Was Sie über den Mutterpass wissen sollten

Redaktion PraxisVITA
Werdende Mutter
Im Mutterpass werden alle wichtigen Daten der werdenden Mutter und des Kindes während der Schwangerschaft festgehalten © kupicoo/iStock

Jede schwangere Frau bekommt ihn: den Mutterpass. Doch was ist das eigentlich und was steht darin? Das erfahren Sie hier.

Wer in Deutschland lebt und schwanger ist, bekommt zu Beginn der Schwangerschaft einen sogenannten „Mutterpass“ ausgehändigt. Den stellt der behandelnde Gynäkologe oder die Hebamme aus. Darin werden alle wichtigen Daten von Mutter und Kind aus den Vorsorgeuntersuchungen festgehalten. Die werdende Mutter erhält den Mutterpass in der Regel, sobald der Arzt die Schwangerschaft bestätigt hat und sollte das kleine Büchlein dann stets bei sich tragen. Falls ein Notfall eintritt, weiß der behandelnde Arzt sofort Bescheid und kann reagieren. Der Mutterpass ist ein Standardpass und sollte bei jeder Frau die gleichen Informationen enthalten. Welche das sind, erfahren Sie hier.

 

Was steht im Mutterpass?

Seite für Seite kann der Arzt im Mutterpass Angaben über Mutter und Kind machen. Nicht immer sind die Fachausdrücke und Abkürzungen leicht verständlich.

Seite 2:

Auf der zweiten Seite trägt der Arzt die aktuelle Anschrift und das Geburtsdatum der Schwangeren ein.

Außerdem füllt er den Bereich „Laboruntersuchungen und Rötelnschutz“ aus und macht hier folgende Angaben:

  • Blutgruppe der Mutter
  • Ergebnis des Rhesusfaktor-Tests
  • Ergebnis des Antikörper-Suchtest
  • Röteln: Hier wird eingetragen, ob die Mutter gegen Röteln geimpft ist und wie ihr Röteln-Antikörpertest ausgefallen ist
Warum ist der Rhesus-Faktor so relevant?

85 Prozent der Europäer sind Rhesus positiv (Rh+), der Rest Rhesus negativ (Rh-). Schwierigkeiten können entstehen, wenn die Mutter Rh- und das Kind durch den Vater Rh+ ist. Kommt die Mutter beispielsweise durch eine Fehlgeburt in Kontakt mit dem Blut des Kindes, bildet sie Antikörper gegen die Blutkörperchen des Babys. Bei der ersten Schwangerschaft ist das meist noch kein Problem, bei weiteren Schwangerschaften aber könnten die Antikörper der Mutter die Blutkörperchen des Kindes attackieren – dadurch wird die Sauerstoffversorgung des Babys gefährdet. Durch die Gabe von sogenanntem Anti-D-Immunglobulin lässt sich dem vorbeugen.

Seite 3:

Die dritte Seite im Mutterpass enthält Angaben über folgende Laboruntersuchungen:

  • Chlamydien
  • Kontrolle des Antikörper-Suchtests: Hier werden Ergebnisse weiterer Antikörper-Suchtest eingetragen, falls der vorherige unklar war
  • Kontrolle des Röteln-Antikörpertests: Hier werden Ergebnisse eines weiteren Röteln-Antikörpertests eingetragen, falls der vorherige unklar war
  • LSR-Test (Lues-Such-Reaktion): Mit dem Test soll eine Syphilis-Erkrankung ausgeschlossen werden
  • HBs-Antigen aus dem Serum: HBs ist kurz für „Hepatitis B surface“. Bei diesem Test wird das Blut der Mutter auf Hepatitis B untersucht
Mutter macht sich Notizen
Die werdende Mutter sollte den Mutterpass stets bei sich tragen © NataliaDeriabina/iStock

Seite 4:

Auf der vierten Seite werden Infos zu vorangegangenen Schwangerschaften eingetragen.

Das bedeuten die Begriffe:

  • Spontangeburt: Die Geburt verlief ohne medizinischen Eingriff
  • Sectio: Kaiserschnitt
  • vag. Operation: vaginale operative Eingriffe während der Geburt, etwa Einsatz der Saugglocke oder Zange
  • Abort: Fehlgeburt
  • Abruptio: Abbruch der Schwangerschaft
  • EU: kurz für Extra-Uterin-Schwangerschaft, eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (zum Beispiel Eileiterschwangerschaft)

Außerdem werden Angaben gemacht über:

  • die Dauer der Schwangerschaft
  • Geburtsverlauf
  • Komplikationen
  • Kindsgewicht
  • Geschlecht

Seite 5:

Auf der fünften Seite werden im Mutterpass Alter, Gewicht und Größe der Mutter eingetragen sowie Angaben zu den bisherigen Schwangerschaften in Form von römischen Ziffern gemacht. Die Fragen, die hier geklärt werden, stellt der Arzt in der Regel bei der ersten Vorsorgeuntersuchung, dazu gehört auch die aufgeschlüsselte Krankengeschichte der Mutter. Hier wird auch angegeben, ob eine Risikoschwangerschaft vorliegt und welche Beratung die werdende Mutter erhalten hat.

Das bedeuten die Begriffe:

  • Gravida: Schwangerschaften insgesamt, inklusive Fehlgeburten, Abbrüchen, etc.
  • Para: Zahl der Geburten
  • Anamnese: Krankengeschichte der Mutter

Seite 6:

Auf der sechsten Seite trägt der Arzt ein, ob es besondere Befunde im Laufe der Schwangerschaft gibt, die behandelt werden müssen. Außerdem wird hier der errechnete Geburtstermin eingetragen, ebenso wie das tatsächliche Datum der Geburt.

Das bedeuten die Begriffe:

  • 28. Dauermedikation: ständige Einnahme von Medikamenten
  • 29. Abusus: anhaltender Konsum von Alkohol, Drogen und Zigaretten
  • 34. Placenta praevia: Mutterkuchen versperrt den normalen Geburtsweg
  • 36. Hydramnion: erhöhte Menge an Fruchtwasser (mehr als zwei Liter)
  • 37. Oligohydramnion: zu wenig Fruchtwasser
  • 38. Terminunklarheit: Geburtstermin lässt sich nicht klar bestimmen
  • 39. Plazenta-Insuffizienz: Mutterkuchen versorgt das Baby nicht ausreichend mit Nährstoffen
  • 40. Isthmozervikale Insuffizienz: schwacher Gebärmutterhals
  • 42. Anämie: Blutarmut der Mutter
  • 44. Indirekter Coombs-Test positiv: Unverträglichkeit der Blutgruppen von Mutter und Kind
  • 46. Hypotonie: Bluthochdruck
  • 48. Mittelgradige bis schwere Ödeme: Wasseransammlungen im Gewebe
  • 50. Gestationsdiabetes: Zuckerkrankheit während der Schwangerschaft

Seite 7 und 8:

Auf den Seiten sieben und acht werden im Mutterpass durch das sogenannte „Gravidogramm“ Angaben zum Verlauf der Schwangerschaft gemacht. Es enthält die Termine des zweiten Antikörper-Suchtests in der 24. bis 27. Schwangerschaftswoche (SSW), die Behandlung bei Rhesus-negativ-getesteten schwangeren Frauen, die Hepatitis-B-Untersuchung in der 32. bis 34. SSW sowie die Vorstellung im Krankenhaus, in dem entbunden werden soll.

Außerdem werden hier diese Angaben gemacht:

  • Schwangerschaftswoche
  • gegebenenfalls Korrektur der SSW
  • Fundusstand, also der obere Punkt der Gebärmutter. Daran kann abgelesen werden, wie schnell das Kind wächst.
  • Kindslage, also in welcher Position das Kind liegt.
  • Herztöne
  • Kindsbewegung
  • Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe)
  • Varikosis (Krampfadern)
  • Gewicht
  • RR (Blutdruck)
  • Hb (Hämoglobingehalt), Ery (Erythrozyten)
  • Sediment: Hier wird der Urin auf Eiweiß, Zucker, Nitrit und Blut getestet, „o.B.“ bedeutet hier ohne Befund.
  • vaginale Untersuchung: Hier wird untersucht, ob der Muttermund geschlossen ist, der Gebärmutterhals verkürzt ist oder eine Infektion vorliegt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass eine Frühgeburt frühzeitig erkannt wird.
  • Risiko-Nr. nach Katalog B: Bestehen Komplikationen von Seite 6, trägt der Arzt diese hier erneut ein.
  • Sonstiges/Therapien/Maßnahme
Ultraschall-Bild
Auch die Ergebnisse der Ultraschall-Untersuchungen werden im Mutterpass eingetragen © liseykina/iStock

Seite 9:

Auf der neunten Seite werden Therapiemaßnahmen (Besonderheiten zu den Katalogen A und B), eventuelle stationäre Aufenthalte der Schwangeren in einer Klinik sowie die Cardiotokographie-Ergebnisse (CTG) eingetragen. Mit dem CTG werden die Herztöne des Kindes und die Aktivität der Gebärmutter gemessen.

Seite 10 und 11:

Auf den Seiten zehn und elf werden die Ergebnisse der Ultraschall-Untersuchungen (Screening) festgehalten.

Das bedeuten die Abkürzungen:

  • FS: Fruchtsackdurchmesser
  • SSL: Länge des Kindes (Scheitel bis Steiß)
  • BPD: Biparietaler Durchmesser (Kopfdurchmesser, Schläfe bis Schläfe)
  • FOD: Fronto-okzipitaler Durchmesser (Kopfdurchmesser, Stirn bis Hinterkopf)
  • KU: Kopfumfang
  • ATD: Abdominaler Transversaldurchmesser (Querdurchmesser des Bauchs, Rippe zu Rippe)
  • APD: Anterior-posteriorer Durchmesser (Durchmesser des Bauches, von vorne nach hinten)
  • AU: Abdominalumfang (Bauchumfang)
  • FL: Femurlänge (Länge des Oberschenkelknochens)

Seite 12:

In der Normkurve für den fetalen Wachstumsverlauf kann der Arzt die Wachstumsentwicklungen des Kindes vermerken.

Seite 13:

Ultraschall-Kontrolluntersuchungen werden durchgeführt, wenn es einen Verdacht auf Fehlbildungen gibt.

Ultraschall
Im Ultraschall lassen sich mögliche Fehlbildungen des Kindes erkennen © zoranm/iStock

Seite 14:

Weiterführende Ultraschalluntersuchungen: Falls der Verdacht auf Fehlbildungen vorliegt, wird ein weiteres Screening durchgeführt und die Ergebnisse hier im Mutterpass eingetragen.

Dopplersonographische Untersuchungen: Mittels Ultraschall wird auch festgestellt, ob das Kind ausreichend mit Blut versorgt wird.

Seite 15:

Auf Seite 15 werden abschließende Angaben zur Schwangerschaft, Geburt und zum Wochenbett gemacht.

Das bedeuten die Begriffe und Abkürzungen:

  • SP: Spontangeburt
  • S: Schnittentbindung (Kaiserschnitt)
  • vag. Op.: Zangen- oder Saugglockenentbindung
  • SL: Schädellage (Kopf des Babys zeigt nach unten)
  • BEL: Beckenendlage (Steißlage)
  • QL: Querlage
  • Apgar-Zahl: Beurteilung des Zustands des Babys auf einer Skala von 0 bis 10
  • pH-Wert: Säuregrad des Blutes in der Nabelschnurarterie
  • Anti-D-Prophylaxe: Injektion des Anti-D-Immunglobulins an Rhesus-negative Schwangere mit Rhesus-positivem Baby

Seite 16:

Auf Seite 16 können Besonderheiten zum Wochenbett sowie die Ergebnisse der zweiten Untersuchung nach der Geburt (in der sechsten bis achten Woche) angegeben werden.

Das bedeuten die Abkürzungen:

  • Hb: Hämoglobin
  • RR: Blutdruck
  • Urin Z. pos.: Zucker im Urin
  • Urin E. pos. Eiweiß im Urin
  • U3: Untersuchung in der vierten bis sechsten Lebenswoche
 

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