Was tun bei Schleudertrauma?

Schleudertrauma durch Auffahrunfall
Ein Schleudertrauma wird häufig durch einen Auffahrunfall verursacht. Ein leichtes Schleudertrauma heilt ohne spezielle Therapie besser als durch Ruhigstellung © Fotolia

Die Ampel zeigt Rot, der Fahrer bremst, doch der Hintermann reagiert zu spät und fährt hinten auf. Folge: nicht nur Blechschaden, sondern starke Schmerzen im Kopf und Nacken. Praxisvita zeigt, wie Sie Spätfolgen verhindern können.

 

Schleudertrauma (Peitschenschlagverletzung)

Beim Schleudertrauma wird durch plötzliche Gewalteinwirkung (meist Auffahrunfall im Auto) der Kopf ruckartig (bei fehlender oder schlecht montierter Nackenstütze) erst nach hinten und dann nach vorn geschleudert – daher auch der Name Peitschenschlagverletzung. Früher ging man davon aus, dass dabei die Halswirbelsäule gestreckt wird. Das stimmt aber nicht. Der entscheidende Mechanismus ist die ruckartige horizontale Bewegung des Kopfes nach hinten. Dies führt zu einer Überlastung der Sehnen, Bänder und Gefäße im Bereich des Kopfes. Außerdem können, ähnlich wie bei Sportverletzungen, Muskelrisse entstehen. Besonders gefährdet ist die Wirbelsäule, wenn der Betroffene im Moment des Aufpralls zufällig den Kopf zur Seite gedreht hatte. Dabei kann es sogar zum Bandscheibenvorfall kommen. Nach jedem Auffahrunfall sollte vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden.

 

Ursachen, Symptome, Folgen eines Schleudertraumas

Zu einer Peitschenschlagverletzung kommt es vor allem, wenn der Aufprall überraschend kommt: Ist das abrupte Stoppen nämlich rechtzeitig absehbar, spannt der Mensch seine Halsmuskulatur intuitiv an und kann so die Weichteile vor Überdehnung schützen.

Ein Auffahrunfall bietet die ,,Paradesituation” für eine unvorhergesehene Gewalteinwirkung, da den Betroffenen keine Zeit bleibt, die Muskulatur rechtzeitig anzuspannen.

Zu den charakteristischen Symptomen eines Schleudertraumas gehören Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich, Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Gedächtnis-, Konzentrations- und Gefühlsstörungen, die bis in den Arm ausstrahlen können.

Was oft als Bagatellverletzung angesehen wird, kann 40-60 Prozent der Betroffenen über Monate quälen, ja sogar arbeitsunfähig machen. Sie können ihren Kopf nicht mehr bewegen, sind auf Hilfe angewiesen, können nicht einmal mehr allein duschen, sich anziehen oder sich die Schuhe zubinden.

Mitschuld an den unerträglichen Schmerzen und Dauerbeschwerden ist oft ein Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke in der Halswirbelsäule.

Frauen sind von diesen Problemen dreimal so häufig betroffen wie Männer, weil die Natur sie mit einer schwächeren Haltemuskulatur ausgestattet hat.

 

Bei Schleudertrauma immer zum Arzt

Bei einem Schleudertrauma sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn die Schmerzen als nicht besonders schlimm eingestuft werden. Auch ganz ohne Beschwerden sollten Sie sich nach einem Auffahrunfall immer beim Arzt vergewissern, dass keine Schädigungen eingetreten sind. Es kommt nämlich oft vor, dass die Symptome erst nach Stunden oder Tagen in Erscheinung treten.

Was tun beim Unfall – Spätschäden vorbeugen

Um späteren Auseinandersetzungen mit den Versicherungen vorzubeugen: Fotografieren Sie die Unfallstelle (Übersichtsaufnahmen von allen Seiten). Fotografieren Sie auch die Sitzeinstellung und Kopfstützeneinstellung sowie Schäden oder Brüche am Sitz. Besorgen Sie sich für das Handschuhfach einen Unfallbericht Ihres Versicherers, den Sie nach einem Unfall gemeinsam mit dem Unfallgegner ausfüllen können (kein Schuldanerkenntnis). Rufen Sie bei Unklarheiten die Polizei. Bei Verletzungen oder Beschwerden der Halswirbelsäule sollten Sie umgehend einen Unfall- oder Facharzt aufsuchen.

 

Behandlung eines Schleudertraumas

Ein leichtes Schleudertrauma heilt ohne spezielle Behandlung besser als durch Ruhigstellung. Bei schwereren Verletzungen wird üblicherweise eine Halskrause angelegt. Zusätzlich werden heute krankengymnastische Übungen, kombiniert mit Wärmeanwendungen, schon am Anfang der Behandlung eingesetzt, um die Heilung zu beschleunigen und die Halsmuskeln zu stärken. Bei stärkeren Schmerzen bekommt der Patient Injektionen mit lokalen Betäubungsmitteln, um die Krankengymnastik besser auszuhalten. Nur in seltenen Fällen muss operiert werden.

 

Halskrause ja, aber nur kurz

Nach einem Schleudertrauma wird die Halswirbelsäule oft wochen- bis monatelang mit einer Halskrause ruhiggestellt. Doch diese Behandlung hat sich oft als falsch erwiesen, weil sie zu einer Schwächung der Muskeln der Halswirbelsäule führt. Außerdem erhöht sie durch den ständigen Hautreiz die Muskelspannung und provoziert so eine Zwangshaltung mit schmerzhaften Verspannungen. Die Experten empfehlen daher heute: Wenn Halskrause, dann nur für 1 bis 2 Wochen.

 

Therapie gegen Dauerschmerz

In Australien wurde diese Methode erfolgreich getestet: Die Halsbereiche, aus denen die Schmerzsignale kommen, werden mit Elektroden behandelt. Danach sind 75 Prozent aller Patienten schmerzfrei.

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