Was passiert mit meinem Körper, wenn ich keinen Sex mehr habe?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin

Gestresst, vergesslich und auch noch ständig erkältet? Wenn Ihnen diese Symptome bekannt vorkommen, sollten Sie vielleicht einmal Ihr Sexleben überdenken.

Nach einer Trennung, bei Stress im Job oder nach einer Geburt – es gibt Lebensphasen, in denen das Sexleben brach liegen kann. Wenn Wochen zu Monaten werden oder gar Jahre ins Land ziehen, ohne dass sexuelle Kontakte mit anderen Menschen stattgefunden haben, spricht man von temporärer sexueller Abstinenz. Allerdings gibt es auch Menschen, die sich bewusst entscheiden, gar keinen Sex mehr zu haben. Etwa aus religiösen Gründen oder weil sie eine sogenannte sexuelle Appetenzstörung, das heißt kein Interesse am Sex, haben.

Egal was die Ursachen für eine temporäre oder dauerhafte Abstinenz sind, der Körper verändert sich, wenn wie keinen Sex mehr haben. Und das nicht nur physisch, auch die Psyche verändert sich. PraxisVITA stellt Ihnen sechs dieser Veränderungen vor.

 

1. Geringere Stress-Resistenz

Eine 2005 erschienene Studie hat gezeigt, dass Geschlechtsverkehr nicht nur das mentale und körperliche Wohlbefinden steigert, sondern auch Stresswerte im Körper senkt. Studienteilnehmer, die selten Sex hatten, zeigten höhere Blutdruckwerte als Reaktion auf Stresssituationen, als Teilnehmer, die häufiger Sex hatten. Die Autoren der Studie schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Sex als Bewältigungsmechanismus, um Stress abzubauen, wirken kann.

 

2. Weniger Lust auf Sex

Während des Geschlechtsverkehrs wird der Körper mit Endorphinen – körpereigenen Opioiden – überschwemmt. Auf diese Weise wird Sex im Gehirn mit einem positiven Gefühl verknüpft. Bleibt nach längerer Enthaltsamkeit die Endorphin-Ausschüttung durch Sex aus, wird auch die Verknüpfung im Gehirn schwächer. Man hat nach und nach weniger Verlangen nach Sex und konzentriert sich auf andere Dinge. Allerdings kann der frühere Sexualtrieb, egal wieviele Jahre die Abstinenz anhielt, schon nach einmaligem Geschlechtsverkehr wiederbelebt werden.

 

3. Ein schwächeres Immunsystem

Eine 2004 veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass Geschlechtsverkehr das Immunsystem stärken kann. Die Forscher maßen dabei die Immunoglobulin  A (IgA)-Werte ihrer Probanden. Dieser Antikörper befindet sich im Speichel und den Schleimhäuten und ist im Kampf gegen Erkältungen, Grippeviren und Bakterien eine unserer stärksten Waffen. Die Studienergebnisse ergaben: Probanden, die häufiger Sex hatten, zeigten deutlich höhere Ig-A-Werte als die Probanden, die wenig Sex hatten.

Frau allein im Bett
Schlechte Laune durch Sex-Flaute? Laut einer amerikanischen Studie wirken Spermien auf Frauen wie natürliche Anti-Depressiva.© Alamy
 

4. Schlechteres Gedächtnis

Eine 2003 erschienene Studie hat ergeben, dass Sex den Prozess der Neurogenese im Gehirn anregt. Neurogenese bezeichnet die Bildung von Nervenzellen im Gehirn und ist unmittelbar mit unseren kognitiven Fähigkeiten verknüpft. Laut Studie führt Sex dabei vor allem zum Zellwachstum in der Region des Hippocampus. Dieser Bereich im Gehirn ist mit dem Kurz- und Langzeit-Gedächtnis verbunden. Die Autoren der Studie gehen sogar davon aus, dass häufiger Sex langfristig vor Erkrankungen wie Demenz schützen kann.

 

5. Schlechteres Selbstbewusstsein

„Keiner will mich!“ Wenn die sexuelle Flaute unfreiwillig ist, kann das schon mal am Selbstbewusstsein nagen. Besonders Frauen haben darunter häufig zu leiden. Eine Studie von Psychologen aus den USA hat aber noch eine weitere verblüffende Tatsache nachgewiesen. Offenbar ist es das männliche Sperma, das Frauen gute Laune macht. Die Forscher fanden heraus, dass Sperma ähnlich wie ein Antidepressivum wirken kann und sogar die Symptome einer Depression lindern kann. So hätten einige Bestandteile des Spermas, darunter Testosteron, das follikelstimulierende Hormon Prolactin sowie verschiedene sogenannte Prostaglandine (Sekrete der Prostata-Drüse) eine stimmungsaufhellende Wirkung. Diese Bestandteile werden beim Geschlechtsverkehr offenbar durch die vaginalen Schleimhäute der Frau absorbiert und können noch Stunden nach dem Sex in ihrem Blut nachgewiesen werden.

 

6. Erektile Dysfunktion

Diese Veränderung betrifft ausschließlich Männer. Eine 2008 erschienene Studie zeigte, dass sexuelle Abstinenz das Risiko für eine erektile Dysfunktion (ED) erhöhen kann. Die Teilnehmer der Studie, die mindestens einmal pro Woche Sex hatten, entwickelten nur halb so oft eine ED wie Männer, die seltener Sex hatten. Dr. Fran Walfish, Psychotherapeutin und Sexualwissenschaftlerin erklärt den Hintergrund: „Erektionen erhalten die Gesundheit der Nerven am Penis. Somit schützen sie vor einer erektilen Dysfunktion.“

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