Welche Farben gibt es beim Stuhlgang?

Michelle Kröger

Kaum jemand spricht darüber, es ist ein Tabuthema: Stuhlgang. Doch woher soll man dann wissen, welche Farbe und Konsistenz als normal bzw. gesund gilt? Die Farbe des Stuhlganges lässt nämlich tatsächlich auf die Gesundheit eines Menschen schließen. Hier erfahren Sie, welche Farben der Stuhlgang haben kann – und bei welcher Sie handeln oder auch nicht handeln müssen. Unser Experte: Professor Christian Trautwein, Gastroenterologe und Lehrender an der Universität Aachen.

Die Häufigkeit und Farbe des Stuhlgangs kann variieren.
Foto:  Viktorcvetkovic/iStock
Inhalt
  1. Was genau ist eigentlich Stuhlgang?
  2. Was ist normal beim Stuhlgang?
  3. Welche Farben gibt es beim Stuhlgang?
  4. Wie kann sich der Stuhlgang farblich verändern? 
  5. Wie kommt der Stuhl zu seiner Farbe?
 

Was genau ist eigentlich Stuhlgang?

Unter Stuhlgang (auch: Defäkation) verstehe man laut Professor Christian Trautwein das Ausscheiden von Kot aus dem Darm. “Hierbei wird überwiegend Darmflora mit nicht verdaubaren Ballaststoffen ausgeschieden”, sagt er. Wir scheiden also aus, was der Körper nicht verwerten konnte. Der Stuhl ist dementsprechend das Ergebnis unserer Verdauung – er besteht zu rund 80 Prozent aus Wasser. Die übrig gebliebenen 20 Prozent setzen sich aus den folgenden Bausteinen zusammen: unverdaute Lebensmittelreste, Bakterien, Darmsekrete und Farbstoffe der Galle. Kontrolliert wird der Stuhlgang über den Schließapparat, er sitzt am Ende des Verdauungstrakts, eingebettet in die Beckenbodenmuskulatur. Zu ihm gehören auch der Enddarm, der Analkanal, die Schließmuskeln und Hämorrhoiden.

Sobald sich der Enddarm füllt, aktivieren sich die Dehnungsrezeptoren in der Analschleimhaut und geben dem Großhirn ein entsprechendes Signal. Das Hirn gibt der Analschleimhaut Bescheid und der innere Schließmuskel öffnet sich. An dieser Stelle verspüren wir den Stuhldrang. Gleichzeitig kommt es auch zu einer leichten Entspannung des Beckenbodens, sodass die Muskulatur in der Wand des Enddarms den Stuhl hinausschieben kann. Die Darmentleerung gelingt allerdings nur, wenn auch der äußere Schließmuskel aktiv entspannt wird.

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Ein Hinauszögern des Stuhldrangs ist möglich, sogar bis zu ein paar Stunden. Wie genau das gelingt? Indem man willentlich den inneren Schließmuskel sowie die Beckenboden- und Bauchmuskelmuskulatur anspannt. Durch diese Anspannung kann auch der innere Schließmuskel wieder verriegeln und man gewinnt etwas Zeit bis zum nächsten Toilettengang. Ein Unterdrücken des Stuhlganges ist jedoch nicht zu empfehlen, unangenehme Verdauungsbeschwerden (z.B. Krämpfe) können die Folge sein.

 

Was ist normal beim Stuhlgang?

Jeder Mensch hat einen anderen Stuhlgang, eine Pauschalangabe dafür gibt es nicht. Allerdings sollte er täglich kommen. Die Häufigkeit kann jedoch variieren. Allgemein gilt es als normal, wenn es pro Tag bis zu dreimal zur Darmentleerung kommt. “Normalerweise ist der Stuhl mittelbraun, länglich, geschmeidig und weich. Variationen sind durchaus möglich”, sagt Trautwein. Die Bandbreite im gesunden bzw. normalen Bereich ist recht groß. Es kann Abweichungen geben, ohne dass die Alarmglocken klingeln müssen. “Wenn man mal einen Tag lang keinen Stuhlgang hat oder er andersherum mehr als dreimal täglich stattfindet, ist das erstmal kein Grund zur Sorge”, so der Experte.

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Auch wenn sich mal Farbe, Konsistenz und Geruch verändern, muss das nicht gleich etwas Schlimmes bedeuten. Sollte diese Abweichung jedoch für mehrere Tage anhalten, so empfiehlt Professor Trautwein den Gang zum Arzt. Übel riechend ist Kot natürlich immer, doch auch hier gibt es eine Spannbreite. “Wenn sich der Geruch des Stuhls nicht nur einmal und kurzfristig verändert, kann dies ein Warnsignal sein und die Situation sollte dann mit einem Arzt besprochen werden”, rät der Experte. In einem solchen Fall riecht der Stuhl ungewöhnlich übel und faulig. Auslöser können beispielsweise eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Glutenunverträglichkeit oder eine chronische Darmerkrankung (z.B. Morbus Crohn) sein.

 

Welche Farben gibt es beim Stuhlgang?

Im Regelfall ist der Stuhl braun, nicht aufgrund der vielen unterschiedlichen Speisen, die man am Tag aufgenommen hat, sondern einfach durch Verdauungssäfte wie Gallenflüssigkeit. Die braune Färbung entsteht genauer gesagt durch den Stoff Sterkobilin (auch: Stercobilin; Erklärung siehe unten). Er entsteht, wenn es im Darm zum Abbau der Gallenflüssigkeit kommt. Unser Stuhl kann auch viele andere Farben annehmen. “Die meisten Veränderungen der Stuhlfarbe hängen jedoch mit farbgebenden Nahrungsmitteln zusammen”, sagt Professor Trautwein. “Aber auch Medikamente können den Stuhl färben.” Rot, schwarz, gelblich, weißlich, grau oder grün? Im Prinzip sei alles möglich.

Die Farbe des Stuhlgangs kann auf Krankheiten hindeuten.
Neben Krankheiten können auch Lebensmittel den Stuhlgang färben. Foto: Lin Shao-hua/iStock
 

Wie kann sich der Stuhlgang farblich verändern? 

  • Braun: Gilt als normal, kein Grund zur Sorge.
  • Schwarzbrauner Stuhlgang: Abklären lassen. Mögliche Ursache: Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt.
  • Roter Stuhlgang: Wenn Sie keine Rote Bete oder andere rot gefärbte Speisen verzehrt haben: beim Arzt abklären lassen. Es könnte Blut im Stuhl sein, etwa durch Blutungen aus dem unteren Magen-Darm-Trakt.
  • Gelber Stuhlgang: Entsteht häufig durch Antibiotika oder durch entsprechende Nahrungsmittel. Möglich sind aber auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Glutenunverträglichkeit oder Gallensteine.
  • Weißer Stuhlgang: Unbedingt abklären lassen. Es handelt sich um ein Indiz dafür, dass Verdauungssäfte fehlen oder dass es ein Problem mit der Galle gibt.
  • Lehmfarbener/Grauer Stuhlgang: Auch diese Art des Stuhls tritt auf, wenn der Gallenfluss unterbrochen ist. Abhängig von der Dauer und der Situation kann die Farbe etwas variieren.
  • Grüner Stuhlgang: Viel Gemüse gegessen? Keine Seltenheit. Zeigt sich der grüne Stuhl jedoch gleichzeitig mit Durchfall, könnte eine Darminfektion vorliegen.
  • Orange: Meistens das Ergebnis von Kürbis oder Karotten.
 

Wie kommt der Stuhl zu seiner Farbe?

Damit die verzehrten Lebensmittel auch verdaut werden können, gelangen im Zwölffingerdarm Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse und Gallenflüssigkeit hinzu. “Hauptsächlich ist allerdings die Galle für die Farbe des Stuhls verantwortlich”, sagt Trautwein. Sie besteht aus Wasser, fettverdauenden Gallensalzen und Gallenfarbstoffen. Die Farbstoffe der Galle bestehen wiederum zum größten Teil aus den Abbauprodukten der roten Blutkörperchen. Der Blutfarbstoff Hämoglobin (verantwortlich für den Sauerstofftransport) hat mehrere Abbauprodukte, etwa Bilirubin, welches eine gelb-rötliche Farbe aufweist. Eher grünlich ist hingegen ein weiteres Abbauprodukt: das sogenannte Biliverdin. Dieses wird zum braunen Sterkobilin umgewandelt. So erhält der gesunde Stuhlgang seine bräunliche Farbe.

Nimmt der Stuhl eine rote Farbe an, so ist Vorsicht geboten. Häufig handelt es sich um Blut. In einem solchen Fall sollte man zügig einen Arzt aufsuchen. “Der Stuhl kann sich allerdings auch nach dem Verzehr eines Rote-Bete-Gerichts rot färben”, so Trautwein.

 

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