei Männern, weil viele immer noch den Gang zum Urologen scheuen. Wie bei allen Krebsarten gilt aber auch hier: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung.

Auch wenn keine Beschwerden vorliegen ist die Prostatakrebsvorsorge ab 45 unerlässlich, denn die meisten Karzinome treten zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf und bleiben häufig zu lange unerkannt. Selbst wenn Männer bereits an Symptomen der Prostataveränderung leiden, wie zum Beispiel Probleme beim Harnlassen oder einen abgeschwächten Harnstrahl haben, meiden viele den Gang zum Urologen.

Die Basisuntersuchung besteht zunächst aus einer rektalen Tastuntersuchung, einer Restharnmessung, einem Unterbauchultraschall und einer PSA-Bestimmung (Bluttest auf Veränderungen des Prostataspezifischen Antigens – kurz PSA).

Durch die rektale Tastuntersuchung der Prostata durch die Wand des Enddarms kann sich der Arzt ein gutes Bild von Veränderungen bei der Konsistenz und Form der Prostata machen. Die Untersuchung wird meistens im Liegen durchgeführt. Der Arzt trägt Handschuhe und Gleitmittel und geht mit dem Zeigefinger vorsichtig durch den After. Für die Durchführung der Untersuchung ist es hilfreich, wenn Sie es schaffen, sich möglichst gut zu entspannen. Ziehen Sie die Beine an den Körper ran. Je mehr Sie sich entspannen, desto weniger unangenehm ist die Untersuchung. Sie verursacht in der Regel keine Schmerzen. Da es vielen Männern unangenehm ist sich auf diese ungewohnte Weise untersuchen zu lassen, kann eine Vorabgespräch mit dem Arzt über die Vorgehensweise die Scham nehmen.

Bei einem Verdacht auf Veränderung wird meistens eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt – ebenfalls durch den After mit Gleitgel und einer dünnen Ultraschallsonde. Auch bei dieser Untersuchung gilt: Je besser der Patient entspannt, desto weniger unangenehm wird die Untersuchung empfunden.

Im Labor wird der Stuhlgang gezielt auf Blut untersucht
Im Labor wird der Stuhlgang gezielt auf Blut untersucht (6/8) iStock/Sinhyu

Darmkrebsvorsorge - Part I

Ab einem Alter von 50 bis 54 Jahren sollten Männer und Frauen jährlich zur Krebsvorsorge von Darmkrebs zum Hausarzt gehen:

Die Untersuchung beinhaltet:
•    Gezielte Beratung
•    Einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl

Seit dem 1. April 2017 sind Tests, die verstecktes Blut im Stuhl (Okkultbluttest) auf immunologischem Weg nachweisen, Teil der gesetzlichen Darmkrebsfrüherkennung.
Menschen, die den Test regelmäßig einmal im Jahr durchführen, haben ein westlich niedrigeres Risiko an Darmkrebs zu sterben. Der Stuhltest ist mittlerweile zu der wichtigsten Früherkennungsuntersuchung auf Darmkrebs geworden. Krebsgeschwüre oder Polypen, die im End-und Dickdarm sitzen, besitzen zahlreihe feine, empfindliche Blutgefäße, die leicht verletzbar sind. Wenn deren Blut in den Stuhl sickert, auch in geringen Mengen, lässt sich meistens nur im Labor das „versteckte Blut“ erkennen. Da Darmpolypen allerdings nicht andauernd bluten, ist es sehr wichtig den Okkultbluttest regemäßig einmal pro Jahr zu machen. 80% der Darmtumore und etwa 20-50% der Vorstufen können somit gefunden werden. Bringt der Okkultbluttest ein positives Ergebnis muss auf jeden Fall eine Darmspiegelung durchgeführt werden, um die Ursache abzuklären.

Den immunologischen Stuhltest erhalten Sie bei ihrem Hautarzt, aber auch bei Fachärzten. Der Test lässt sich nicht durch den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel verfälschen. Bei Frauen kann das Testergebnis allerdings während der Periode falsch sein, weshalb die Testdurchführung erst frühestens drei Tage nach dem Abklingen der Regelblutung durchgeführt werden sollte. Das Röhrchen mit der Stuhlprobe wird dann in der Arztpraxis abgegeben und ins Labor eingeschickt. Fällt der Test negativ aus, werden Sie normalerweise nicht kontaktiert. 

Bei einer Darmspiegelung wird eine Polype mit dem Endoskop entdeckt
Bei einer Darmspiegelung wird eine Polype mit dem Endoskop entdeckt (7/8) iStock/Eraxion

Darmkrebsvorsorge - Part II

Ab einem Alter von 55 Jahren sollten Männer und Frauen zur Früherkennung von Darmkrebs zur Darmspiegelung gehen. Die Vorsorge kann ambulant in der Praxis oder im Krankenhaus durchgeführt werden. Die Untersuchungen werden im Abstand von zehn Jahren wiederholt – es sei denn, es gibt eine erbliche Vorbelastung oder der letzte Befund fällt negativ aus. In diesen beiden Fällen gibt es kürzere Untersuchungszeiträume, die zwischen zwei und sechs Jahren variieren.

Die Untersuchung beinhaltet:
• Gezielte Beratung
• Zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren (siehe Text oben)
• Test auf verborgenes Blut im Stuhl alle zwei Jahre

Ab einem Alter von 55 Jahren sollten Männer und Frauen zur Früherkennung von Darmkrebs zur Darmspiegelung gehen. Die Vorsorge kann ambulant in der Praxis oder im Krankenhaus durchgeführt werden. Die Untersuchungen werden im Abstand von zehn Jahren wiederholt – es sei denn, es gibt eine erbliche Vorbelastung oder der letzte Befund fällt negativ aus. In diesen beiden Fällen gibt es kürzere Untersuchungszeiträume, die zwischen zwei und sechs Jahren variieren.

Die Untersuchung beinhaltet:

• Gezielte Beratung

• Zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren (siehe Text oben)

• Test auf verborgenes Blut im Stuhl alle zwei Jahre

Bei einer Darmspiegelung wird ein spezielles Endoskop durch den After des Patienten in den Darm eingeführt. Das Endoskop ist ein etwa 1,5 Meter langer Schlauch mit einem Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Der Patient kann vor dem Eingriff auf Wunsch eine Betäubung oder Narkose erhalten, so  dass er von der Untersuchung nichts mitbekommt. Eine Darmspieglung unterscheitet sich in eine Mastdarmspiegelung (Rektoskopie), eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) und in eine Dünndarmspiegelung, wobei der Dünndarm am schwierigsten zu untersuchen ist aufgrund seiner Länge und seinen Windungen. Das Endoskop besitzt am vorderen Ende eine Lichtquelle mit einer winzigen Videokamera. Die Kamera überträgt die Bilder auf einen Monitor. Außerdem hat das Endoskop einen Kanal für Instrumente und einen für eine Spülung bzw. Reinigung der Optik. Die Instrumente können zur Gewebeentnahme, Polypenentfernung oder für kleine operative Eingriffe eingesetzt werden. Die Darmspiegelung gilt als sehr sicheres Verfahren.

Eine Mammografie kann bei einer Früherkennungsuntersuchung von Brustkrebs schon Tumore, die noch nicht tastbar sind, nachweisen
Eine Mammografie kann bei einer Früherkennungsuntersuchung von Brustkrebs schon Tumore, die noch nicht tastbar sind, nachweisen (8/8) iStock/manonallard

Brustkrebsvorsorge - Part II

Ab einem Alter von 50 bis 69 sollten Frauen alle zwei Jahre ein Mammografie-Screening machen lassen zur Früherkennung von Brustkrebs:

Die Untersuchung beinhaltet:
• Schriftliche Einladung in eine zertifizierte Screening-Einheit
• Informationen mit der Einladung
• Schriftliches Vorabgespräch
• Röntgen beider Brüste (Mammografie)
• Befunduntersuchung durch zwei unabhängige Untersucher
• Mitteilung des Befundes innerhalb der nächsten sieben Werktage
• Bei positivem Befund weitere diagnostische Abklärung

Die Mammografie ist eine besonders Röntgenaufnahme der Brust zur Früherkennung von Brustkrebs bzw. dessen Vorstufen. Bereits kleinere Kalkablagerungen, Knoten, Verdickungen, Störungen oder Asymmetrien im Gewebe kann die Mammografie elektronisch als dreidimensionales Bild speichern. Das erleichtert manchmal die Beurteilung, da das Bild bei Bedarf auch vergrößert werden kann. Auch Tumoren, die noch nicht tastbar sind, können mittels Bruströntgen nachgewiesen werden.

Die Mammografie findet ambulant statt. Sie sollten bei dem Termin kein Deo tragen, da es das Röntgenbild sonst verändern könnte. Für die Untersuchung werden die Brüste vorsichtig in die Länge gezogen und zwischen zwei Plexiglasplatten flack zusammengedrückt. Dann wird aus verschiedenen Richtungen geröntgt: Einmal von oben nach unten und einmal schräg von der Mitte zu Seite. Die Kompression fühlt sich manchmal schmerzhaft an. 

Bei der Beurteilung der Röntgenbilder gilt das Vier-Augen-Prinzip. Zwei Radiologen beurteilen die Bilder unabhängig voneinander. Gibt es keinen eindeutigen Befund oder weichen die Befunde zu sehr voneinander ab, werden eine erneute Mammografie oder andere Untersuchungen eingeleitet.