Weihnachten allein zu Hause: Tipps gegen die Einsamkeit

Verena Elson Medizinredakteurin

Bescherung unterm Weihnachtsbaum im Kreise der Familie: Für viele Menschen muss das dieses Jahr ausfallen. Denn aufgrund der hohen Infektionszahlen in der Corona-Pandemie sind wir alle aufgerufen, unsere Kontakte auch an Weihnachten einzuschränken. Weihnachten allein zu verbringen, kann ein erdrückendes Gefühl der Einsamkeit auslösen. Doch mit einigen Tipps lassen sich die Weihnachtstage auch allein festlich gestalten.

An Weihnachten ist Einsamkeit besonders schmerzhaft, da das Fest traditionell mit der Familie gefeiert wird, was das eigene Alleinsein noch stärker ins Bewusstsein rückt. Jedes Jahr leiden viele Menschen, weil sie Weihnachten allein zu Hause verbringen müssen – dieses Jahr dürften es aber noch deutlich mehr sein.

In einer Forsa-Umfrage im November sorgten sich 41 Prozent der Befragten, Weihnachten nicht im üblichen Familien- oder Freundeskreis feiern zu können.

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2020 mehr Anfragen bei der TelefonSeelsorge

Weihnachten 2020 wird anders – damit rechnen auch die 104 TelefonSeelsorge-Stellen in Deutschland und bereiten sich organisatorisch auf deutlich mehr Anfragen als in den vergangenen Jahren vor. Die Notrufnummer ist rund um die Uhr besetzt – an allen Tagen des Jahres.

„Wir erleben besonders beim Chatten eine deutlich erhöhte Anfrage-Rate. Während des Lockdowns im März und April hatten wir mehr als doppelt so viele Chats wie in den Vergleichsmonaten 2019 und auch im Oktober und November stiegen hier die Zahlen wieder. Im Vorjahr waren es durchschnittlich 53 Chats. In der letzten Woche lagen wir bei fast 100. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir gerade hier über Weihnachten gut aufgestellt sein müssen“, so Petra Schimmel, Leiterin der TelefonSeelsorge Hamm und Vorstandsmitglied der Evangelisch-Katholischen Kommission (EKK), des Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge.

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Weihnachten 2020: Angst vor Einsamkeit und Krankheit

„Unter den Themen, die unsere Ratsuchenden benennen, nimmt die Einsamkeit großen Raum ein“, ergänzt Peter Annweiler, Leiter der TelefonSeelsorge Pfalz in Kaiserslautern. „Die Frage, was an Weihnachten möglich sein wird oder eben nicht, treibt viele um. Die Angst vor einer Infektion ist gerade bei den Älteren groß, nicht weniger groß ist die Angst, Weihnachten allein verbringen zu müssen.“ In rund 25 Prozent der Anfragen ginge es um dieses Thema. „Aber auch Ängste und Probleme in Beziehungen und zwischenmenschlichen Kontakten werden häufiger als sonst angesprochen“, fügt er hinzu.

Zugleich seien von der Pandemie und ihren Auswirkungen die Beraterinnen und Berater am Telefon selbst betroffen. „Wir wissen von einer ganzen Reihe Ehrenamtlicher, dass sie dieses Jahr allein sein oder nur im engsten Kreis Weihnachten feiern werden“, bestätigt Petra Schimmel. „Berührend finde ich es, dass dadurch bei vielen die Bereitschaft wächst, über Weihnachten zusätzliche Dienste zu übernehmen. Wer sich an den Feiertagen mit seiner Traurigkeit, Einsamkeit und Verlorenheit an uns wendet, findet mit Sicherheit enormes Verständnis und die Vergewisserung: Ich bin zwar an den Festtagen allein, aber ich habe viele Leidensgefährten, die wie ich versuchen, das Beste daraus zu machen.“

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Weihnachten alleine feiern: Tipps gegen die Einsamkeit

Wer an Weihnachten allein sein wird, kann sich im Vorfeld ganz konkret darauf vorbereiten, um sich die Festtage so schön wie möglich zu gestalten. Dazu gehört zum Beispiel, Weihnachtstraditionen beizubehalten und ganz bewusst für sich selbst beispielsweise den Weihnachtsbaum zu schmücken, ein leckeres Weihnachtsmenü zu kochen und einen Weihnachtsfilm anzuschauen.

Eine Möglichkeit, Weihnachten nicht ganz isoliert zu verbringen, ist außerdem, sich an den Festtagen digital mit Verwandten zu treffen. Eine Alternative kann es sein, sich zum Telefonieren zu verabreden und den Lautsprecher anzustellen, um bei der Bescherung zumindest akustisch „live“ dabei zu sein.  

Das Bundesgesundheitsministerium hat zudem Tipps für Menschen zusammengestellt, die sich aufgrund der Kontaktbeschränkungen in den Pandemiezeiten abgeschottet und einsam fühlen:

Das Gespräch suchen: Wer in Corona-Zeiten viel allein zu Hause ist, sollte sich, wann immer möglich, Gelegenheiten zum Austausch mit anderen suchen – ob am Telefon oder auf Abstand mit den Nachbarn. So wird schnell klar: Ich bin nicht allein in dieser Situation, es gibt viele, denen es ähnlich geht.  

An die eigenen Stärken erinnern: In Krisensituationen kann es helfen, in sich selbst nach Strategien zu forschen, die bereits in anderen Zeiten des Kummers oder der Entbehrung geholfen haben. Betroffene sollten sich folgende Fragen stellen: Wie habe ich frühere Herausforderungen bewältigt? Was sind meine Stärken, die mir jetzt helfen können? So können Selbstvertrauen, Kraft und Zuversicht aufgebaut werden.

Sich selbst verwöhnen: Einen Spaziergang in der Natur machen, die Vögel im Garten oder im Park beobachten oder einfach aus voller Kehle singen – solche kleinen Dinge können die Produktion von Glückshormonen anregen und schnell aus einem Stimmungstief heraushelfen.

Vielleicht der wichtigste Tipp für alle, die dieses Jahr Weihnachten allein feiern müssen, ist, sich Folgendes bewusst zu machen: Auch, wenn es in diesen Tagen manchmal so scheint, als würde die Zeit der Isolation und Einschränkungen nie zu Ende gehen – irgendwann wird sie vorbei sein und dann ist ein „normales“ Leben mit Freunden und Familie wieder möglich, auch an Weihnachten.

Quellen:

Jeder Zweite hat Angst vor Krankheit an Weihnachten, in: kkh.de

Umgang mit Einsamkeit, in: zusammengegencorona.de

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