Welche Gründe haben Rückenschmerzen bei Kindern?

Dr. med. Nadine Hess

Eine neue Studie belegt, dass die Ursache von Rückenschmerzen bei Kindern in rund zwei Dritteln der Fälle nicht gefunden wird. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, welche Gründe Rückenschmerzen bei Kindern haben und was Eltern dagegen tun können.

Mädchen mit Schulranzen
Viele Kinder tragen durch ihre Schulbücher zu schwere Rucksäcke. Durch Absprachen kann das Gewicht reduziert werden © Fotolia
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Dr. Nadine Hess: "In rund zwei Dritteln aller Fälle wird die tatsächliche Ursache von Rückenschmerzen bei Kindern nicht erkannt."© privat

Im Jahr 2014 belegte eine finnische Studie, dass nahezu jedes dritte Kind in der Pubertät an Rückenschmerzen leidet. Als Ursache wurde häufig mangelnde Bewegung genannt. Jetzt zeigt eine neue Untersuchung: In rund zwei Dritteln aller Fälle wird die tatsächliche Ursache von Rückenschmerzen bei Kindern nicht erkannt. So haben die Ärzte in den meisten Fällen zwar eine Vermutung, was für die Schmerzen verantwortlich ist. Aber selbst  mit weiterführenden Untersuchungen wie einem MRT-Scan, bei dem Struktur und Funktion von Gewebe und Organen abgebildet werden kann, lässt sich die Ursache von Rückenschmerzen bei Kindern oft nicht genau ermitteln.

 

Welche Ursachen für Rückenschmerzen bei Kindern sind diagnostizierbar?

Natürlich gibt es dennoch Diagnosen, die im Fall von Rückenschmerzen bei Kindern relativ häufig gestellt werden. Dazu zählen:

  • Spondylolyse, das ist die Bildung eines Spalts in einem bestimmten Teil des Wirbelbogens. Am häufigsten ist der Lendenwirbel betroffen
  • Spondylolisthesis, auch als Wirbelgleiten bekannt. Das Phänomen kann auf die  Spondylolyse folgen und bedeutet, dass ein Wirbel zur Vorderseite des Körpers hin abgleitet
  • schlechte Haltung
  • Eine Krümmung der Wirbelsäule, auch Kyphose genannt, die sich durch einen Buckel bemerkbar machen kann
  • Überlastungserscheinungen durch schlechte Kondition oder zu viel Training
  • Bandscheibenvorfälle
  • Infektionen
 

Nehmen Sie Rückenschmerzen bei Kindern ernst

Wichtig für Eltern: Wenn Ihr Kind über Rückenschmerzen klagt, nehmen Sie das ernst! Besonders, wenn die Beschwerden auch nach mehreren Tagen nicht abklingen. Dann kann etwas anderes als die häufig vorgeschobenen Wachstumsschmerzen für die Probleme verantwortlich sein und das sollte ärztlich abgeklärt werden.

 

Wie lassen sich Rückenschmerzen bei Kindern vermeiden?

Um Rückenschmerzen bei Kindern so weit wie möglich zu lindern oder ganz zu vermeiden, sollten Eltern ein paar Dinge beachten. Schauen Sie vor allem darauf, dass Ihr Kind sich gerade hält. Und weisen Sie es gerne daraufhin, wenn die Haltung einmal „zusammensackt“ – denn das passiert Kindern ohne dass sie es selbst merken genauso schnell wie Erwachsenen. Animieren Sie Ihren Nachwuchs außerdem dazu, sich sportlich zu betätigen. Schon eine bis zwei Stunden Training in der Woche können zur Gesundheit beitragen. Angenehmer Nebeneffekt: In einem Verein kann das Kind zusätzlich neue soziale Kontakte knüpfen.

 

Schwere Rucksäcke: Eine Gefahr für den Kinderrücken

Viele Eltern kennen es noch aus ihrer eigenen Schulzeit: Die meisten Schulbücher sind schwer und die dazu gehörenden Fächer fallen oft auf denselben Tag. Es kommt häufig vor, dass ein Kind in seinem Rucksack so mehrere Kilos mit sich herumschleppen muss. Hier können Absprachen zwischen den Kindern eine Lösung sein: Zwei Schüler an einem Tisch können sich ein Buch auch teilen, so dass einer vielleicht das Biologiebuch mitnimmt und der andere das Geschichtsbuch – natürlich immer in Absprache mit den Lehrkräften. Ein weiterer Tipp: Gerade Teenager tragen ihren Rucksack meist nur über einer Schulter, weil das „cooler“ ist. Dadurch ist die Belastung durch das Gewicht aber eben auch einseitig. Erklären Sie Ihrem Nachwuchs sachlich, welche Haltungsschäden dadurch verursacht werden können – beispielsweise kann eine sogenannte Skoliose auftreten, durch die eine Seite der Wirbelsäule verbogen ist. Fordern Sie den Jugendlichen auf, das Gewicht des Rucksacks künftig auf beide Schultern zu verlagern.

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