Weizenallergie

Anne Körbel
Bei einer Weizenallergie muss auf vieles verzichtet werden
© iStock/GeorgeRudy
Inhalt
  1. Auslöser und Ursachen
  2. Symptomatik
  3. Diagnose
  4. Therapie

In Deutschland leidet einer von tausend Menschen an einer Weizenallergie. Je nachdem, wo der Weizen hingelangt, löst er Reaktionen in Form von Beschwerden auf der Haut, in der Lunge oder im Bauch aus. PraxisVITA erklärt die Ursachen, Symptome, wie eine Diagnose gestellt wird und welche Therapien helfen.

 

Auslöser und Ursachen

Auslöser der allergischen Reaktion sind unterschiedliche Weizenbestandteile wie Albumin, Globulin und Klebereiweiß (Gluten). Während Albumin und Globulin hauptsächlich in der äußeren Schale des Korns vorkommen, tritt das Klebereiweiß im Mehlkörper auf. Sie lösen bei der Nahrungsaufnahme eine Reaktion des Immunsystems aus. Das Eiweiß des Weizens wird im Darm als vermeintlicher Feind wahrgenommen, der bekämpft werden muss. Dafür werden Antikörper gebildet, die für entzündliche Prozesse sorgen. Das Immunsystem richtet sich also aufgrund einer falschen Wahrnehmung gegen sich selbst. Nicht selten tritt die Allergie bei Kindern von Allergikern auf, da eine Weizenallergie vererbt werden kann. Bei Säuglingen oder Kindern kommt eine Weizenallergie generell häufiger vor als bei Erwachsenen. Experten schätzen, dass das noch nicht ausgereifte Immunsystem bei Kindern dazu beiträgt. Allgemein gilt jedoch die Regel, je früher eine Weizenallergie diagnostiziert wird, desto wahrscheinlicher verschwindet sie wieder. Bildet sich die Allergie erst im Erwachsenenalter, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie bestehen bleibt. Die genauen Ursachen für das Auftreten der Allergie sind bisher nicht bekannt.

 

Symptomatik

Allergische Reaktionen auf Weizen treten meistens direkt nach dem Verzehr auf, bis zu 48 Stunden nach dem Kontakt. Die Immunreaktion kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Babys und Kinder zeigen vermehrt Reaktionen der Haut während bei Erwachsenen die Probleme im Bereich der Verdauung auftreten.

Die häufigsten Anzeichen einer Weizenallergie sind:

Hautreaktionen wie Ausschläge, Quaddeln oder Juckreiz

• Müdigkeit/Abgeschlagenheit

• Bauchschmerzen

• übermäßige Blähungen

• Durchfall

• Nährstoffmangel (bei anhaltenden Durchfällen)

• Übelkeit/Erbrechen

• Sodbrennen/ Aufstoßen

Die Weizenallergie trifft auffällig viele Bäcker. Durch das Einatmen von Mehlstaub wird das sogenannte ("Bäckerasthma") ausgelöst. Es handelt sich dabei um Asthma oder chronischen Schnupfen. Als typische Beschwerden beschreiben Bäcker zunächst einen starken Niesreiz damit einhergehend, dass die Nase „läuft“ und schließlich „zugeht“. Die Symptome können hintereinander oder parallel auftreten. Augenjucken, Tränen und Hautrötungen kommen hinzu bis zu Asthmaanfällen. Beim Bäckerasthma treten die Beschwerden innerhalb von einer bis fünf Minuten nach dem Allergenkontakt auf. Es handelt sich hierbei um eine Allergie vom Soforttyp. Bäckerasthman kann sich zu jedem Zeitpunkt spontan entwickeln. 

Durch das Einatmen von Mehlstaub wird das "Bäckerasthma" ausgelöst
Durch das Einatmen von Mehlstaub wird das "Bäckerasthma" ausgelöst  © istock/koldunova
 

Diagnose

Bei Kindern wird eine Allergie gegen Weizen häufig anhand einer Hautveränderung (zum Beispiel einem Ausschlag, siehe Symptome) bemerkt. Danach findet meistens ein Allergietest statt. 

Bei Erwachsenen tritt die Weizenallergie meistens nach dem Verzehr von weizenhaltigen Nahrungsmitteln durch Symptome im Magen-Darm-Trakt auf. Zunächst sollte eine Allergie von einer Lebensmittelunverträglichkeit abgegrenzt werden. Unter einer Lebensmittelunverträglichkeit versteht man zwei Phänomene: Eine Lebensmittelallergie gegen bestimmte Nahrungsmittel oder -bestandteile oder eine Intoleranz. Eine Intoleranz ist die Unfähigkeit ein bestimmtes Lebensmittel oder -bestandteil verdauen zu können. Während bei einer Allergie also der Körper Antikörper bildet, kann bei einer Intoleranz ein bestimmter Stoff nicht oder nur unter Einschränkungen verdaut werden. Daher bietet es sich bei der Diagnose an eine Antikörperbestimmung im Blut vorzunehmen und einen sogenannten Picktest durchzuführen. Ein Pricktest ist ein Hauttest, bei dem die Überempfindlichkeitsreaktionen durch den Kontakt mit bestimmten Substanzen festgestellt werden kann,

Wichtig für eine richtige Diagnose ist der vorherige Ausschluss einer Zöliakie, die von der Symptomatik oftmals klinisch nicht zu unterscheiden ist. Bei einer Zöliakie müssen meistens mehrere Getreidearten gemieden werden und es wird auf eine glutenfreie Ernährung umgestellt. Glutenfreie Produkte können allerdings durchaus eine Weizenallergie hervorrufen, da Weizenstärke zugesetzt sein kann. Sinnvoll ist daher das Führen eines Beschwerdetagebuchs, worin aufgeschrieben wird nach welchem Verzehr welche Beschwerden auftreten.

 

Therapie

Bei einer Weizenallergie gibt es keine ursächliche Therapie und daher auch keine Heilung. Akut können sich bei einem Asthmaanfall ein Kortisonspray inhalieren (auf Rezept beim Arzt) oder bei einem Hautausschlag Fenistilgel benutzen. Die einzige Möglichkeit beschwerdefrei zu werden, ist jedoch der strikte Verzicht auf weizenhaltige Lebensmittel. Auch auf weizenähnliche Getreidearten wie Dinkel, Kamut, Einkorn, Grieß, und Grünkern sollte besser verzichtet werden. Weizen kann auch in Lebensmitteln auftauchen, in denen er nicht vermutet wird, da er oft als Bindemittel oder Trägerstoff für Aromen verwendet wird. Eine Ernährungsberatung kann bei der Ernährungsumstellung helfen. Verzichten sollten Sie generell auf:

• Teigwaren

• Knödel

• Wurstwaren

Bei einer Weizenallergie gilt ein strikte Kuchen- und Tortenverbot
Bei einer Weizenallergie gilt ein striktes Kuchen- und Tortenverbot © iStock/GMVozd

• Brot-und Gebäcksorten

• Panierten Fisch

• Weizenbier

• Knabbergebäck wie Kartoffelchips

• Schoko-und Müsliriegel

• Speiseeis

• Trinkschokolade

• Fertigsuppen und Suppenwürfel

• Gewürzmischungen

• Fertigprodukte (Kartoffenpüree zum Anrühren, Pizza,…)

• Babynahrung

Getreidearten, die Sie problemlos vertragen sollten, sind:

• Buchweizen

• Gerste

• Roggen

• Hafer

• Hirse

• Mais

Bei Gerste, Hafer und Roggen kann es zu Kreuzreaktionen kommen. Dabei tritt eine Nahrungsmittelallergie zu einer bestehenden Allergie auf. Meistens geschieht dies durch eine Verwechslung des Immunsystems. Gerade bei ähnlichen Proteinen kann das leicht passieren. Typischerweise zeigen sich Kreuzreaktionen aber zunächst im Bereich der Mundschleimhaut, Augen, Nase, Zunge oder Lippe. Grundsätzlich kann es aber zur Symptomatik in allen Bereichen kommen.

Alternativen für das Kochen oder Backen sind:

• Bananenmehl

• Kartoffelmehl

• Reismehl

• Kastanienmehl

• Sojamehl

• Johannisbrotkernmehl

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