Wasserallergie: Ein einziger Tropfen kann tödlich sein

Redaktion PraxisVITA
Bei einer Wasserallergie droht ein allergischer Schock
Bei der Wasserallergie kann ein einziger Tropfen auf der Haut zum allergischen Schock führen und den Erkrankten töten © Fotolia

Unvorstellbar, aber wahr. Emily Payne leidet unter einer Wasserallergie. Ein Tropfen Wasser kann sie töten. Lesen Sie hier ihre bewegende Geschichte.

Wenn Emily Payne das Haus verlässt, hat sie eines immer dabei – den Schirm! Nicht, weil sie Panik hat, ihre Frisur im Regen zu ruinieren. Emily hat Angst um ihr Leben. Denn nur ein einziger Tropfen Wasser könnte die britische Studentin töten! Sie leidet unter der seltenen Krankheit „Aquagene- und Kälte-Urtikaria“. Weltweit gibt es nur 43 Menschen, die an einer Wasserallergie erkrankt sind.

 

Eine Wasserallergie ist lebensbedrohlich

Diese Form der Nesselsucht kann tödlich enden. Kommt der Erkrankte mit Wasser in Berührung, das deutlich unter seiner Körpertemperatur von 36 Grad liegt, führt das zu einem allergischen Schock, der einen Herzstillstand zur Folge haben kann. „Es reicht ein Wassertropfen, der meine Haut berührt, um sofort eine Reaktion auszulösen. Es ist erschreckend, und ich habe hart mit der Wasserallergie zu kämpfen“, sagt Emily.

Vor vier Jahren bemerkte sie die Wasserallergie zum ersten Mal. Emily war 16 Jahre alt, hatte nie Beschwerden und dachte, sie sei kerngesund. Doch als sie mit Schulkameraden an einen Badesee zum Schwimmen fuhr, sollte sich das schlagartig ändern. „Meine Freunde mussten mich aus dem Wasser ziehen, weil ich plötzlich bewusstlos war“, erinnert sie sich. „Nach etwa einer Stunde ging es mir dann wieder besser. Ich dachte, das war einfach eine einmalige Sache, die mir da passiert ist.“

 

Typische Symptome der Wasserallergie: Pusteln und Quaddeln

Aber einen Tag später wiederholte sich das Horror-Szenario, als Emily mit ihrem Vater im Weiher baden war – erneut wurde sie im Wasser bewusstlos. „Er hatte so große Angst. Er war ja auch mit mir alleine und wusste nicht, was er tun sollte“, sagt sie. Emily kam sofort ins Krankenhaus. Ihr Körper war feuerrot und von Pusteln und Quaddeln überzogen. „Ich sah aus wie ein Hummer!“

Nach etlichen Untersuchungen stellten die Ärzte die Horror-Diagnose: Wasserallergie. Ein Schock für Emily, aber auch für die Mediziner! „In über 20 Jahren meiner Laufbahn ist mir so ein Fall noch nie begegnet“, meint ihr behandelnder Arzt Dr. Sunil Chopra vom Londoner Dermatologie-Zentrum.

Mann mit Wasserallergie
Weltweit gibt es nur 43 Menschen, die an einer Wasserallergie erkrankt sind© istock
 

Wasserallergie: Selbst der eigene Schweiß wird zur Gefahr

Die seltene Wasserallergie kann jeden plötzlich treffen. „Die Wahrscheinlichkeit liegt allerdings bei eins zu 100 Millionen.“ Emily ist genau diese eine. Seitdem musste sie ihr komplettes Leben umkrempeln. Denn selbst die normalsten Dinge der Welt sind für sie mit der Wasserallergie nicht mehr selbstverständlich.

Weil Emily aufgrund ihrer Wasserallergie nicht mehr duschen darf, muss sie sich notdürftig mit leicht angefeuchteten Tüchern reinigen. Sie hat aufgehört, Sport zu treiben, denn auch das Schwitzen wird bei der Wasserallergie zur Qual, die lebensbedrohlich werden kann. Sogar ihr Essen muss immer auf eine Mindesttemperatur erhitzt werden, damit Emily nicht in einen allergischen Schockzustand fällt, der zum Herzstillstand führen kann.

Duschen bei Wasserallergie
Duschen ist für Menschen mit einer Wasserallergie eine große Strapaze© istock/vadimguzhva
 

Wasserallergie – wenn Regen zur Qual wird

Ihren letzten Anfall hatte sie vor knapp einem Jahr. „Ich habe im Februar in einem Laden gearbeitet und beim Rausgehen tatsächlich meinen Schirm vergessen. Natürlich musste es an diesem Tag regnen, und ich lief zurück, doch der Shop war verschlossen. Panisch klopfte ich an die Tür, aber dann wurde ich ohnmächtig“, erinnert sie sich. Doch Emily hatte noch einmal Glück! „Ein Passant fand mich und sah mein Armband", erzählt sie. Dieses trägt sie rund um die Uhr bei sich. Darauf steht, was im Fall eines Schocks mit ihr zu tun ist.

 

Trotz Wasserallergie lässt Emily sich nicht unterkriegen

„Ich brauche dann eine Spritze“, erklärt sie und deutet auf ihre Notfallapotheke in der Handtasche. Darin hat sie immer eine Spritze mit Adrenalin, die sie raus aus der Ohnmacht und wieder zurück ins Leben holt. Heute ist sie fest davon überzeugt, dass ihr so eine Unachtsamkeit kein zweites Mal passieren wird. Denn jetzt will Emily nur noch leben und sich nicht länger von ihrer Wasserallergie unterkriegen lassen.

Wasserallergie und Schwitzen
Emily hat aufgehört, Sport zu treiben, denn auch das Schwitzen wird bei der Wasserallergie zur lebensbedrohlichen Gefahr© istock

Sie will als Beraterin in einem Unternehmen durchstarten, eine Familie gründen – und sich all das nicht nehmen lassen, nur weil sie unter einer Wasserallergie leidet. „Die Ärzte wissen zwar noch nicht, wie sie mir helfen können und ob ich jemals gesund werde. Aber den Glauben und die Hoffnung daran gebe ich nicht auf.“

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