Was tun bei einem Zeckenbiss?

Redaktion PraxisVITA
Kinderärztin Dr. Nadine Hess verrät, was bei einem Zeckenbiss zu tun ist
Expertin Dr. Hess: „Je eher man die Zecke entfernt, desto weniger Zeit bleibt ihr, Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu übertragen“ © privat

So langsam beginnt die Saison wieder – Kinder mit Zeckenbissen kommen in die Praxis. Im ersten Moment ist das immer eine unangenehme Situation – es hat sich etwas „an einem festgebissen“, was man dort definitiv nicht haben möchte.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Aber die Entfernung geht schnell und schmerzfrei, wenn man weiß, worauf man achten muss. Zeckenbiss was tun? Was muss man machen, um eine Zecke zu entfernen? Und was sollte man unbedingt unterlassen? Was sind Hinweise für eine Infektion mit Borrelien und wie war das noch mal mit der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis?

 

Immer den ganzen Körper nach Zecken absuchen

Zecken gehören zur Gattung der Spinnentiere und ernähren sich als Parasiten vom Blut von Säugetieren. Sie verharren im Gras und Unterholzbereich bis ihr Opfer vorbeikommt und saugen sich dann an Körperstellen fest, wo sie relativ sicher verweilen können – gerne ich den Achselhöhlen, im Bereich des Bauchnabels oder in der Leistenregion. Grundsätzlich sollte man aber den ganzen Körper nach Zecken ansehen, wenn man nach einer Zecke sucht. Erst, wenn sie genug Blut gesaugt hat, was bis zu zwei Wochen dauern kann, lässt sie von alleine von ihrem Opfer ab. Bis dahin können die Zecken eine beträchtliche Größe erreichen, so dass man sie normalerweise bereits vorher entdeckt.

 

Zecke entfernen – so wird’s gemacht

Nach Spaziergang in Zeckengebieten den Körper sofort auf Zecken untersuchen
Nach einem Spaziergang in einem Zeckengebiet sollten Sie Ihren Körper und den Ihres Kindes nach Zecken absuchen© Fotolia

Das wichtigste, was Sie nach einem Zeckenbiss tun sollten, ist die Zecke zu entfernen. Man kann das Spinnentier einfach mit einer Zeckenzange (bekommt man in der Apotheke) oder einer Pinzette entfernen. Packen Sie dazu die Zecke fest unterhalb des Körpers und wackeln oder drehen Sie vorsichtig ein bisschen hin und her und ziehen Sie anschließend. Durch das Wackeln lockern sich die Widerhaken und die Zecke lässt los. Hat man beides nicht zur Hand, kann man auch ein Wattestäbchen nehmen und damit im oder gegen den Uhrzeigersinn immer wieder um die Zecke fahren – irgendwann wird die Zecke auch dann „loslassen“ oder man fasst die Zecke vorsichtig mit den Fingernägeln unterhalb des Körpers und zieht langsam. Anschließend sollte eine sorgfältige Desinfektion der Bissstelle erfolgen. Falls Sie nicht alle Teile der Zecke entfernen konnten und der Stechapparat beispielsweise noch zum Teil in der Haut steckt, ist das nicht so schlimm. Nach einiger Zeit wird er von allein rausfallen. Im Zweifel zeigen Sie die Stelle aber lieber einem Arzt. Keinesfalls sollten Sie die Zecke mit Öl, Benzin, Nagellackentferner oder anderen Lösungen tränken. Die Wahrscheinlichkeit einer anschließenden Infektion erhöht sich dadurch.

 

Zecke so schnell wie möglich entfernen

Je eher man die Zecke entfernt, desto weniger Zeit bleibt ihr, Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu übertragen. Darum ist es sinnvoll, wenn man einen Spaziergang in einem Zeckengebiet gemacht oder Gartenarbeit erledigt hat, abends den Körper nach Zecken abzusuchen. Durch das Tragen langer Hosen und hoher Stiefel kann man sich zu einem gewissen Grad schützen, das Gleiche gilt für Präparate (z. B. Soventol Protect Intensiv-Schutzspray zur Zeckenabwehr, rezeptfrei, Apotheke), die einen Zecken-abwehrenden Stoff enthalten. Ganz verhindern kann man einen Zeckenbiss damit aber nicht unbedingt.

 

Borrelien kommen überall vor

Die Haupterreger, die Zecken übertragen können, sind Borrelien und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, eine Viruserkrankung, gegen die es – wenn sie einmal ausgebrochen ist – kein Medikament gibt. Allerdings kann eine Impfung schützen, Impfstoffe sind bereits ab einem Jahr zugelassen. FSME kommt nicht überall vor, Norddeutschland ist beispielsweise weitestgehend frei, wohingegen in Süddeutschland viele Gebiete von Zecken befallen sind. Im Internet gibt es mehrere Seiten, die genau aufzeigen, welche Bereiche in Deutschland und Europa besonders von FSME betroffen sind. Borrelien hingegen sind Bakterien, die überall vorkommen können – anders als das FSME-Virus.

 

Nach Zeckenbiss auf Hautrötungen achten

Borrelien können unterschiedliche Symptome auslösen – je nachdem, wie lange die Infektion zurückliegt. Als erstes kommt es einige Wochen nach Infektion zu einer ringförmigen Rötung um die ehemalige Zeckenbissstelle. Hatten Sie einen Zeckenbiss, untersuchen Sie Ihre Haut danach regelmäßig auf ungewöhnliche Rötungen. Desweiteren kann es zu Hirnhautentzündungen, Lähmungen von Gesichtsnerven, Muskelentzündungen, Gelenkbeschwerden und Gehirnentzündungen kommen. Oft wird aber die ringförmige Rötung schnell genug entdeckt und es kann wirksam mit einem Antibiotikum über drei Wochen behandelt werden. Ist man unsicher, ob eine Infektion vorliegt, kann man auch vier bis sechs Wochen nach dem Zeckenbiss eine Blutuntersuchung vornehmen. Früher macht es keinen Sinn, da es einige Zeit dauert, bis der Körper die Antikörper gegen Borrelien gebildet hat. Stellt man dann eine Infektion fest, ist es immer noch früh genug, um zu behandeln und Schaden abzuwenden.

Grundsätzlich kann man auch die Zecke selbst nach der Entfernung ins Labor einschicken und mittels einer PCR-Untersuchung auf eine Infektion mit Borrelien untersuchen. Allerdings zahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese mit etwa 100 € recht teure Untersuchung nicht.

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