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Welche Blutgruppen gibt es und wie werden sie bestimmt?

Luise Bergelt

Welche Blutgruppen gibt es und wie werden diese bestimmt? Und wo steht eigentlich, welche Blutgruppe ich habe? Alle wichtigen Infos über die unterschiedlichen Blutgruppen.

Inhalt
  1. Welche Blutgruppen gibt es?
  2. Was ist die häufigste Blutgruppe?
  3. Wie wird die Blutgruppe bestimmt?
  4. Wie vererbt sich die Blutgruppe?
  5. Wo steht, welche Blutgruppe ich habe?

Gerade für die Bluttransfusion sind Blutgruppensysteme von enormer Relevanz, denn sind Spender – und Empfängerblutgruppe nicht kompatibel, kann es zu folgeschweren Abwehrreaktionen und gefährlichen Blutverklumpungen kommen. Insgesamt gibt es um die 30 Blutgruppen-Systeme, von denen viele „nur“ für bestimmte Erkrankungen von Bedeutung sind. Im medizinischen Alltag am häufigsten verwendet sind das AB0-System und das Rhesus-System, die auch im Falle einer Blutspende oder Bluttransfusion entscheidend sind.

 

Welche Blutgruppen gibt es?

Da Blut mithilfe spezifischer Eigenschaften auf verschiedene Weise klassifiziert werden kann, werden für die unterschiedlichen Blutgruppensysteme verschiedene Merkmale ausgewertet. Sowohl bei dem AB0-Sytsem als auch bei dem Rhesus-System spielen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine wichtige Rolle. Diese werden von einer Hülle umgeben, auf der sich sogenannte Antigene, vereinfacht vorgestellt als charakteristische Strukturen, ablesen lassen. 

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Das AB0-Blutgruppensystem

Bei dem AB0-System wird zwischen vier Antigenen unterschieden, die gleichzeitig Indiz und Namensträger der jeweilige Blutgruppe sind

  • Blutgruppe A: Es befindet sich nur das Antigen A auf der Hülle der roten Blutkörperchen.
  • Blutgruppe B: Es ist nur das Antigen B vorhanden.
  • Blutgruppe 0: Es sind keine Antigene vorhanden.
  • Blutgruppe AB: Es befinden sich beide Antigene A und B auf den roten Blutkörperchen.

Das Rhesus System

Das Rhesus System orientiert sich dagegen an einem einzelnen Antigen, dem Rhesus-Antigen.

  • Rhesusfaktor positiv (Rh+): das Rhesus-Antigen ist auf den roten Blutkörperchen vorhanden
  • Rhesusfaktor negativ (Rh-): das Rhesus-Antigen fehlt
 

Was ist die häufigste Blutgruppe?

In Mitteleuropa und Deutschland kommen die Blutgruppen A+ (37%) und 0+ (35%) am häufigsten vor. Seltener sind die Blutgruppen B (B+ 9% und B- 2%), A- (1%), 0- (6%) AB (AB+ 4% AB- 1%). Der Großteil der Menschen hat Rhesus positives Blut. 

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Wie wird die Blutgruppe bestimmt?

Um die Blutgruppe zu bestimmen, spielen neben den roten Blutkörperchen mit den unterschiedlichen charakteristischen Antigen-Merkmalen auch die verschiedenen Blutgruppen-Antikörper eine wichtige Rolle. Sie sind spezielle Eiweiße, die sich neben den Blutkörperchen im Blutplasma befinden. Durch ihren Y-förmigen Aufbau können sich mit Antigenen körperfremder Blutkörperchen verbinden. Im Falle einer solchen Antikörper-Antigen-Verknüpfung verklumpt das Blut. Bei der Untersuchung der Blutgruppe werden diese sogenannten Blutklümpchen als Indiz genommen, dass sich zwei Blutgruppen nicht vertragen und somit nicht dieselbe sind. Die Verklumpung ist mit bloßem Auge sichtbar.

  • Blut der Blutgruppe A (A-Antigene) enthält  Antikörper gegen die Antigene der Blutgruppe B (Anti-B Antikörper)
  • Blut der Blutgruppe B (B-Antigene) enthält Antikörper gegen die Antigene der Blutgruppe A (Anti-A Antikörper)
  • Blut der Blutgruppe 0 (keine Antigene) enthält sowohl Antikörper gegen die Antigene der Blutgruppe A als auch gegen die Antigene der Blutgruppe B (Anti-A und Anti-B- Antikörper)
  • Blut der Blutgruppe AB (A- und B-Antigene) enthält keine Antikörper

 

Antigenbestimmung: Körpereigenen Antigenen werden Antikörper hinzugefügt

Um herauszufinden, welche Antigene (bestimmen die Blutgruppe) auf den Blutkörperchen vorhanden sind, werden Blutkörperchen mit den Antigenen des körpereigenen Blutes jeweils mit den Antikörpern Anti-A, Anti-B und Anti-AB mithilfe von im Labor hergestellten Seren vermischt. Als (Blut-)Serum wird die Blutflüssigkeit bezeichnet, in der keine roten Blutkörperchen und nur noch die Antikörper vorhanden sind.

Serum der Blutgruppe 0 enthält Anti-A und Anti-B-Antikörper und verklumpt Blut der Gruppen A, B und AB, Serum der Gruppe A enthält Anti-B-Antikörper und verklumpt B- und AB-Blut, Serum der Gruppe B enthält Anti-A-Antikörper und verklumpt A- und AB-Blut.

Menschen mit der Blutgruppe AB gelten als Universalempfänger, da ihr Blut keine Antikörper gegen A- oder B-Antigene enthält und es somit in der eigenen Blutlaufbahn zu keiner Verklumpung kommen kann.

Ein Universalspender ist die AB-Blutgruppe aber nicht, da sie beide A-und B-Antigene besitzt, die in fremder Blutlaufbahn mit den Antikörpern einer fremden Blutgruppe verklumpen würden.

Universalspender kann also nur die Blutgruppe 0 sein, die keine Antigene enthält.   

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Serumgegenprobe: Körpereigenen Antikörpern werden Antigene hinzugefügt

Da eine Blutverklumpung jedoch auch aus anderen Gründen auftreten kann, wird zur Sicherheit auch die sogenannte Serumgegenprobe durchgeführt: Hier wird der Bluttest auf umgekehrte Weise gegengecheckt, indem diesmal das Blutserum des körpereigenen Blutes mit Testblutkörperchen der Blutgruppen A, B, AB und 0 zusammengeführt wird.

Serum der Blutgruppe AB verklumpt keine Testblutkörperchen, da es keine Antikörper enthält. Serum der Gruppe A  enthält Anti-B-Antikörper und verklumpt nur B- und AB-Testblutkörperchen. Serum der Gruppe B enthält nur Anti-A-Antikörper und verklumpt nur A- und AB- Testblutkörperchen. Serum der Gruppe 0 enthält sowohl Anti-A- als auch Anti-B-Antikörper und verklumpt somit Blut der Blutgruppen A,B und AB.

Die Blutgruppe 0 ist augfrund fehlender Antigene Universalspender, kann aber selbst aufgrund der enthaltenen Anti-A- und Anti-B-Antikörper nur Blut der Blutgruppe 0 erhalten.

 

Wie vererbt sich die Blutgruppe?

Vererbung der AB0 Blutgruppenmerkmale 

Jeder Mensch besitzt immer zwei Antigen-Merkmale. Menschen der Blutgruppe AB besitzen sowohl das Antigen A als auch das Antigen B. Menschen der Blutgruppe A oder B besitzen entweder die zweimal das jeweilige Antigenmerkmal AA oder BB (reinerbig) oder einmal das jeweilige Antigenmerkmal A oder B und das Antigenmerkmal 0, also in der Kombination A0 oder B0 (mischerbig). Menschen der Blutgruppe 0 könne nur die Kombination 00 besitzen, da diese keine A oder B Antigene aufweisen.

Bei der Vererbung wird immer nur ein Antigenmerkmal der Mutter und ein Antigenmerkmal des Vaters weitergegeben, sodass sich die Blutgruppe des Kindes aus den Antigenmerkmalen beider Elternteile zusammensetzt.  Dabei werden die Antigene A und B untereinander gleichrangig vererbt. Gegenüber dem Antigenmerkmal 0 sind jedoch sowohl das Antigen A als auch das Antigen B dominant. Das bedeutet, dass das Antigenmerkmal 0 rezessiv vererbt wird und immer durch das A- bzw. B-Antigen unterdrückt wird. Daher dominieren bei einer Kombination von dominanten A bzw. B- Merkmalen mit dem rezessiven 0 Merkmal immer die A-bzw. B-Antigene und entscheiden über die Blutgruppe. 

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Vererbung Rhesus positiv oder Rhesus negativ

Bei der Vererbungsforschung des Rhesus-Faktors wird sich an den D- beziehungsweise d- Genen orientiert. Rhesus positive Menschen besitzen das D-Gen, das die Bildung des Rhesus-Antigen bewirkt. Menschen, die Rhesus negativ sind, besitzen hingegen das Gen d.  Dabei besitzt jeder Mensch zwei Rhesus-Merkmale, wobei das D-Gen gegenüber dem rezessiven d-Gen dominiert.

Bei einer Vererbung wird von beiden Elternteilen nur ein Rhesus-Merkmal weitergegeben. Das dominante D-Gen unterdrückt das rezessive d-Gen und entscheidet über den Rhesus-Typ des Kindes. So kommt es, dass ein Rhesus positiver Mensch entweder die Genkombination Dd (mischerbig) oder DD (reinerbig) haben kann, wohingegen ein Rhesus negativer Mensch nur die reinerbige Genkombination dd besitzen kann. Dies kann nur vorkommen, wenn beide Eltern Rhesus negativ sind und ist daher selten.

 

Wo steht, welche Blutgruppe ich habe?

Die Blutgruppe ist eine wichtige und beständige Konstante im menschlichen Körper, denn sie ändert sich ein Leben lang nicht. Dennoch kennen viele Menschen die eigene Blutgruppe gar nicht. Bei diesen Dokumenten gibt es die Möglichkeiten, nachzuschauen:

  • Als Blutspender ist Ihre Blutgruppe in ihrem Blutspenderausweis eingetragen
  • Auch in Ihrem Impfpass könnte die Blutgruppe vermerkt sein
  • Wenn Sie Mutter sind, so ist ihre Blutgruppe üblicherweise auch in ihrem Mutterpass hinterlegt

Sollten diese Dokumente nicht verfügbar sein oder keinen Eintrag zur Blutgruppe enthalten, gibt es die Möglichkeit, ihre Blutgruppe von Ihrem Hausarzt bestimmen zu lassen. Alternativ können Sie auch einen Schnelltest in Ihrer Apotheke erwerben und selbst zuhause durchführen.

 

Quellen:

Rund ums Blut: Blutgruppen, in: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Ganz gezieltes Geben und Nehmen - entscheidend in der Welt der Blutgruppen!, in: Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes gemeinnützige GmbH

Was bedeuten Blutgruppe und Rhesusfaktor?, in: DRK Blutspendedienst West gGmbH

Blutgruppen: A, B, AB, 0, positiv und negativ, in: apotheken-umschau.de

Vererbung von Blutgruppen, in: DRK-Blutspendedienste

Blutspende: Wissenswertes zum Thema Blutgruppen, in: Universitätsklinikum Regensburg

Die häufigsten Ak und deren klinische Relevanz, in: Österreichisches Rotes Kreuz

 

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