Was weiß mein Smartphone über mein Herz?

Phyllis Kuhn

Eine neu entwickelte App ist in der Lage, mit hoher Genauigkeit Vorhofflimmern zu erkennen. Zahlreiche Schlaganfälle könnten durch früher Erkennung einer Herzrhythmusstörung verhindert werden.

Normalerweise gilt: Halten Sie eine gesunde Distanz zu ihrem Smartphone. In diesem Fall raten wir aber ausdrücklich dazu, sich das Handy auf die Brust zu legen. Ihr Smartphone kann jetzt nämlich auch kardiologische Untersuchungen ausführen – ganz einfach und zuverlässig mithilfe einer App.

 

Smartphones werden zu Untersuchungsgeräten

Gesundheit-Apps für das Smartphone sind beliebt bei Handynutzern. Diät-Apps, Schrittzähler und Herzfrequenz-Messer nutzen die Sensoren der Smartphones, um den menschlichen Körper zu durchleuchten. So verwendet beispielsweise die Android-App „Instant Heart Rate“ die Kamera, um den Puls zu messen. Dabei durchleuchtet die Kamera eine Hautstelle am Zeigefinger, erkennt die Farbwerte und misst den Sauerstoffgehalt.

 

Neue App erkennt Kammerflimmern

Eine gerade auf dem Europäischen Kardiologen-Kongress in Rom vorgestellte App geht jetzt noch weiter: Die von Forschern der Universität Turku in Finnland entwickelte Anwendung kann durch Auflegen auf die Brust Vorhofflimmern (Atriale Fibrillation) nachweisen. Die Rhythmusstörung ist normalerweise nur schwer zu erkennen, da sie meist sporadisch auftritt. Daher müssen Patienten für ihren Nachweis meistens ein recht unbequemes Langzeit-EKG-Gerät mit sich führen. Dieses muss vom Patienten etwa 24 Stunden durchgehend getragen werden, der durchgehende Kontakt mit Elektroden an der Haut kann in Einzelfällen zu Hautirritation führen.

 

Handy auf der Brust statt Langzeit-EKG

Die von den finnischen Wissenschaftlern um Tero Koivisto entwickelte App kommt völlig ohne externe Hardware aus. Da moderne Smartphones sehr hochentwickelte und sensible Bewegungs- und Beschleunigungssensoren haben, sind sie in der Lage, feinste Flimmermuster im Herzschlag zu erkennen. Während der Messung soll der Anwender auf dem Rücken liegen und das Smartphone ruhig auf seiner Brust platzieren. Nach der Aufnahme der Herzbewegung wertet die App die Bewegungsmuster mit Hilfe eines lernfähigen Algorithmus aus. „Verschiedene Eigenschaften wie Autokorrelation und spektrale Entropie können von den gemessenen Daten gewonnen werden. Danach stellt der Algorithmus (KSVM) fest, ob der Patient an Vorhofflimmern leidet. Man bekommt dann von der App bezüglich der Herzrhythmusstörung eine einfache Ja- oder Nein-Antwort", erklärt Koivisto.

 

Preiswert und anwenderorientiert

Die App kann den Forschern zufolge eine preiswerte und nicht-invasive Alternative zur Langzeit-EKG-Messung sein und Anwendern schon einmal einen ersten Anhaltspunkt liefern, ohne dafür einen Arzt aufsuchen zu müssen. „Angesichts der großen Verbreitung von Smartphones hat unsere App das Potenzial, von vielen Menschen weltweit genutzt zu werden“, sagt Koivisto. Durch den frühzeitigen Nachweis von Vorhofflimmern könne außerdem das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden stark minimiert werden.

„Vorhofflimmern ist eine gefährliche Erkrankung, die zwei Prozent der Weltbevölkerung betrifft und für bis zu sieben Millionen Schlaganfälle pro Jahr verantwortlich ist“, erklärt Koivisto. Etwa 70 Prozent dieser Schlaganfälle könnten durch präventive Medikation verhindert werden.

In einer ersten Pilotstudie mit 40 Probanden, erkannte die App mit einer 95 prozentigen Treffsicherheit bereits diejenigen Patienten, die an nachgewiesenem Vorhoflimmern litten.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 30. August 2016

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