Was sind Helikopter-Eltern?

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Was sind Helikopter-Eltern genau? Sie kreisen wie Fluggeräte ständig um den Nachwuchs. Diese sind überfürsorglich und wollen nur das Beste für das Kind. Das kann jedoch zu viel sein.

Junger Familienvater spielt mit seinem Baby
Die Grenze zwischen echter Fürsorge und Übertreibung ist schmal Foto:  iStock/franckreporter

Helikopter-Eltern haben keinen guten Ruf. Ihnen wird nachgesagt, das Kind zu sehr zu behüten, alles abzunehmen und das Leben des Nachwuchses perfekt durchzuplanen. Die Grenze zwischen echter Fürsorge und Übertreibung ist schmal.

 

Was genau sind Helikopter-Eltern?

Bei der Antwort auf die Frage „Was sind Helikopter-Eltern?“ hilft ein afrikanisches Sprichwort. Es besagt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Kinder verschiedene Einflüsse benötigen, um eine gute sozial-emotionale Entwicklung durchzumachen. Für Helikopter-Eltern wäre das unvorstellbar, denn diese sind der Ansicht, dass nur sie allein wissen, was gut für ihr Kind ist. Sie entscheiden, was das Kind wann macht und wollen dabei natürlich nur das Beste. Das wollen zwar alle Eltern, doch Helikopter-Mütter und Helikopter-Väter übertreiben es dabei.

Und was bedeutet der Begriff Helikopter-Eltern? Helikopter-Eltern kreisen wie Helikopter ständig über ihrem Kind, lassen es nur ungern aus den Augen und tun alles, damit dem Nachwuchs ja nichts Böses geschieht.

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Beispiele für Helikopter-Eltern

Kaum jemand, der nicht schon einmal mit Helikopter-Eltern Kontakt hatte oder davon gelesen hat. Denn die Extremfälle landen auch in den Medien. Da ist der Helikopter-Vater, der vor Gericht zieht, weil er mit dem Kind auf Klassenfahrt fahren will oder die Schwangere, die vor dem ersten Treffen mit der Hebamme ein Foto verlangt, weil ihr Kind einen Anspruch auf Ästhetik habe.

Dagegen ist die Helikopter-Mutter, die ihr Kind mit dem Auto bis exakt vor die Schultür fährt, fast schon harmlos. Oder der Helikopter-Vater, der dem Sohn die Sporttasche bis in die Umkleide trägt.

Doch warum reagieren Eltern so? In erster Linie liegt es laut Psychiatern wohl am eigenen Selbstwertgefühl. Das ist bei Helikopter-Eltern oftmals nicht ausreichend ausgeprägt. Die schulischen und sportlichen Leistung der Kinder sind für sie Maßstab des Erziehungserfolges und somit Balsam für das eigene Ego.

 

Wieso können Helikopter-Eltern ihren Kindern schaden?

Vor allem bei Erzieherinnen, Kinderärzten und Lehrern haben Helikopter-Eltern einen schlechten Ruf. Gerade Experten sehen das überfürsorgliche Verhalten von Eltern kritisch. Die Kinder lernen, dass Vater und Mutter alles regeln und verlassen sich darauf. Und zwar dauerhaft. Erwachsen werden? Warum denn? Kinder von Helikopter-Eltern sind oftmals unselbstständig, verwöhnt, unreif und überlastet. Letzteres liegt vor allem daran, dass die Eltern die Freizeit der Kinder komplett verplanen.

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Helikopter-Eltern nehmen zu

Zudem beklagen Erziehungsexperten, dass das Phänomen der Helikopter-Eltern in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Die Ursachen liegen vermutlich im gesellschaftlichen und demografischen Wandel. Immer mehr Familien leben in der Stadt. Das Stadtleben wird von Eltern oft als Gefahr angesehen, weshalb Stadtkinder selten allein etwas unternehmen dürfen. Landkinder genießen auch heute noch mehr Freiheiten. Hinzu kommt ein immer stärker werdender Leistungsdruck in der Gesellschaft.

Helikopter-Eltern wollen ihr Kind bestmöglich auf das spätere Leben vorbereiten – sie vergessen dabei aber, dass Hindernisse auf diesem Weg dazugehören, damit der Nachwuchs aus Fehlern lernen kann. Das können ihm Helikopter-Eltern nicht abnehmen.

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Quellen:

  • Juul, Jesper (2007): Die kompetente Familie. Neue Werte in der Erziehung, München: Kösel Verlag.
  • Kraus, Josef (2015): Helikopter-Eltern: Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung, Hamburg, Rowohlt Verlag.
  • Loewit, Günther (2016): Wir schaffen die Kindheit ab! Helikoptereltern, Förderwahn und Tyrannenkinder, Innsbruck: Haymon Verlag.
  • Winterhoff, Michael (2011): Lasst Kinder wieder Kinder sein! Oder: Die Rückkehr zur Intuition, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
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