Was wissen meine Emotionen über meine Gesundheit?

Paar streitet sich
Das Verhalten während eines Ehestreits ist ein guter Indikator für spätere gesundheitliche Probleme © Getty Images

Die Art wie wir streiten, verrät uns, mit welchen gesundheitlichen Problemen wir rechnen sollten.

US-Wissenschaftler haben über einen Zeitraum von 25 Jahren mehr als Hundert streitende Ehepaare beobachtet und dabei eine erstaunliche Erkenntnis gewonnen: Die Art, wie die Paare miteinander stritten, verriet, welche Krankheiten sie später erleiden würden.

Claudia Haase, Professorin an der Northwestern University, erklärt den Studienaufbau: „Wir haben das Verhalten während Ehestreitigkeiten, die nur 15 Minuten dauerten, untersucht. In der Folge konnten wir die Entwicklung von gesundheitlichen Problemen über einen Zeitraum von 20 Jahren vorhersagen, basierend auf dem emotionalen Verhalten in diesen 15 Minuten“.

Das Forscherteam lud die 156 Paare alle fünf Jahre ins Labor, wo sie Erlebnisse aus ihrem Leben, die zu Unfrieden geführt hatten, diskutieren sollten. Die daraus entstehenden Konflikte wurden mit der Kamera aufgezeichnet, außerdem wurden Daten zu Körpersprache, Gesichtsausdruck und Stimme vermerkt.

Die Forscher erkannten zwei Haupt-Emotionen während der Konflikte: „Unsere Beobachtungen deuten an, dass bestimmte Emotionen, die in einer Beziehung ausgedrückt werden, gleichzeitig die Anfälligkeit für bestimmte Gesundheitsprobleme vorhersagen. Diese Emotionen sind Zorn und Blockade“, erläutert Robert Levenson. Psychologe an der University of California und Senior-Autor der Studie.

 

Emotionen als Blick in die Zukunft?

Über eine Zeitspanne von zwanzig Jahren konnte Zorn als Vorbote von Leiden wie Bluthochdruck, Herzproblemen und Schmerzen in der Brust identifiziert werden.

Aber auch Ehepartner, die bei einem Streit mauerten und abblockten, neigten zu bestimmten Krankheiten. Darunter Rückenschmerzen, Nacken- und Gelenkprobleme und Muskelverspannungen. Grundsätzlich wurde bei den Männern ein stärkerer Zusammenhang zwischen Streittyp und Gesundheitsproblemen festgestellt, als bei Frauen.

Dr. Levenson hält die Beobachtungen seines Team für äußerst wertvoll: „Wir wissen seit Jahren, dass negative Emotionen mit negativen gesundheitlichen Auswirkungen verknüpft sind, aber diese Studie hat noch tiefer gegraben und herausgestellt, dass es spezifische Emotionen sind, die zu spezifischen Gesundheitsproblemen führen. Dies ist eine von vielen Möglichkeiten, wie unsere Emotionen uns einen Einblick in unsere spätere Lebensqualität ermöglichen“.

 

Streiten? Ja aber mit den richtigen Emotionen

Dürfen wir jetzt gar nicht mehr streiten? Doch natürlich, sagen die Wissenschaftler. „Konflikte gibt es in jeder Ehe, aber die Menschen tragen diese unterschiedlich aus“, erklärt Professor Haase. Die Ergebnisse aus der Studie könnten Hitzköpfe dazu anspornen, Interventionsprogramme wie Wutmanagement in Erwägung zu ziehen. Andere, die während eines Streits mauern, könnten davon profitieren, ihre Emotionen auch einmal herauszulassen, so die Wissenschaftler.

Hamburg, 25. Mai 2016

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