Was steckt hinter der Paleo-Diät?

Obst
Wer isst, was unsere Vorfahren aus der Steinzeit verzehrten, lebt gesünder – so die Befürworter der Paleo-Diät © Fotolia

Die Lehre der Paleo-Diät besagt, dass es am gesündesten ist, sich nur von dem zu ernähren, was unsere jagenden und sammelnden Vorfahren schon zur Verfügung hatten. Was ist dran an dieser Theorie? Praxisvita hat die Antworten.

Menschen, die sich nach der sogenannten Paleo-Diät oder Steinzeitdiät ernähren, essen nur, was unseren Vorfahren in der Altsteinzeit schon zugänglich war – bevor die Menschen mit Viehzucht und Ackerbau begannen. Das ist: Wildfleisch, Eier, Fisch und Meeresfrüchte, Obst, Gemüse, Nüsse, Kräuter, Pilze und Honig. Anhänger der Paleo-Diät meiden Milch- und Getreideprodukte, Zucker, Alkohol, Hülsenfrüchte sowie industriell verarbeitete Lebensmittel.

 

Das steckt hinter der Paleo-Diät

Der US-amerikanische Arzt Boyd Eaton machte die Idee der Paleo-Diät 1985 mit einem viel beachteten Aufsatz im New England Journal of Medicine bekannt. Seitdem wird die Ernährungsform stark diskutiert. In den 1990-er Jahren wurde der US-Wissenschaftler Dr. Loren Cordain zum berühmtesten Verfechter der Paleo-Diät.

Die Grundidee: Der Mensch hat sich genetisch an das Nahrungsangebot der Altsteinzeit angepasst und hatte in dem relativ kurzen Zeitraum seither (10.000-20.000 Jahre) nicht genügend Zeit, sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Die Folge sind sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Veronica Ferres
Veronica Ferres ernährt sich nach der Paleo-Diät© Corbis
 

Umstrittene Theorie der Paleo-Diät

Die Paleo-Diät gilt als erfolgversprechende Diätform – Stars wie Veronica Ferres, Miley Cyrus, Tom Jones und Matthew McConaughey schwören darauf. Wer auf Burger und zuckerhaltige Lebensmittel verzichtet, hat tatsächlich gute Chancen, abzunehmen. Und nicht nur das: Das Risiko für Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt. Doch hat das wirklich etwas mit der Steinzeit zu tun? Wissenschaftler verschiedener Zweige zweifeln diesen Zusammenhang an.

 

Die Thesen der Paleo-Diät-Befürworter – und die Antworten aus der Wissenschaft

These: Das menschliche Erbgut hat sich seit der Altsteinzeit nicht verändert und ist somit an die damalige Ernährung angepasst.

Das sagt die Wissenschaft: Das Gegenteil ist erwiesen. Wissenschaftler haben rund 700 genetische Veränderungen des menschlichen Erbguts nachgewiesen, die in den letzten 10.000 Jahren stattgefunden haben. Dazu gehört die Entwicklung von Genen, die mit der Laktosetoleranz und dem Stoffwechsel von Alkohol und Kohlenhydraten in Verbindung gebracht werden.

These: Die Menschen der Altsteinzeit waren größer und gesünder als die anderer Epochen.

Das sagt die Wissenschaft: Diese Aussage kann anhand von Knochenfunden nicht ausreichend belegt werden. Genauso wenig lässt sich belegen, wie die Ernährung der Steinzeitmenschen wirklich aussah. Die Rede ist von einer rund zwei Millionen Jahre andauernden Epoche, in der die Menschen an Orten mit höchst unterschiedlichen Gegebenheiten lebten. Je nach Region hatten die Menschen beispielsweise viel oder wenig Fisch und Meeresfrüchte zur Verfügung.

These: Heutige Jäger und Sammler leiden seltener unter Zivilisationskrankheiten.

Das sagt die Wissenschaft: Die Ernährung der Menschen, die heute noch vom Jagen und Sammeln leben, ist sehr unterschiedlich und kann so nicht auf eine Formel gebracht werden. Manche Völker wie die Inuit in Grönland ernähren sich hauptsächlich von Fisch und Fleisch. Einige Nomadenvölker ernähren sich wiederum größtenteils von Milchprodukten, was der Lehre der Steinzeitdiät widerspricht.

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