Wasserkopf beim Baby: Rechtzeitig erkennen und behandeln

Wie entsteht ein Wasserkopf beim Baby? Was sind die Symptome und wie läuft die Therapie ab? Alle Fakten, die Eltern kennen sollten!

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Bei einem Wasserkopf beim Baby kommt es auf schnelles Handeln an: Je schneller die Diagnose gestellt und eine wirksame Therapie durchgeführt wird, desto besser können spätere Entwicklungsstörungen verhindert werden. Weil ein Wasserkopf bei Kindern jederzeit auftreten kann, sollten Eltern die Symptome kennen.

Was bedeutet „Wasser im Kopf“ beim Baby?

Ein Wasserkopf (Hydrozephalus) beim Baby entsteht durch die Ansammlung von zu viel Hirnwasser im Gehirn. Hirn- oder Nervenwasser – Liquor cerebrospinalis genannt – ist eine farblose Körperflüssigkeit im Gehirn und Rückenmark, die u. a. das Gehirn „abpolstert“ und als Transportmedium fungiert.

Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen der Produktion und dem Abtransport bzw. Abbau von Hirnwasser, sodass das Volumen immer gleich bleibt. Beim Hydrozephalus kann das Hirnwasser nicht mehr richtig abfließen und es entsteht ein Flüssigkeitsstau, der die typische Vergrößerung des Kopfes bewirkt.

Zeichnung eines Baybkopfes im Vergleich: gesund und vergrößert mit Wasserkopf
Bei einem Wasserkopf staut sich Hirnwasser in den sogenannten Hirnventrikeln (Hohlräume im Gehirn) und führt zu einem Anschwellen des Kopfes Foto: PraxisVITA/Vivian Mule

Wie entsteht ein Wasserkopf beim Kind?

Ein Wasserkopf kann schon während der Schwangerschaft, aber auch später in jedem Lebensalter entstehen. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Geburtsfehler, Hirnblutungen, Unfälle, Infektionen oder Hirntumore. Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre zeigen außerdem, dass ein Gendefekt hinter dem Hydrozephalus stecken kann.

Wasserkopf beim Baby: Die Symptome

Zu erkennen ist ein Wasserkopf bei kleinen Kindern, bei denen die Fontanellen noch geöffnet sind, durch ein auffällig schnelles Wachstum des Kopfes. Die Fontanellen sind dabei gespannt oder sogar vorgewölbt.

Zudem können Neugeborene und Kleinkinder durch Trinkschwäche oder auch Benommenheit auffallen. Eine typische Sehstörung ist das „Sonnenuntergangsphänomen“ mit dauerndem Blick nach unten. Auch bei älteren Kindern (2 bis 6 Jahre) kann der Kopf verstärkt wachsen, aber es können auch andere Symptome auftreten, zum Beispiel:

  • Kopfschmerzen

  • Müdigkeit

  • Teilnahmslosigkeit

  • Appetitlosigkeit

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Koordinations- und Gangstörungen

  • Sehstörungen

  • Verhaltensauffälligkeiten 

  • Schluckbeschwerden

  • Krampfanfälle

Hydrocephalus beim Baby: Wie wird die Diagnose gestellt?

Sind bei einem Kind mit Wasserkopf-Symptomen die Fontanellen noch nicht geschlossen (in den ersten zwei Lebensjahren), kann die Diagnose per Ultraschall gestellt werden: So werden die aufgeblähten Hirnwasserkammern sichtbar. Meist folgt noch eine Kernspintomografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns, um die genaue Ursache zu finden. Bei Verdacht auf Wasserkopf bei älteren Kindern mit geschlossener Schädeldecke wird gleich eine Kernspintomografie durchgeführt.

Häufig erfolgt die Diagnose auch bereits während der Schwangerschaft im Zuge der pränatalen Diagnostik.

Wie läuft die Therapie ab, wenn das Baby einen Wasserkopf hat?

Je nach genauer Ursache eines Wasserkopfs gibt es verschiedene Operationsmöglichkeiten. Es gibt zwei verschiedene Operationsarten, um das aufgestaute Hirnwasser in einer Art „Umgehungsstraße“ abzuleiten:

  1. Liquorshunt: Das Hirnwasser wird mithilfe eines Shuntsystems abgeleitet – das ist eine Verbindung zwischen Gefäßen oder Hohlräumen, die normalerweise getrennt sind. So wird Hirnwasser dauerhaft in den Bauchraum oder in das Herz abgeleitet. Ventile und Schläuche bleiben lebenslang im Körper, müssen aber eventuell im Lauf des Lebens ausgetauscht werden. 

  2. Endoskopische Ventrikulo(zisterno)stomie (EVT): Mittels eines Endoskops wird eine Umgehung geschaffen, um das Hirnwasser von den inneren in die äußeren Liquorräume abfließen zu lassen und wieder einen Hirnwasserkreislauf zu ermöglichen. Das ist eine inzwischen häufig durchgeführte OP zur Behandlung des Wasserkopfs: Die Erfolgsrate liegt bei ca. 80 Prozent, es gibt nur selten Komplikationen.

Wasserkopf beim Baby: Die Lebenserwartung ist häufig normal

Eine frühzeitige, wirksame Therapie, die individuell dem Kind angepasst ist, ist entscheidend für die weitere Entwicklung. Denn die möglichen Langzeitfolgen eines unbehandelten Wasserkopfs sind verschiedene Hirnschädigungen und damit Entwicklungsstörungen.

Eine rechtzeitige adäquate Therapie und eine engmaschige Überwachung können die geistigen und körperlichen Fähigkeiten aber erhalten. Bei einer rechtzeitigen wirksamen Operation ist bei einem Wasserkopf beim Baby oder Kleinkind die Lebenserwartung danach meist weitgehend normal. 

Quellen:

Hydrocephalus, in: kinderneurochirurgie.charite.de Hydrocephalus (Wasserkopf), in: kinderneurochirurgie-leipzig.de Kindlicher Hydrocephalus, in: uniklinikum-saarland.de Fragen zu Kindern mit Hydrocephalus, in: Hydrocephalus-Erfahrungsaustausch für Jugendliche und Erwachsene

Feldner, Anja, et al. (2017): Loss of Mpdz impairs ependymal cell integrity leading to perinatal‐onset hydrocephalus in mice, in: EMBO molecular medicine