Was passiert bei einer Abtreibung? Die Methoden im Überblick

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Was bei einer Abtreibung passiert hängt unter anderem vom Zeitpunkt und der damit verbundenen Abtreibungsmethode ab, etwa Abtreibungspille oder Ausschabung.

Frau lehnt an der Wand und schaut nach oben
Der Schritt zu einem Schwangerschaftsabbruch kann eine starke seelische Belastung für eine Frau darstellen Foto:  iStock/Cecilie_Arcurs
Inhalt
  1. Was sind Gründe für eine Abtreibung?
  2. Was passiert bei der Abtreibung mittels Absaugmethode?
  3. Was passiert bei einer Abtreibung durch Ausschabung?
  4. Was passiert bei der Abtreibung mit der Abtreibungspille?
  5. Was passiert bei einer Abtreibung, wenn es sich um einen Spätabbruch handelt?
  6. Welche Voraussetzungen müssen für eine Abtreibung erfüllt sein?
  7. Betroffene können sich an folgende Institutionen wenden:
  8. Was passiert bei einer Abtreibung in Bezug auf die Kostenübernahme?
  9. Was passiert nach einer Abtreibung?

Durch eine Abtreibung kann eine Schwangerschaft beendet werden. Es gibt viele Gründe, warum Frauen sich dafür entscheiden, ein Kind nicht auszutragen, unter anderem medizinische Gründe oder die aktuelle Lebenssituation. Aber was genau passiert bei einer Abtreibung?

 

Was sind Gründe für eine Abtreibung?

Es gibt viele Gründe, warum sich Schwangere für eine Abtreibung entscheiden: zu erwartende Fehlbildungen des Kindes, aufgrund derer es nicht mehr lebensfähig ist, eine seelische Belastung der Mutter (etwa wenn die Schwangerschaft Folge einer kriminellen Handlung ist) oder die allgemeine Lebenssituation der werdenden Mutter. Aber was passiert bei einer Abtreibung, wenn sich die Schwangere entschieden hat? Welches Verfahren für das Beenden einer Schwangerschaft verwendet wird, kann nicht pauschal gesagt werden. Abhängig vom fortgeschrittenen Zeitpunkt der Schwangerschaft, Gesundheitszustand und den Wünschen der Frau können unterschiedliche Abtreibungsmethoden zum Einsatz kommen.

 

Was passiert bei der Abtreibung mittels Absaugmethode?

Wie der Name es schon vermuten lässt, werden bei dieser Abtreibungsmethode der Fötus, das Fruchtwasser und die Schleimhaut aus der Gebärmutter abgesaugt. Was genau bei dieser Art der Abtreibung passiert, lässt sich wie folgt erklären: Gebärmutterhals und Muttermund werden mithilfe von Kugelzangen und Metallstiften geweitet, bis ein schmaler Schlauch eingeführt werden kann. Durch diesen werden das Kind und das Gewebe ausgesaugt; dabei werden sowohl der Fötus als auch die Plazenta stückweise entfernt.

Diese Form des Schwangerschaftsabbruches wird bis zur zwölften Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführt. Der Fötus kann bis zu diesem Zeitpunkt eine Größe von bis zu acht Zentimetern erreicht haben. Nach der Absaugung kann es vorkommen, dass noch eine Ausschabung nötig ist. Dabei werden mögliche Gewebereste entfernt. Würde diese nicht geschehen, kann es zu einer Entzündung kommen. Anschließend wird Oxytocin verabreicht — ein Wehenhormon, welches das Zusammenziehen der Gebärmutter fördert und so Blutverlust verhindern und die Rückbildung der Gebärmutter anregen soll. Blutungen und Unterleibsschmerzen sind typische Folgen der Absaugmethode. Eine Abtreibung durch Absaugen wird im Normalfall ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. In seltenen Fällen kann sie auch unter Vollnarkose im Krankenhaus erfolgen.

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Was passiert bei einer Abtreibung durch Ausschabung?

Die Ausschabung wird auch Curettage genannt. Verwendet wird dafür die sogenannte Curette, ein Instrument, welches an einen langen Stab mit einer Schlaufe an einem Ende erinnert. Diese Form der Abtreibung wird selten alleinstehend verwendet, sondern erfolgt meist als zweiter Schritt nach einer anderen Methodik des Schwangerschaftsabbruches. Durch sie werden mögliche Gewebereste von Kind und Plazenta vollständig aus der Gebärmutter entfernt, um Entzündungen zu verhindern.

 

Was passiert bei der Abtreibung mit der Abtreibungspille?

Bei der Abtreibungspille handelt es sich um eine minimal invasive Form eines Schwangerschaftsabbruches. Circa ein Fünftel der Abtreibungen in Deutschland wird über die Einnahme der Abtreibungspille mit dem Wirkstoff Mifepriston durchgeführt. Dabei werden Tode des Kindes im Mutterleib und eine anschließende Fehlgeburt initiiert.

Was genau passiert bei einer Abtreibung durch die Abtreibungspille? Sie blockiert das körpereigene und für das Aufrechterhalten der Schwangerschaft zuständige Hormon Progesteron. Dadurch lösen sich das Kind und die Gebärmutterschleimhaut. Fruchtsack und der Muttermund öffnen sich. Durch diesen Vorgang stirbt der Fötus ab. Nach ein bis zwei Tagen muss die Frau Prostaglandin-Tabletten einnehmen: Diese bewirken ein Zusammenziehen der Gebärmutter und ein wehenähnliches Ausstoßen des Gewebes. Nach circa zwei Stunden setzen die Abbruchblutungen ein, bis der gesamte Fruchtsack abgestoßen ist, können aber bis zu zwei Wochen vergehen. Diese Form des Schwangerschaftsabbruchs wird typischerweise in der siebten bis zur neunten Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Was zusätzlich bei dieser Form der Abtreibung passiert: Es kommt zu typischen Beschwerden wie Übelkeit, Blutungen und Unterleibsschmerzen. Die Verwendung der Abtreibungspille wird besonders kritisch betrachtet: So argumentieren die Gegner dieser Pille, dass es den Frauen durch diese Abtreibungsmethode besonders leicht gemacht werde, eine unerwünschte Schwangerschaft zu beenden. Gegenmeinungen hierzu besagen, dass gerade die Einsamkeit und der Alleingang der Situation den seelischen Druck auf die Schwangere erhöhen. Zusätzlich ist sie aktiv durch das Einnehmen der Pille an der Abtreibung beteiligt, anders sieht dies aus, wenn der Arzt den Abbruch durchführt.

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Was passiert bei einer Abtreibung, wenn es sich um einen Spätabbruch handelt?

Von einem sogenannten Spätabbruch wird dann gesprochen, wenn eine Schwangerschaft nach der zwölften Schwangerschaftswoche beendet wird. Derart späte Abbrüche werden bei einer schweren Erkrankung von Mutter oder Kind oder bei einer Fehlbildung des Kindes durchgeführt. Für einen Spätabbruch wird die Geburt medikamentös eingeleitet, hierfür werden Prostaglinde verabreicht. Was passiert bei dieser Form der Abtreibung? Die Hormone lösen Wehen aus, und das Kind wird natürlich ausgestoßen. Für eine späte Abtreibung wird die Mutter immer stationär im Krankenhaus aufgenommen. Sollte der Abbruch nach der 16. Schwangerschaftswoche stattfinden, muss zusätzlich der Milcheinschuss durch die Einnahme von Bromocriptin medikamentös unterdrückt werden.

 

Welche Voraussetzungen müssen für eine Abtreibung erfüllt sein?

Auch wenn es sich um den eigenen Körper und das eigene Leben der Frau handelt – was bei einer Abtreibung passiert, regelt auch das Gesetz. Laut §218 Strafgesetzbuch ist der Schwangerschaftsabbruch nur unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgbar.

Zu diesen Voraussetzungen zählen:

  • Beratung der Schwangeren: Besteht der Wunsch, eine Schwangerschaft zu beenden, muss ein Beratungsgespräch in einer entsprechenden Einrichtung stattfinden. Ziel soll es sein, Optionen und Entscheidungsmöglichkeiten sowie Hilfeleistungen darzustellen. Dieses Vorgehen wird auch Beratungsregelung genannt.
  • Medizinische Indikation: Muss eine Schwangerschaft aus medizinischen Gründen abgebrochen werden, stellt der diagnostizierende Arzt sowohl einen Überweisungsschein als auch eine Indikationsbescheinigung aus. Die tatsächliche Abtreibung darf nicht vom gleichen Arzt durchgeführt werden. Bei einer medizinisch bedingten Abtreibung gibt es keine Fristen; auch Spätabbrüche (Fetozid) sind erlaubt. Entscheidend hierbei ist, dass ohne einen Schwangerschaftsabbruch Lebensgefahr oder schwere körperliche und seelische Beeinträchtigungen bei der Schwangeren befürchtet werden.
  • Kriminologische Indikation: Entsteht eine Schwangerschaft durch eine kriminelle Handlung, etwa eine Vergewaltigung, darf eine Abtreibung durchgeführt werden. Der medizinischen Indikation gleich, bedarf es der Diagnose eines ersten Arztes inklusive der Indikationsbescheinigung und des Überweisungsscheins, bevor ein zweiter Arzt schließlich die Behandlung durchführt.
  • Bei einer medizinischen und kriminologischen Indikation ist eine Beratung keine zwingende Voraussetzung für eine Abtreibung. Das heißt aber nicht, dass betroffene Frauen das Gespräch nicht suchen dürfen. Ganz im Gegenteil, psychologische und praktische Hilfe sollte immer in Anspruch genommen werden. Die Frage, was passiert bei einer Abtreibung, sollte dabei auch eine Rolle spielen.
     

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Betroffene können sich an folgende Institutionen wenden:

  • Pro Familia
  • Donum Vitae
  • Diakonisches Werk
  • Caritas
  • Arbeiterwohlfahrt
  • Der Paritätische Wohlfahrtsband
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Gesundheitsamt

 

 

Was passiert bei einer Abtreibung in Bezug auf die Kostenübernahme?

Handelt es sich bei dem Eingriff um eine kriminologisch oder medizinisch begründete Abtreibung, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch. Kommt die Beratungsregelung zum Einsatz, muss die Leistung privat gezahlt werden. Und was passiert bei einer Abtreibung, wenn die Kosten für die Schwangere zu hoch sind? Bei Bedürftigkeit kann sie einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Wird dieser genehmigt, übernimmt wieder die Krankenkasse die Kosten. Der Antrag wird bei der eigenen Krankenkasse gestellt, diese stellt auch alle weiterführenden Informationen bereit. Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch belaufen sich auf circa 350 bis 600 Euro.

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Was passiert nach einer Abtreibung?

Was bei einer Abtreibung passiert, ist für Frauen ein starker Einschnitt. Neben den körperlichen Belastungen müssen sie sich auch mit den seelischen Anforderungen eines Schwangerschaftsabbruches konfrontieren. Schuld, Wut und Trauer sind normale Reaktionen, die auf einen derartigen Eingriff in den eigenen Körer und das eigene Leben folgen. Auch der Partner oder der Vater des Kindes müssen sich mit diesen Emotionen auseinandersetzen, sowohl mit den eigenen als auch mit denen der Mutter.

Der Schritt zu einer Abtreibung ist groß und damit auch die emotionale Last. Frauen sollten sich immer Beratung und Gesprächspartner suchen. Beratungsstellen und auch Vereine sind immer ansprechbar und bieten Unterstützung und Informationen bis hin zu Gruppensitzungen, in denen der gleiche Erfahrungshorizont besteht. Was bei einer Abtreibung passiert, ist nicht einfach zu verkraften, deshalb sollten sich Frauen niemals schämen, um Hilfe zu bitten.

Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Dr. med. Arne Schäffler (Hg.) (2008), Gesundheit heute. Krankheit - Diagnose - Therapie. Knaur Ratgeber Verlag
Gemeinsamer Bundesausschuss (2019): Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch

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