Was tun gegen Angst? Wenn Angstzustände zur Krankheit werden

Bei Angststörung drehen sich die Gedanken nur noch um die Gefahr
Eine Angststörung kann jeden treffen. Wichtig ist, rechtzeitig etwas gegen die Angstzustände zu tun © Fotolia

Das Gefühl von Angst kennt jeder. Aber was passiert, wenn sie das Leben stark beeinträchtigt? Wie viel Angst ist normal? Erfahren Sie hier, wann Angststörungen chronisch werden, was Sie selbst gegen Angstzustände tun können und wie Ärzte dabei helfen.

Bei einer Angststörung kreisen die Gedanken permanent um eine möglicherweise bald eintretende Katastrophe: Krankheit, Arbeitslosigkeit oder einen Unglücksfall. Dabei hängt diese Form von Angst nicht mit einer konkreten Gefahr zusammen und ist deshalb für Außenstehende nur schwer nachzuvollziehen. Doch für die Betroffenen ist sie durchaus real und beklemmend.

 

Sorgen und Beklemmungen können sich zu einer Angststörung auswachsen

Laut einer Studie der Universität Dresden leidet jeder vierte Hausarztpatient unter einer Angststörung. "Die Zahl der Angsterkrankten ist in den letzten Jahren stetig angestiegen", berichtet auch Michaela Hombrecher von der Techniker Krankenkasse. "Und nicht nur das: Auch die Anzahl der Tage, die Betroffene aufgrund einer Angststörung bei der Arbeit krankgemeldet sind, ist gestiegen. Im letzten Jahr fehlten sie durchschnittlich 56 Tage."

Was genau eine Angststörung auslöst, ist nicht bekannt. Aber oft sind es äußere Umstände, die die Seele angreifen: Arbeitslosigkeit oder Trennung, Epidemien, schwere Unwetter. Dabei sind Frauen etwa doppelt so häufig von Angstzuständen betroffen wie Männer. Vor allem während der Menopause, wenn die Hormone verrücktspielen.

 

Die Angst zeigt sich bei jedem Betroffenen anders

Anfangs macht sich die Krankheit über körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsschwächen bemerkbar. Die Symptome sind vielfältig – und schwer einzuordnen. Hinzu kommt, dass sich Betroffene aus Scham oder Verdrängung oft nur mit ihren körperlichen Beschwerden an den Arzt wenden.

 

Angstzustände – was tun?

So dauert es im Schnitt sieben Jahre bis zur Diagnose. Das ist fatal, denn eine schnelle Behandlung ist wichtig für den Verlauf der Krankheit: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto schneller ist Besserung der Angst in Sicht. Und doch hat eine Studie ergeben, dass 60 Prozent aller Erkrankten keine Therapie in Anspruch nehmen. Das Risiko: Wenn die Angst länger andauert, verfestigt sie sich. Das kann dazu führen, dass Betroffene es irgendwann nicht mehr schaffen zu arbeiten oder auch nur das Haus zu verlassen. Ich kann daher nur jedem raten, etwas gegen die Angstzustände zu tun.

 

Prof. Siegfried Kasper ist Leiter der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien. Er gibt uns mehr Infos zur Krankheit Angst:

Was genau ist eigentlich Angst?

Jeder hat Angst. Normalerweise aber nur in Situationen, die auch wirklich gefährlich sind. Dann ist Angst sinnvoll und überlebenswichtig. In Gefahrensituationen versetzt sie unseren Körper in Alarmbereitschaft. Und sie bringt auch einen gewissen Kitzel ins Leben. Was wäre schließlich ein guter Krimi ohne ein bisschen Angst?

Wen kann eine Angststörung treffen?

Grundsätzlich jeden. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt bei 36 Jahren. Aber auch 16-jährige Teenager können darunter leiden. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Etwa 15 Prozent aller Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben an einer Angsterkrankung.

Wie wird man krank vor lauter Sorgen?

Ein Grund ist der Verlust von Sicherheiten. Ein fester Arbeitsplatz, die Ehe bis zum Lebensende. Das alles ist heute nicht mehr selbstverständlich. Angsterkrankte sind permanent in Sorge. Dabei ist der Anlass oft nachvollziehbar, das Ausmaß aber nicht. Die Angst schränkt Betroffene im Alltag ein, lässt sie leiden.

Wie behindert uns das im Alltag?

Bei jedem ist die Erkrankung anders ausgeprägt. Es kann beispielsweise sein, dass man sich im Büro ununterbrochen darüber sorgt, dass der Partner erkranken könnte oder einem Familienmitglied etwas zustößt. Die anliegende Arbeit ist dann nicht mehr zu schaffen.

Was kann man gegen Angstzustände tun? Wie können Ärzte helfen?

Es gibt psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsansätze, um Angstzustände in den Griff zu bekommen. Oft bringen Medikamente schon deutliche Linderung. Relativ neu ist ein pflanzliches Mittel mit hochkonzentriertem Lavendelöl: "Lasea". Es hilft, Ängste und kreisende Gedanken in den Griff zu bekommen, und hat weniger Nebenwirkungen als synthetische Arzneimittel. Aber auch bei rezeptfreien Mitteln gilt: Man sollte einen Arzt aufsuchen, der den Krankheitsverlauf im Blick behält und entscheidet, ob zusätzlich auch eine Psychotherapie notwendig ist.

 

Hier gibt es Hilfe

Grundlegende Informationen zum Beispiel unter www.angst-auskunft.de, www.panik-attacken.de oder bei der Deutschen Angst-Selbsthilfe (DASH): Telefonische Beratung unter Tel.: 02131 463847, Mo. 10 - 12 Uhr, Do. 16 - 18 Uhr, Beratung per E-Mail unter www.panik-attacken.de, "online-Beratung".

Wenn sie selbst betroffen sind, sollten sie unbedingt mit Ihrem Hausarzt sprechen. Er kann eine Diagnose stellen, Medikamente verschreiben oder eine Überweisung zur Therapie ausstellen. Kontakte zu Selbsthilfegruppen erhalten sie zum Beispiel unter www.angst-und-panik.de oder auch über die DASH.

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