Was sind eigentlich Frutarier?

Redaktion PraxisVITA
Verschiedene Nüsse und Früchte liegen auf einem Tisch
Auf dem Speiseplan eines Furtariers stehen an erster Stelle Obst und Nüsse. © iStock/icetocker
Inhalt
  1. Was sind Frutarier?
  2. Was genau essen Frutarier?
  3. Frutarier: Die Motive 
  4. Wie gesund leben Frutarier?
  5. Fazit

Im Vergleich zu Frutariern fällt der Speiseplan von Veganern geradezu fürstlich aus. Frutarier ernähren sich ausschließlich von Obst und Nüssen. Die Gefahr einer Mangelernährung ist groß. PraxisVita erklärt, was es mit dieser Ernährungsform auf sich hat.

 

Was sind Frutarier?

„Frutarier“ ist ein eingedeutschtes Kunstwort. Es setzt sich aus den Begriffen „fruit“ (englisch: Obst) und „Vegetarier“ zusammen. Frutarier werden auch als Fruitarier, Fruganer, Frutaner beziehungsweise Fruitaner bezeichnet. Sie befolgen noch strengere Ernährungsregeln als Veganer. „Frutarier essen keine Produkte, bei deren Ernte eine Pflanze sterben muss. Daher beschränken sie sich auf das, was Pflanzen von sich hergeben, wie Obst, Tomaten, Bohnen, Nüsse und Samen“, definiert der Verein ProVeg Deutschland (ehemals Vegetarierbund Deutschland) auf Nachfrage von PraxisVita den Begriff. Frutarier verzichten also auf jene Teile der Pflanze, durch deren Ernte diese absterben würde. Dazu gehört Gemüse wie Kartoffeln, Karotten, Blattsalat oder Lauch. Bei dieser Ernährungsweise handelt es sich um ein Nischenphänomen. ProVeg geht für Deutschland von 7,8 Millionen vegetarisch und 1,3 Millionen vegan lebenden Menschen aus. Der Anteil der Frutarier an dieser Gesamtzahl könne nur geschätzt werden. 

 

Was genau essen Frutarier?

Der Fruitarismus (auch: Fruganismus) kennt diverse Spielarten. Anhänger einer extremen Auslegung sehen sogar den Akt des Obstpflückens als verwerflich an. Sie ernähren sich ausschließlich von Fallobst. Manche Frutarier essen Getreide, da die Pflanze zum Zeitpunkt der Ernte bereits abgestorben ist. Andere lehnen den Verzehr von Samen ab, da dadurch das Entstehen einer neuen Pflanze verhindert wird. Umstritten ist neben dem Essen von Sprossen auch der Konsum der Früchte von Gemüsepflanzen. Darunter fallen Auberginen, Gurken und Tomaten. Bei diesen „Früchten“ handelt es sich je nach Definition schlicht um essbare Teile der Pflanze oder um die Früchte einjähriger Pflanzen (Obst stammt von mehrjährigen Pflanzen). Als Faustregel wird oft folgende Ratio bei der Frutarier-Ernährung genannt: 75 Prozent Obst, 25 Prozent Nüsse oder Samen. Bei Frutariern hat die Kokosnuss oft einen festen Platz auf dem Speiseplan. Bei ihr handelt es sich nicht um eine echte Nuss, sondern um die Frucht der Kokospalme. Frutarier nehmen zudem meist nur Rohkost zu sich. 

Frische Kirschen auf einem Holztisch
Zu Fallobst gehören neben Kirschen auch Äpfel, Birnen, Pflaumen, Quitten, Mirabellen etc. Da der Baum die Früchte freiwillig abwürft, beschädigen Frutarier dadurch nicht die Pflanze oder nehmen ihr etwas weg. © iStock/karandaev
 

Frutarier: Die Motive 

Fruitarismus kann diverse Ziele verfolgen. Anhänger sprechen nicht nur Tieren, sondern auch Pflanzen Rechte zu, die der Mensch nicht verletzten sollte. Hier wird in Anlehnung an Menschenrechte und Tierrechte von Pflanzenrechten gesprochen. Dieser Sichtweise folgend wäre es moralisch verwerflich, die Existenz von Pflanzen für die eigene Ernährung zu vernichten. Mahatma Gandhi (1869–1948) experimentierte kurze Zeit mit einem Dasein als Frutarier. Er nahm zeitweise sogar nur getrocknetes Obst zu sich, kehrte aber wegen gesundheitlicher Bedenken zur vegetarischen Ernährung zurück. Dezidiert spirituelle oder religiöse Gründe können ebenfalls zum Fruitarismus führen. Ferner spielen meist Umweltschutzgründe eine Rolle. Denn dieser Lebensstil soll den schädlichen Folgen durch Massentierhaltung und riesigen Monokulturen entgegentreten. 

Frutarier berufen sich zudem auf angebliche gesundheitliche Vorteile dieser Ernährungsweise. Sie wird gern als besonders „natürlich“ und „ursprünglich“ angepriesen, da Obst keine „künstliche“ Zubereitung erfordert. Nach dieser Darstellung ist der menschliche Körper durch die Evolution ideal auf eine überwiegend aus tropischen Früchten basierende Ernährung eingestellt – der Mensch als „Frugivor“ (Fruchtesser). Zur Verbreitung der Idee tragen in jüngerer Zeit Videos auf der Plattform YouTube bei. In ihnen zeigen Anhänger des Fruitarismus, wie gesund es sein soll, sich von großen Mengen Bananen, Mangos und sonstigem Obst zu ernähren. Der hohe Anteil von Fruchtzucker am täglichen Kalorienhaushalt wird von Verfechtern als entscheidender Vorteil dargestellt. Demnach ist die Energie aus Kohlenhydraten generell den Kalorien aus Fett oder Proteinen vorzuziehen und sorgt für eine gesündere Ernährung. 

 

Wie gesund leben Frutarier?

Frutarier laufen Gefahr, sich einseitig zu ernähren und damit ihrer Gesundheit zu schaden. Mediziner und Ökotrophologen warnen vor Mangelerscheinungen. Kritiker monieren bei dieser Ernährungsweise unter anderem einen Mangel an

  • Vitamin B12
  • Eisen
  • Kalzium
  • Zink
  • Proteinen.
Vitmain D und K reiche Lebensmittel

Frutariern fehlen häufig auch Vitamin D und K. Zudem liefern Eier, Fisch und Milchprodukte essenzielle Proteine und Fette.© iStock/happy_lark

Demnach fehlen Frutariern in erster Linie essenzielle Aminosäuren, die vom Körper nicht selbst hergestellt werden können. Ein berühmter Frutarier war Apple-Gründer Steve Jobs. Er soll beim Namen seines Konzerns sogar vom Fruganismus inspiriert worden sein. Der Technikpionier blieb allerdings wie schon Gandhi der Obstdiät nicht lange treu. Immer wieder sorgen Fälle von Kindern mit Frutarier-Eltern für Schlagzeilen. Im Sommer 2000 war ein neun Monate altes Mädchen in Großbritannien an den Folgen von Mangelernährung gestorben. „Wenn die Ernährung ausgewogen und vielfältig ist und der Körper mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird, spricht nichts gegen eine frutarische Ernährung“, heißt es von ProVeg. Der Verein geht dabei aber von einem Speiseplan mit „viel frischem Gemüse, Obst, Vollkorngetreideprodukten und Hülsenfrüchten“ aus. Die Organisation betont die grundlegenden Vorteile einer vegetarisch-veganen Ernährungsweise: „Sie ist deutlich fett- und cholesterinärmer und senkt somit das Risiko für Übergewicht. Sie besitzt außerdem das Potenzial, viele ernährungsmitbedingte chronische Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.“

 

Fazit

Wie auch immer man zu dem Konzept steht: Fruganismus ist eine extreme Ernährungsweise und das Gegenteil von dem, was gemeinhin als „ausgewogene“ Ernährung bezeichnet wird. Wer sich aus welchen Beweggründen auch immer für sie entscheidet, muss genau darauf achten, alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe zu sich zu nehmen. 
 

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