Was sind Antikörper? Einfach erklärt!

Daphne Sekertzi

Mit Antikörpern lassen sich Krankheiten diagnostizieren und Impfstoffe gegen bestimmte Erreger herstellen. Doch was sind Antikörper überhaupt? Und welche Funktion haben sie im Körper? Wir erklären es Ihnen!

Inhalt
  1. Was sind Antikörper?
  2. Welche Antikörper-Arten gibt es?
  3. Wann werden Antikörper bestimmt?
  4. Wie wirken Antikörper in Impfungen?
  5. Welche Rolle spielen Antikörper beim Coronavirus?
 

Was sind Antikörper?

Antikörper – auch Immunglobuline (Ig) genannt – sind Eiweißmoleküle, die von weißen Blutkörperchen (L-Lymphozyten) produziert werden, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Sobald Viren, Bakterien oder Pilze in den Organismus gelangen, setzt das Immunsystem die Bildung von Antikörpern in Gang.

Die Y-förmigen Immunglobuline heften sich mit einem Arm an die Fremdkörper und mit dem anderen an die körpereigenen Zellen. Auf diese Weise wirken Immunglobuline wie eine Art Brücke, über die Abwehrzellen des Immunsystems zu dem Krankheitserreger gelangen können, um ihn zu neutralisieren.  

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Welche Antikörper-Arten gibt es?

Doch Antikörper ist nicht gleich Antikörper: Die Grundstruktur ist gleich, sie unterscheiden sich aber in kleinen Details. Denn damit das Immunsystem die Krankheitserreger abwehren kann, muss das Immunglobulin zur Struktur des jeweiligen Fremdstoffs, das Antigen, passen – ganz nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Der Körper besitzt ein so großes Repertoire an Antikörpern, dass er rund 100 Millionen verschiedene Kombinationen produzieren kann.

Abhängig von ihrer Funktion unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten von Antikörpern, die in fünf Klassen zusammengefasst werden:

  1. Immunglobulin G (IgG) bildet der Körper vor allem bei chronischen Infektionen, meist ca. drei Wochen nach der Infektion. Mithilfe von IgG baut der Körper ein Immungedächtnis auf – bei einer erneuten Infektion bricht die Erkrankung nicht aus.
  2. Immunglobulin M (IgM) wird bei einer Erstinfektion mobilisiert und zeigt vor allem bei Viren und Parasiten eine Wirkung.
  3. Immunglobulin D (IgD) kommt im Blut nur in geringer Menge vor. Denn seine Aufgabe besteht lediglich darin, die Signalübertragung bei der Immunreaktion zu gewährleisten.
  4. Immunglobulin A (IgA) ist für die lokale Abwehr zuständig und wehrt die Krankheitserreger ab, sobald sie in den Körper eintreten. Daher befindet sich IgA vor allem in den Schleimhäuten, im Speichel und im Magen-Darm-Bereich.
  5. Immunglobulin E (IgE) wird bei Allergien, Asthma und bei Infektionen mit Parasiten und Würmern freigesetzt.
 

Wann werden Antikörper bestimmt?

Die Bestimmung der Antikörperkonzentration im Blut kann die Diagnose von verschiedenen Krankheiten ermöglichen. Besonders bei (chronischen) Infektionen sowie bei Autoimmun-, Schilddrüsen- und Krebserkrankungen ist es nötig, die Antikörperkonzentration im Blutserum, oder seltener im Speichel oder der Tränenflüssigkeit, zu bestimmen.

Während sich bei Infektionen und Autoimmunerkrankungen (zu) viele Antikörper im Blut befinden, liegt bei Krebserkrankungen ein Immunglobulin-Mangel (Hypogammaglobulinämie) vor, was sich durch eine geschwächte Immunabwehr bemerkbar macht. Auch Neugeborene weisen einen Antikörpermangel auf, weil sich ihr Immunsystem noch entwickeln muss.

 

Wie wirken Antikörper in Impfungen?

Bei der sogenannten passiven Immunisierung wird ein Schutz gegen einen bestimmten Krankheitserreger aufgebaut, indem Antikörper geimpft werden. Diese stammen meist von Menschen, die nach einer Infektion gegen den Erreger immun sind. Hingegen bringt die aktive Immunisierung den Körper dazu, selbst Antikörper zu produzieren, indem kleinste Mengen abgetöteter oder abgeschwächter Krankheitserreger injiziert werden.

Weil die passive Impfung einen sofortigen Schutz aufbaut, wird sie vor allem dann eingesetzt, wenn ein Mensch mit einem Erreger in Berührung gekommen ist, gegen den er nicht immun ist.

 

Welche Rolle spielen Antikörper beim Coronavirus?

Auch im Zusammenhang mit dem Coronavirus und dessen Eindämmung sind Antikörper von zentraler Bedeutung. Da eine Infektion oft symptomlos verläuft, können Antikörpertests – sofern sie zuverlässig sind – Aufschluss über die tatsächliche Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung geben.

Etwa zwei Wochen, nachdem die ersten Symptome auftreten, und etwa vier Wochen nach einer Infektion sind Antikörper gegen das Coronavirus nachweisbar. Experten vermuten, dass man nach überstandener Infektion eine Immunität gegen das Coronavirus entwickelt, da dies auch bei anderen Coronaviren, wie SARS-CoV, beobachtet wurde.

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Wie lange der körpereigene Schutz bestehen bleibt, wird derzeit in klinischen Studien untersucht. Bei Menschen mit einer symptomlosen Corona-Infektion kann der Antikörperspiegel bereits nach wenigen Monaten auf ein nicht nachweisbares Level sinken, wie eine neue Studie aus China herausfand. Doch ob das Vorliegen von Antikörpern im Blut zwangsläufig eine Immunität bedeutet und der mangelnde Antikörper-Nachweis einen fehlenden Corona-Schutz anzeigt, bedarf noch weiterer Klärung.

Quelle

Clinical and immunological assessment of asymptomatic SARS-CoV-2 infections, in; nature.com

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