Medizin aus dem Winterschlaf

Redaktion PraxisVITA

Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einem unumkehrbaren Verlust von geistigen Fähigkeiten kommt. Nun haben Forscher entdeckt, dass ein kleines Tierchen sie in der Alzheimerforschung einen großen Schritt weiterbringen kann.

Medizin aus dem Winterschlaf
Was kann uns der Winterschlaf eines Hamsters über die Alzheimer-Forschung offenbaren? Das haben Forscher jetzt herausgefunden Foto:  iStock/ gyro
 

Alzheimer-Heilung inspiriert von Goldhamstern

Goldhamster in freier Wildbahn halten in den kalten Monaten Winterschlaf. Sobald die Tage kürzer werden, ziehen sie sich in ihren Bau zurück, um dort 3-6 Monate zu schlafen. Was dabei in ihren Gehirnen passiert, ließ Forscher nun aufmerken: Wenn die kleinen Säugetiere im Winterschlaf sind, kommt es zu strukturellen und metabolischen Änderungen im Gehirn. 

Während dieses Prozesses spielt vor allem ein Protein mit dem Namen „Tau“ eine wichtige Rolle. Das Eiweiß ist für den Transport von Stoffen zwischen den Nervenzellen zuständig. Es bildet im Gehirn der schlafenden Tiere Strukturen (Tau-Phosphorylierung), die auch bei Alzheimer-Patienten auftreten. Dabei handelt es sich um Eiweißablagerungen, die nach und nach zum Absterben von Nervenzellen und damit zum Verlust von Gedächtnisleistung und anderen geistigen Fähigkeiten führen. 

 

Was passiert im Hamster-Hirn im Winterschlaf?

Bei den Goldhamstern verschwinden die Strukturen nach dem Winterschlaf wieder – bei Menschen mit Alzheimer bleibt die Schädigung bestehen und ist nicht rückgängig zu machen. Diese Erkenntnis wollen sich die Forscher nun zu Nutze machen, um in Zukunft Alzheimer heilen zu können. 

Um den Stoffwechselprozess im Hirn der Hamster nachzuvollziehen, führten die Forscher eine Massenspektrometrie durch. Dabei wird die räumliche Verteilung von Molekülen im Hirn der Hamster vor und nach dem Winterschlaf gemessen. Das Ergebnis: Während des Schlafs änderten sich 337 Verbindungen im Gehirn der kleinen Säugetiere. Es fiel auf, dass eine Lipidgruppe (langkettige Ceramide) während des Schlafs erhöht war, die oxidative Schädigungen des Gehirns verhindern soll. 

Zudem war die Phosphatidsäure bei den schlafenden Mäusen um ein 5-faches erhöht. Diese Säure ist dafür bekannt, ein Enzym zu aktivieren, dass für die Ablagerung von Proteinen im Gehirn verantwortlich ist. Die Forscher wollen nun an Hamstern untersuchen, welche Substanzen sich zum Schutz der Nervenzellen im Gehirn eignen. 
 

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