Welche Erkältungsmittel darf mein Kind nehmen?

Dr. med. Nadine Hess

Kinder sind besonders anfällig für Erkältungen. Doch welche Medikamente eignen sich für die Behandlung der kleinen Patienten und was sollten Eltern dabei beachten? Kinderärztin Dr. Nadine Hess hat die Antworten.

Expertin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Hustenstiller sollten nachts nur gegeben werden, wenn das Kind trockenen Reizhusten und dadurch bedingte erhebliche Schlafprobleme hat.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Gerade in der kalten Jahreszeit werden viele Kinder von einer Erkältung nach der anderen geplagt. Und immer wieder stehen Eltern dann vor der Frage, ob sie dem Nachwuchs Medikamente dagegen geben sollten. Laut einer aktuellen Analyse der Techniker Krankenkasse (TK) nehmen viele Kinderärzte den Eltern diese Entscheidung ab: bei Kindern bis zwölf Jahren sind Erkältungsmittel die am häufigsten verschriebenen Medikamente. Am meisten kommt der in Hustenstillern enthaltene Wirkstoff Noscapin zum Einsatz. Dieser gilt als besonders verträglich und soll Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Schwindel vermeiden.

 

Wie sinnvoll sind Hustenstiller für die Nacht?

Wer dem Nachwuchs Hustenstiller verabreichen möchte, sollte ein paar Dinge beachten. Zum einen ist die Gabe des Medikaments nur dann sinnvoll, wenn das Kind anderenfalls große Probleme mit dem Schlaf hat. Denn guter Schlaf ist zum Auskurieren einer Erkältung besonders wichtig. Hustenstiller dürfen nur bei trockenem Reizhusten angewendet werden – wenn Ihr Kind schleimig-produktiv hustet, sind sie kontraindiziert. Es kann sonst zu einem Sekretstau in den Bronchien kommen, der schlimmstenfalls zu Atemnot oder sogar –stillstand führt.

Junge bekommt Hustensaft
Erkältungsmittel wie Hustenstiller sind laut einer Analyse der Techniker Krankenkasse die am häufigsten verschriebenen Medikamente bei Kindern© Fotolia

Aus dem gleichen Grunde darf keinesfalls ein Hustenlöser und ein Hustenstiller gemeinsam eingenommen werden. Und wenn man es sich genau überlegt, macht es auch gar keinen Sinn – entweder ist der Husten zäh-schleimig und muss gelöst werden, dann hilft ein schleimlösendes Präparat oder er ist unproduktiv und trocken. Dann kann der lästige Hustenreiz gestoppt werden, ein Schleimlöser macht hier keinen Sinn, da kein Schleim vorhanden ist. Ist das Kind über einem Jahr alt, können Sie bei Reizhusten übrigens gut zu einem alten Hausmittel greifen: mit Honig versetzten Tee. Der Honig legt sich wie ein Film über die gereizten Atemwege und der warme Tee wirkt auch beruhigend und hustenstillend. Bei Kindern unter einem Jahr darf leider kein Honig verwendet werden, da er Säuglingsbotulismus hervorrufen kann.

Salben zum Einreiben und andere Mittel mit ätherischen Ölen die beispielsweise Eukalyptus oder Menthol enthalten, dürfen Sie keinesfalls bei Kindern unter zwei Jahren verwenden. Die Kleinen können durch die ätherischen Öle eine so starke Reizung der Atemwege erleiden, dass es zu einem Bronchospasmus kommen kann, der zu schwerster Atemnot bis hin zum Atemstillstand führt. Auch bei sich selbst sollten Sie diese Mittel nicht anwenden, wenn Sie Kinder unter zwei Jahren zu Hause haben. Ganz abgesehen von der beschriebenen schweren Nebenwirkung können die Kinder sich die Salben auch versehentlich in die Augen reiben und dies kann starke Reizungen verursachen.

 

Helfen Hausmittel gegen Erkältungen auch Kindern?

Grundsätzlich ist gegen die Verwendung von Hausmitteln wie Tee oder Hühnersuppe auch bei Kindern nichts einzuwenden. Auch Zwiebelsaft ist als Hustenmittel bewährt, ebenso ein Zwiebelwickel bei Ohrenschmerzen. Quarkwickel um den Hals sollte der kleine Patient aber vorsichtshalber nur in Anwesenheit von Erwachsenen tragen. Achten Sie darauf, dass der Wickel nicht zu stramm sitzt und das Kind trotzdem noch gut Luft bekommt. Mit etwas Bettruhe sollten die Symptome dann innerhalb von ein paar Tagen abklingen.

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