Was weiß meine Nase über meine Gesundheit?

Redaktion PraxisVITA
Gewürze zur Demenz-Diagnose
Es gab schon früh Hinweise, dass ein nachlassender Geruchssinn mit Demenz zusammenhängen kann. Nun haben Forscher einen Zusammenhang bewiesen © Fotolia

Anhand eines einfachen Geruchstests können Ärzte künftig Risikopatienten für eine Demenz leichter identifizieren. PraxisVita erklärt das Verfahren und zeigt Ihnen, wie Sie ganz einfach von zuhause aus einen Kontrolltest durchführen können.

Ist eine Verschlechterung des Geruchssinns ein Indikator für eine spätere Demenzerkrankung? Dieser Frage sind Forscher rund um Dr. Rosebud Roberts von der Mayo-Klinik in der US-Stadt Rochester nachgegangen. Für ihre Studie untersuchten sie rund 1.900 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 80 Jahren. Von den Probanden hatten bereits 300 eine leichte kognitive Beeinträchtigung, die restlichen Personen waren kognitiv gesund.

 

Einfacher Geruchstest gab Aufschluss über Risikopatienten

Für die Studie absolvierten die Teilnehmer den sogenannten „Brief Smell Identification Test“ (B-SIT). Dabei mussten sie zunächst sechs Nahrungsmittel und Gewürze erkennen. Zu den Testobjekten zählten Bananen, Schokolade, Zimt, Ananas, Zitronen und Zwiebeln. Anschließend mussten noch sechs weitere Gerüche identifiziert werden. Dabei verwendeten die Forscher Farbverdünner, Benzin, Seife, Rose, Rauch und Terpentin.

Rund 3,5 Jahre später wurde der Test noch einmal wiederholt. 17 Prozent der Teilnehmer ohne MCI beim ersten Test hatten in der Zwischenzeit eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder sogar stärkere Gedächtnisstörungen entwickelt. Ein Vergleich der Ergebnisse ergab: Genau diese Personen hatten beim ersten Geruchstest deutlich schlechter abgeschnitten als andere Probanden. Insgesamt war das Risiko für eine Alzheimererkrankung für die Teilnehmer, die beim Geruchstest schlecht abschnitten, fünfmal so hoch wie bei den anderen Probanden. Von den Patienten, die bereits beim ersten Test leichte kognitive Beeinträchtigen hatten, waren inzwischen 63 Prozent an Demenz erkrankt.

 

Verminderter Geruchssinn als Indikator für neurodegenerative Krankheiten

Dass der Geruchssinn bei neurodegenerativen Krankheiten eine Rolle spielt, wurde bereits in anderen Studien belegt. Beispielsweise kann ein vollständiger oder teilweiser Verlust des Geruchssinnes auf ein frühes Stadium von Parkinson hinweisen. Auch Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Demenz und dem Verlust des Geruchssinnes gibt, wurden in früheren Studien gefunden. Dadurch wurde auch der sogenannte Erdnussbuttertest erfunden, der Anhaltspunkte auf ein erhöhtes Demenzrisiko liefern kann. Die neue Studie zeigt allerdings zum ersten Mal, dass auch die richtige Zuordnung von Gerüchen bei der Einschätzung des Risikos eine Rolle spielt.

Erdnussbutter
Der Erdnussbuttertest lässt sich einfach von zuhause aus durchführen. Das Ergebnis der Messung ist ein Indikator für Ihr Demenzrisiko© Fotolia
 

Wie funktioniert der Erdnussbuttertest?

Der Erdnussbuttertest lässt sich mithilfe eines Partners einfach von zuhause aus durchführen: Dazu werden lediglich ein Teelöffel voll Erdnussbutter und ein Lineal benötigt. Die zu testende Person muss sich die Augen verbinden lassen, sich ein Nasenloch zuhalten sowie den Mund geschlossen halten, dabei aber normal weiteratmen. Der Partner mit dem Teelöffel führt diesen nun langsam immer näher an die Nase des Testprobanden heran, bis dieser den Erdnussbuttergeruch wahrnehmen kann. Die Zentimeterzahl wird notiert. Nach etwa 90 Sekunden Pause wird der Test dann mit dem anderen Nasenloch wiederholt.

Das Ergebnis Ihrer Messung ist ein Indikator dafür, ob Sie ein erhöhtes Risiko für Demenz haben. Denn bei einer Studie mit diesem Test machten die Forscher eine interessante Entdeckung: Die Teilnehmer, bei denen später Alzheimer diagnostiziert wurde, rochen die Erdnussbutter mit dem linken Nasenloch später als mit dem rechten. Nämlich erst, als der Löffel bereits fast acht Zentimeter näher an ihrer Nase war, als beim rechten Nasenloch. Bei gesunden Teilnehmern konnte dieser Unterschied nicht festgestellt werden. Die Forscher vermuten seitdem, dass die linke Hirnhälfte, die auch für den Geruchssinn zuständig ist, als erstes von Alzheimer betroffen ist. Wenn sich bei Ihrem Test also eine größere Differenz bei der Messung herausstellt, sollten Sie sich ärztlich auf Ihr Demenzrisiko untersuchen lassen.

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