Was tun bei panischer Angst vor Spritzen?

Phyllis Kuhn
Spritze
Bei vielen Menschen löst schon der bloße Anblick einer Spritze Panik aus. PraxisVITA verrät Tipps, mit denen Sie Ihre Angst vor Spritzen in den Griff kriegen © Alamy

Spitze Nadeln in die Haut gestochen zu bekommen, mag vermutlich niemand so richtig. Wenn jeder Arztbesuch jedoch Panikattacken mit sich bringt, ist Handeln angesagt. Diese Tricks helfen, mit den bedrohlich wirkenden Nadeln besser klarzukommen.

Blutabnehmen, Impfungen, Spritzen – die Aussicht darauf, von einer Metallnadel gestochen zu werden, freut wohl niemanden. Gerade Kinder entwickeln jedoch häufig eine regelrechte Aversion vor Spritzen jeder Art. Das kann sich nicht nur in Weinen und Angstzuständen ausdrücken, sondern auch zu körperlichen Reaktionen wie einem Kreislaufkollaps beim Anblick der Nadel führen. Die Ursache dahinter ist eine sogenannte vasovagale Reaktion. Diese bezeichnet einen Reflex, der auftritt, wenn der Körper durch bestimmte Auslöser (Trigger), etwa dem Anblick von Nadeln oder Blut, überreagiert. Dabei werden Nerven im Gehirn stimuliert, die den Herzschlag verlangsamen und den Blutdruck innerhalb kurzer Zeit absenken lassen. Die Folge: Schwindel, Hitzewallungen, Blässe oder eine Ohnmacht.

 

Angst vor der Spritze kann zur Phobie werden

Viele Eltern sorgen sich deshalb verständlicherweise um ihre Kinder. Dabei ist die vasovagale Reaktion an sich nicht gefährlich. Gerade bei sensiblen Kindern tritt sie häufiger auf und verwächst sich normalerweise beim Heranwachsen. In Einzelfällen kann die Furcht vor der Spritze aber auch zum Gesundheitsrisiko werden. Nämlich dann wenn Kinder aus Angst vor dem Arztbesuch Beschwerden verheimlichen oder vor jedem Impftermin in Panik ausbrechen. Auch von Erwachsenen, die aus Angst vor der Spritze seit Jahren nicht zum Zahnarzt gehen oder sogar lebenswichtige Operationen aufschieben, hört man immer wieder. Noch ist wenig erforscht, welche Gruppen von Menschen besonders dazu neigen, bei dem Anblick von Spritzen mit einem Absinken des Blutdrucks zu reagieren. Wer selbst dazu gehört oder dieses Verhalten bei seinem Kind beobachtet, kann jedoch Techniken anwenden, um die Panik vor der Nadel in den Griff zu kriegen.

 

Diese Maßnahmen helfen

Häufig hilft schon ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Erklären Sie ihm die besondere Situation, er wird sicherlich nicht das erste Mal mit diesem Problem konfrontiert sein. Dabei muss man die scherzhafte Spritze gar nicht ungeschützt ertragen. Beim Blutabnehmen können für Kinder sogenannte Butterfly-Nadeln angewendet werden. Diese sind dünner und weniger schmerzhaft. Auch lokale Betäubungsmittel, die vorher auf die Einstichstelle aufgetragen werden, dämpfen den Schmerz und den häufig als unangenehme empfunden Druck der Nadel erheblich ab.

Falls es trotzdem schon im Vorfeld des Arzttermins zu Panikreaktionen kommt, helfen leichte Beruhigungsmittel. Bei Kindern können pflanzliche Präparate angewendet werden, das sollte aber vorher mit dem Kinderarzt abgesprochen werden, um Wechselwirkungen auszuschließen.

 

Auch der Arzt kann helfen

Während des Vorgangs hilft nur hinlegen, sich ablenken und bloß nicht hinsehen. Viele Ärzte oder Sprechstundenhilfen, die bereits mit dem Problem vertraut sind, beginnen häufig mit Absicht ein ablenkendes Gespräch und stellen viele Fragen, die den Patienten dann mit anderen Themen beschäftigen.

 

Dem Blutdruck auf die Sprünge helfen

Um außerdem den abfallenden Blutdruck in den Griff zu bekommen, kann die sogenannte „Angewandte Anspannung“ („Applied Tension“) helfen. Dabei werden vor der Behandlung für 15-20 Sekunden alle Muskeln im Körper angespannt. Danach werden die Muskeln im Zeitraum von 20-30 Sekunden langsam wieder entspannt. Dadurch erhöht sich der Blutdruck und der Kreislauf sackt nicht so schnell ab.

Wenn all diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen und sich der Anblick einer Nadel zum Trauma entwickelt hat, hilft langfristig nur eine Psychotherapie.

Hamburg, 1. Oktober 2016

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