Angst vor Spritzen – was tun? So überwinden Sie die Phobie!

Redaktion PraxisVITA

Spitze Nadeln in die Haut gestochen zu bekommen, mag vermutlich niemand so richtig. Wenn jedoch die Angst vor Spritzen so stark ist, dass sie Panik auslöst, ist Handeln angesagt. Diese Tricks helfen, die Spritzenphobie zu überwinden.

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Nicht nur Kinder haben panische Angst vor Spritzen

Die Aussicht darauf, von einer Metallnadel gestochen zu werden, freut wohl niemanden. Gerade Kinder entwickeln häufig eine starke Angst vor Spritzen. Und auch für viele Erwachsene stellen Spritzen beim Blutabnehmen oder einer Impfung eine schier unüberwindbare Hürde dar. Dann handelt es sich um eine Spritzenphobie (Trypanophobie). Diese kann sich nicht nur in Weinen und Angstzuständen ausdrücken, sondern auch zu körperlichen Reaktionen wie einem Kreislaufkollaps beim Anblick der Nadel führen.

Die Ursache dahinter ist eine sogenannte vasovagale Reaktion. Diese bezeichnet einen Reflex, der auftritt, wenn der Körper durch bestimmte Auslöser (Trigger), etwa dem Anblick von Nadeln oder Blut, überreagiert. Dabei werden Nerven im Gehirn stimuliert, die den Herzschlag verlangsamen und den Blutdruck innerhalb kurzer Zeit absinken lassen. Die Folge: Schwindel, Hitzewallungen, Blässe oder eine Ohnmacht. Noch ist wenig erforscht, welche Gruppen von Menschen besonders dazu neigen, bei dem Anblick von Spritzen mit einem Absinken des Blutdrucks zu reagieren.

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Spritzenphobie bei Kindern

Viele Eltern sorgen sich verständlicherweise um ihre Kinder. Dabei ist die vasovagale Reaktion an sich nicht gefährlich. Gerade bei sensiblen Kindern tritt sie häufiger auf und legt sich normalerweise im Jugend- und Erwachsenenalter. In Einzelfällen kann die Furcht vor der Spritze aber auch zum Gesundheitsrisiko werden. Nämlich dann, wenn Kinder aus Angst vor dem Arztbesuch Beschwerden verheimlichen oder vor jedem Impftermin in Panik ausbrechen.

 

Angst vor Spritzen: Problem bei Impfung und Blutabnehmen

Auch von Erwachsenen, die aus Angst vor der Spritze seit Jahren nicht zum Zahnarzt gehen oder sogar lebenswichtige Operationen aufschieben, hört man immer wieder. Problematisch und potentiell gesundheitsgefährdend wird die Angst vor Spritzen auch dann, wenn sie Betroffene daran hindert, notwendige Schutzimpfungen vorzunehmen oder sich Blut zur Abklärung von möglichen Erkrankungen abnehmen zu lassen.

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Betäubungsmittel und Beruhigungsmittel vor Blutabnahme

Besonders Blutabnahmen lösen schiere Panik bei Betroffenen aus, da es nicht mit einem Piks getan ist und sich die Nadel länger im Körper befindet. Die Angst vor Spritzen verbindet sich dann oft mit einer Angst vor Blut (Hämatophobie).

Dabei muss man den Schmerz der eindringenden Nadel gar nicht ertragen. Beim Blutabnehmen können für Kinder sogenannte Butterfly-Nadeln angewendet werden. Diese sind dünner und weniger schmerzhaft. Auch lokale Betäubungsmittel, die vorher auf die Einstichstelle aufgetragen werden, dämpfen den Schmerz und den häufig als unangenehm empfundenen Druck der Nadel erheblich ab.

Falls es trotzdem schon im Vorfeld des Arzttermins zu Panikreaktionen kommt, ermöglichen leichte Beruhigungsmittel das Blutabnehmen. Allerdings sollten diese nur im äußersten Fall angewendet werden.

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Was tun bei Spritzenphobie? So überwinden Sie die Angst

Wenn Sie Angst vor Spritzen haben, hilft häufig schon ein Gespräch mit der behandelnden Ärzt:in. Erklären Sie ihr die besondere Situation, sie wird sicherlich nicht das erste Mal mit diesem Problem konfrontiert sein. Daneben gibt es viele Möglichkeiten, die Spritzenphobie in den Griff zu bekommen:

  • Um den abfallenden Blutdruck in den Griff zu bekommen, kann die sogenannte „Angewandte Anspannung“ („Applied Tension“) helfen. Dabei werden vor der Behandlung für 15-20 Sekunden alle Muskeln im Körper angespannt. Danach werden die Muskeln im Zeitraum von 20-30 Sekunden langsam wieder entspannt. Dadurch erhöht sich der Blutdruck und der Kreislauf sackt nicht so schnell ab.
  • Eine einfache Methode, um das Schmerzgefühl zu dämpfen, ist es, die Luft beim Einstich anzuhalten. Denn dadurch sinkt die Herzfrequenz, was wiederum die Schmerzwahrnehmung reduziert.
  • Betroffene haben oft Angst vor Verletzungen während des Einstichs, etwa weil die Venen nicht gut sichtbar sind. Man kann sich diese Angst nehmen, indem man dafür sorgt, dass die Venen stärker hervortreten. Das gelingt, indem Sie den Arm warmhalten und pumpende Bewegungen mit der Hand machen.
  • Während des Vorgangs hilft nur hinlegen, sich ablenken und bloß nicht hinsehen. Viele Ärzte oder Sprechstundenhilfen, die bereits mit dem Problem vertraut sind, beginnen häufig mit Absicht ein ablenkendes Gespräch und stellen viele Fragen, die den Patienten dann mit anderen Themen beschäftigen.
  • Wenn all diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen und sich der Anblick einer Nadel zum Trauma entwickelt hat, kann langfristig nur eine Psychotherapie Abhilfe schaffen.

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Angst vor Spritzen: Können Homöopathie und Heilpflanzen helfen?

Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen können Homöopathika angewendet werden. Die Wirkstoffe sind stark verdünnt und werden meist als Globuli mehrmals täglich über mehrere Wochen und Monate eingenommen. Das Mittel der Wahl und die Dosierung sollte stets mit einer homöopathisch ausgebildeten Person abgesprochen werden. Daneben können auch Präparate mit Lavendel, Baldrian oder Hopfen beruhigend wirken und so die Angst vor Spritzen reduzieren.

Quelle:

Behandlung der Blut-, Spritzen- und Verletzungsphobie, in: Max-Planck-Institut für Psychiatrie

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