Was vergrößerte Lymphknoten bedeuten können

Dr. med. Nadine Hess

Ein fünfjähriges Kind hat einen seltsamen Knubbel am Hinterkopf. Was fehlt dem kleinen Patienten? Unsere Expertin Dr. Nadine Hess schildert einen Fall aus der Praxis und verrät, wie Eltern bei vergrößerten Lymphknoten reagieren sollten.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Vergrößerte Lymphknoten können sich auch an ungewöhnlichen Stellen wie dem Hinterkopf bilden.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Kürzlich suchte mich eine Mutter mit ihrer fünfjährigen Tochter auf. Der Frau war aufgefallen, dass das Kind am Hinterkopf nahe dem Übergang zum Nacken einen Knubbel hatte. Da sie fürchtete, es könnte sich um etwas Bösartiges handeln, war sie sehr besorgt. Bevor ich mir das Mädchen ansah, stellte ich der Mutter einige Fragen. Ich wollte wissen, ob das Kind an Gewicht abgenommen hatte und ob es mehr schwitzte als sonst, besonders nachts. Ein Zeichen dafür wäre, dass der Schlafanzug noch in der Nacht gewechselt werden musste. Außerdem fragte ich, ob das Mädchen schlapper als sonst oder blasser wirkte. Zuletzt wollte ich wissen, ob den Eltern sonst irgendwas Ungewöhnliches an ihrer Tochter aufgefallen war und wie lange der letzte Infekt her gewesen war.

 

Der Knubbel schien nicht bösartig zu sein

Die Mutter konnte alles verneinen, den letzten Infekt hatte das Kind etwa zwei Wochen gehabt, bevor der Knubbel aufgefallen war. Während des Infektes hatte das Mädchen Halsweh und eine erhöhte Temperatur über ein paar Tage gehabt, danach war es aber schnell wieder fit gewesen. All das beruhigte mich – wenn es sich um etwas Bösartiges gehandelt hätte, hätte die Mutter höchstwahrscheinlich eine oder mehrere der Fragen mit „Ja“ beantwortet. Als ich ihr das sagte, atmete sie auch erst einmal erleichtert durch.

Dann sah ich mir das Mädchen genau an. Es wirkte fit, war fröhlich sowie agil und kletterte flink auf die Untersuchungsliege. Herz, Lunge und Bauch waren in der Untersuchung völlig unauffällig, beim Abtasten war kein Organ im Bauchraum vergrößert, Schmerzen bestanden an keiner Stelle. Größe und Gewicht des Kindes hatte die Arzthelferin schon vorher bestimmt – seit der letzten Untersuchung, einer Vorsorge vier Monate zuvor, war das Mädchen weiter gewachsen und hatte auch an Gewicht zugenommen. Vergrößerte Lymphknoten fand ich außer am Hals im Kieferwinkel nirgends. Und auch diese waren auf beiden Seiten gleich groß und verschiebbar. Außerdem waren sie glatt begrenzt, hatten also eine Oberfläche ohne Huckel. Die Trommelfelle sahen gut aus, die Mandeln waren – wie in dem Alter häufig – recht groß, aber nicht gerötet oder auf sonst eine Art auffällig.

 

Das Kind hatte keine Schmerzen

Infektionen wie Erkältungen begünstigen Lymphknoten
Ein vergrößerter Lymphknoten kann besonders nach einer Infektion noch etwas länger bestehen. Häufig verschwindet er dann aber von allein.© Fotolia

Nun kam ich zu der Stelle am Hinterkopf, die der Mutter solche Sorgen bereitete. Es handelte sich um einen erbsengroßen Knubbel, der sich gut verschieben ließ – also nicht mit der Umgebung verwachsen war. Auch er war glatt begrenzt. Die Haut um den Knubbel herum war nicht gerötet und er tat der kleinen Patientin auch nicht weh. Für mich handelte es sich ganz klar auch um einen vergrößerten Lymphknoten, nur eben an einer ungewöhnlicheren Stelle.

Ich sagte der Mutter, sie solle den Knubbel regelmäßig, in diesem Fall alle zwei bis drei Wochen, mal abtasten. Dabei sollte sie darauf achten, ob er kleiner wurde oder stetig wuchs. Für den Moment würde ich sonst nichts weiter tun, was die Mutter auch zunächst beruhigte. Allerdings rief sie einige Zeit später erneut an und berichtete, der Knubbel sei zwar zwischendurch mal kleiner geworden, aber immer noch da. Es wäre ihr wohler, wenn wir weitere Untersuchungen machen könnten.

 

Vergrößerte Lymphknoten verschwinden häufig von alleine

Ehrlicherweise hielt ich das für nicht notwendig. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Knubbel kleiner geworden war – etwas Bösartiges wäre in der Regel langsam aber stetig weiter gewachsen. Aber ich respektierte, dass die Mutter offensichtlich eine größere Sicherheit brauchte. Wir nahmen dem Mädchen also Blut ab und machten einen Ultraschall. Weder das eine noch das andere ergab irgendwelche Hinweise auf einen bösartigen Prozess oder eine chronische Entzündung. Es handelte sich also wirklich nur um einen „reaktiv vergrößerten Lymphknoten“, nichts weiter. Meistens verschwindet ein solcher Lymphknoten nach einiger Zeit wieder von alleine. Manchmal kann es aber auch sein, dass er ein bisschen vergrößert bleibt und immer tastbar ist – doch auch das ist nicht schlimm und muss nicht behandelt werden.

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