Wechseljahre und Blutungen: Nur eine hormonelle Verirrung?

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Eigentlich hören in den Wechseljahren die Blutungen bei Frauen auf. Viele leiden dennoch an Zwischenblutungen, starken Blutungen oder Dauerblutungen. Wie kommt es dazu und was hilft?

Wechseljahre und Blutungen: Nur eine hormonelle Verirrung?
In den Wechseljahren verursachen schwankende Hormone außergewöhnliche Blutungen Foto:  iStock / solidcolours
Inhalt
  1. Warum kommt es in den Wechseljahren zu Blutungen?
  2. Zwischenblutungen sind ein typisches Symptom der Wechseljahre
  3. Wechseljahre und die Blutungen hören nicht auf?
  4. Starke Regelblutung in den Wechseljahren
  5. Ist eine Blutung nach den Wechseljahren harmlos?
  6. Wie können sich Frauen bei Blutungen in den Wechseljahren helfen?
 

Warum kommt es in den Wechseljahren zu Blutungen?

Eines der ersten Anzeichen für die beginnenden Wechseljahre sind Unregelmäßigkeiten im Monatszyklus. Die Hormonproduktion der Eierstöcke wird unregelmäßiger, dadurch sinkt der Östrogenspiegel stark ab. Der weibliche Körper bereitet sich darauf vor, dass die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr auf- und abgebaut wird und dass es in naher Zukunft keinen Eisprung mehr geben wird.

Kommen die Blutungen nur noch selten, fallen sie besonders stark oder schwach aus, deutet das auf die baldige Menopause hin. So nennt man die Zeit bis zu 12 Monaten nach der letzten Regelblutung. Danach folgt die Postmenopause, in der sich die Hormonproduktion wieder einpendelt. Gerade in der Phase des Wechsels zwischen unregelmäßigem Zyklus und vollständigem Ausbleiben der Regel (Perimenopause genannt) treten häufig Störungen in den Blutungen auf. Entweder sind sie nur noch schwach, treten als leichte Schmierblutungen auf oder fallen besonders stark aus. Manche Frauen leiden sogar unter heftigen Dauerblutungen, die länger als zwei Wochen andauern.

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Schmierblutung in den Wechseljahren

Eine Schmierblutung kann durch die Hormonschwankungen in den Wechseljahren häufiger auftreten. Auch unabhängig vom eigentlichen Zyklus. Diese Schmierblutung ist meist schwach, wässrig und leicht bräunlich. Eine solche Blutung ist meist unbedenklich. Dennoch sollte der Frauenarzt in den Wechseljahren regelmäßig aufgesucht werden. In seltenen Fällen können Schmierblutungen auf eine ernstere Erkrankung wie Infektionen oder Gebärmutterhals- oder Eierstockkrebs hinweisen.

Leichte hellrote Blutung in den Wechseljahren

Die Farbe der Monatsblutung kann Geschichten erzählen. Normalerweise sollte das Blut von satter, mittelroter Farbe sein. Ändert sich die Farbe, hängt das mit dem schwankenden Hormonspiegel zusammen. Ist die Farbe hellrot bis rosa und das Blut eher wässrig, spricht dies für einen gesunkenen Östrogenspiegel. Das ist in den Wechseljahren nicht ungewöhnlich. Der Östrogenspiegel sinkt in diesem Zeitraum, was schließlich zum Ausbleiben der Monatsblutung führt.

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Zwischenblutungen sind ein typisches Symptom der Wechseljahre

Mit der regulären Monatsblutung haben Zwischenblutungen nichts zu tun. Entweder handelt es sich um Schmierblutungen (auch unter dem Namen „Spotting“ bekannt) oder um Zusatzblutungen. Typisch für Zwischenblutungen ist eine Blutung in Abständen. Mal dauert sie nur wenige Stunden oder einen Tag. Mal erscheint sie an einem Tag und dann nach einer Pause wieder an einem der folgenden Tage. Durch die starken Hormonschwankungen in den Wechseljahren können Zwischenblutungen gehäuft auftreten. Sie verschwinden in der Regel spätestens nach der Menopause. Auch hier sollte der Frauenarzt untersuchen, ob eine andere Ursache dahinterstecken könnte.

 

Wechseljahre und die Blutungen hören nicht auf?

Der Hormonhaushalt wird in den Wechseljahren richtig „durchgeschüttelt“. In der Zeit vor der allerletzten Blutung sinkt der Anteil des Gelbkörperhormons (Progesteron), das normalerweise in der zweiten Zyklushälfte vermehrt ausgeschüttet wird, damit die Gebärmutter für die Einnistung eines befruchteten Eis vorbereitet wird. Sinkt das Progesteron, kommt es zur Menstruationsblutung.

Das Hormon der ersten Zyklushälfte, das Estradiol aus der Gruppe der Östrogene, bleibt hingegen in dieser Phase unverändert hoch. Diese Östrogendominanz sorgt für einen stärkeren Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und damit zu stärkeren Blutungen. So entstehen durch den Progesteronmangel und die Östrogendominanz in den Wechseljahren manchmal Dauerblutungen.

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Starke Regelblutung in den Wechseljahren

Zu besonders starken Monatsblutungen kommt es vor allem, wenn die Abstände zwischen den Blutungen länger werden. Die Gebärmutterschleimhaut hat dann mehr Zeit, sich aufzubauen. Je mehr Gewebe aufgebaut wird, desto mehr muss mit der Menstruation wieder hinausbefördert werden.

Blutungen in den Wechseljahren nach einem Jahr

Wenn nach einem Jahr Blutungspause plötzlich wieder die Menstruation erscheint, ist die Menopause wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen. Schwankungen des Östrogenspiegels können auch nach längerer Zeit wieder auftreten. Sie sind in der Regel harmlos, oft aber lästig. Denn die Zeitrechnung der Menopause beginnt in einem solchen Fall von vorne. Das bedeutet, dass von diesem Zeitpunkt wieder mindestens 12 Monate vergehen müssen bis die Menopause abgeschlossen ist.

Wechseljahre:  Wenn Blutungen nach 3 Jahren noch auftreten

Wenn nach zwei oder drei Jahren nach der Menopause Blutungen erneut auftreten, sollte umgehend der Gynäkologe aufgesucht werden. Entweder handelt es sich um eine hormonelle Verirrung oder es stecken Ursachen wie gutartige Wucherungen, Myome oder Polypen hinter diesen ungewöhnlichen Blutungen. Eine bösartige Erkrankung tritt eher selten auf, sollte aber ausgeschlossen werden.

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Ist eine Blutung nach den Wechseljahren harmlos?

Bösartige Erkrankungen wie Gebärmutterkrebs machen in der Regel nicht durch Schmerzen auf sich aufmerksam. Blutungen aus der Scheide nach den Wechseljahren, unregelmäßige Zwischenblutungen vor den Wechseljahren oder ungewohnt starke Monatsblutung können aber auf eine Vorstufe des Gebärmutterkrebs hinweisen. Nicht jeder Abweichung vom gewohnten Zyklus oder der Blutungsstärke liegt eine Krebserkrankung zugrunde. Auch Schleimhautpolypen oder eine Endometriose können Blutungen verursachen.

Meist haben Blutungen nach den Wechseljahren harmlose Ursachen und gehören zum hormonellen Umstellungsprozess dazu. Frauen im Klimakterium sollten sowieso alle Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt wahrnehmen und mögliche Warnsignale ernst nehmen.

 

Wie können sich Frauen bei Blutungen in den Wechseljahren helfen?

Heute gibt es zahlreiche natürliche Methoden, um Blutungen in und nach den Wechseljahren zu behandeln. Während den Frauen mit derartigen Beschwerden in früheren Zeiten einfach die Gebärmutter entfernt wurde, bietet die klassische Medizin aber auch die Naturmedizin ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten.

Zuallererst sollten sich die betroffenen Frauen ein Zyklustagebuch anlegen und Veränderungen in den Blutungen genau notieren. Das hilft dem Arzt oder Heilpraktiker, die Ursachen der Beschwerden zu finden und die Therapie darauf abzustimmen.

Bei Blutungen in den Wechseljahren selbst aktiv werden:

  • Alkohol meiden: die Leber hat eine wichtige Funktion beim Abbau von Östrogen. Alkohol stört die Leber in ihrer Aufgabe und reduziert außerdem Progesteron
  • Milchprodukte reduzieren: diese verändern das Hormongleichgewicht, lösen Entzündungsprozesse aus und verstärken die Monatsblutung
  • Die Darmflora stärken: ein gesunder Darm hilft dabei, Östrogen auszuscheiden
  • Insulinstoffwechsel fördern: durch Sport und zuckerarme Ernährung wird dieses Wachstumshormon gehemmt. Zu viel Insulin führt zu einem Progesteronmangel
  • Eisenreiche Nahrung essen: um Blutarmut entgegenzuwirken sollte Eisenreiches wie Fleisch, Hülsenfrüchte oder Brennnessel auf dem Speiseplan stehen
  • Entspannung einbauen: auch die Seele verändert das Hormongleichgewicht. Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung helfen

Mit Schwung durch die Wechseljahre dank Homöopathie
Homöopathie Homöopathie für die Wechseljahre

Homöopathische Hilfe in den Wechseljahren

Bei starken Beschwerden in den Wechseljahren kann es sein, dass Ernährungsumstellung oder Entspannungsübungen nicht reichen. Dann können pflanzliche Arzneimittel auf sanfte Weise helfen. Kombinationspräparate, die Wirkstoffe aus verschiedenen Pflanzen beinhalten, behandeln die Beschwerden gleichzeitig von verschiedenen Seiten. Besonders bewährt hat sich in Studien folgende Kombination:

  • Cimicifuga, die Traubensilberkerze, reduziert Hitzewallungen, Schlafstörungen und innere Unruhe
  • Ignatia, die Ignatiusbohne lindert Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen
  • Sanguinaria, die kanadische Blutwurzel beeinflusst den Blutkreislauf und lässt sich bei Hitzewallungen, Gesichtsröte und Kopfschmerzen einsetzen
  • Sepia, die Tinte des Tintenfisches hilft bei Erschöpfungszuständen, zum Beispiel durch Blutverlust in den Wechseljahren

Kombinationspräparate mit diesen Wirkstoffen sind ohne Hormone und gut verträglich. Sie lassen sich über einen längeren Zeitraum gegen Wechseljahre und Blutungen aber auch gegen andere Beschwerden im Klimakterium anwenden.

Quellen:

Wechseljahre und Wechseljahresbeschwerden, in: frauenaerzte-im-netz.de

Blutungen in den Wechseljahren: Wann sollte ich zum Arzt gehen?, in: liebenswert-magazin.de

Blutungen in den Wechseljahren: Was bei einer sehr starken Periode hilft, in: femna.de

Symtome/Diagnostik: Gebärmutterkrebs, in: albertinen.de

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