Was passiert bei einem Kaiserschnitt?

Michelle Kröger

Heutzutage kommt in Deutschland beinahe jedes dritte Baby durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Hierbei unterscheidet man zwischen einem geplanten und einem ungeplanten Kaiserschnitt. Aber wie genau läuft eigentlich ein Kaiserschnitt ab? Und was sind mögliche Gründe und Risiken?

Eine Mutter schaut ihr Baby nach dem Kaiserschnitt an
Rund jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt Foto:  iStock/mustafagull
Inhalt
  1. Was ist ein Kaiserschnitt?
  2. Formen eines Kaiserschnitts: Primärer und sekundärer Eingriff
  3. Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt (primär)
  4. Gründe für einen ungeplanten Kaiserschnitt (sekundär)
  5. Wie läuft ein Kaiserschnitt ab?
  6. Welche Risiken birgt ein Kaiserschnitt für die Mutter?
  7. Welche Risiken birgt ein Kaiserschnitt für das Kind?
  8. Heilungsprozess: Was passiert nach dem Kaiserschnitt?
 

Was ist ein Kaiserschnitt?

Bei einem Kaiserschnitt (auch: Sectio) handelt es sich um eine sogenannte Schnittentbindung bzw. einen operativen Eingriff, durch den ein Kind auf die Welt geholt wird. Dabei werden die Bauchdecke sowie die Gebärmutter der Mutter unter Betäubung geöffnet.

 

Formen eines Kaiserschnitts: Primärer und sekundärer Eingriff

Allgemein wird zwischen einem primären und einem sekundären Kaiserschnitt unterschieden. Bei einem primären (geplanten) Eingriff entscheidet man sich vor dem Entbindungstermin für einen Kaiserschnitt. Beim sekundären (ungeplanten) Eingriff fällt die Entscheidung für die operative Entbindung während der Geburt. In der Regel ist dieser dann aus medizinischer Sicht notwendig. 

 

Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt (primär)

Hinter einem primären Eingriff können entweder ein Wunschkaiserschnitt stecken oder relevante medizinische Gründe. Bei einem Wunschkaiserschnitt gibt es medizinisch gesehen keinen Anlass. Viele Frauen wünschen sich einen Kaiserschnitt, weil sie befürchten, eine natürliche Geburt nicht durchstehen zu können. Einige scheuen auch die körperlichen Folgen einer vaginalen Geburt und entscheiden sich deshalb für einen geplanten Kaiserschnitt. 

Auf der anderen Seite gibt es auch schwangere Frauen, denen Ärzte aus medizinischer Sicht zu einem Kaiserschnitt raten. Gründe dafür können sein: 

  • Eine komplizierte Lage des Kindes im Mutterleib, die eine vaginale Geburt ausschließt (z.B. Beckenendlage)
  • Der gesundheitliche Zustand des Kindes (zu klein, zu schwach) ist bedenklich
  • Es droht eine Unterversorgung des Kindes
  • Zurückliegende Operationen an der Gebärmutter
  • Vorherige Frühgeburten
  • Fehlbildungen beim Kind
  • Fehllage der Plazenta (Placenta praevia)
  • Schwerere Erkrankungen der Mutter (z.B. HIV)

Kind nach der Geburt in den Armen der Mutter
Schwangerschaft & Geburt Ist ein Kaiserschnitt sicherer als eine natürliche Geburt?

 

Gründe für einen ungeplanten Kaiserschnitt (sekundär)

Ein ungeplanter Kaiserschnitt bzw. sekundärer operativer Eingriff wird forciert, sobald während der Geburt Komplikationen auftreten. Die Gründe sind daher dementsprechend unvorhersehbar. In manchen Fällen äußert der Arzt bereits vor der Geburt Bedenken bezüglich einer natürlichen, vaginalen Geburt. Mögliche Anlässe für einen Notkaiserschnitt können sein: 

  • Sauerstoffmangel des Kindes
  • Abfallen der Herztöne des Kindes
  • Vorzeitige Plazentaablösung
  • Gebärmutterriss
  • Fieber und/oder Infektionen infolge eines Blasensprungs
  • Der Kindskopf passt unerwartet nicht durch das Becken der Mutter
  • Stillstand der Geburt
  • Bluthochdruck der Mutter
 

Wie läuft ein Kaiserschnitt ab?

Zur Vorbereitung eines Kaiserschnitts werden der Mutter bei Bedarf die Schamhaare entfernt, um Keime fernzuhalten. Außerdem wird ihr in den meisten Fällen ein Blasenkatheter gelegt. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Blase während der Operation füllt und der Eingriff behindert wird. Damit Mutter und Kind sich während der Operation nicht mit Keimen infizieren, verabreicht man über einen Tropf zusätzlich Antibiotika. Außerdem erhält die Mutter Thrombosestrümpfe und ein OP-Hemd zum Tragen während des Eingriffs. 

Anschließend wird die Narkose im Kreißsaal eingeleitet. Meistens wird ein Kaiserschnitt heutzutage mit regionalen Betäubungsverfahren durchgeführt, etwa durch eine Spinal- oder Periduralanästhesie (kurz: PDA). Der Vorteil gegenüber einer Vollnarkose: die Mutter bleibt bei Bewusstsein und kann schmerzfrei die Geburt ihres Kindes miterleben. Dennoch sind Zug- und Druckgefühle möglich. Eine Vollnarkose gibt es heute meist nur noch in Notfällen. Bei einer Teilnarkose ist es dem Partner erlaubt, am Kopfende der Frau zu sitzen. Bei einer Vollnarkose darf er den Kreißsaal erst nach der Entbindung betreten. 

Nach dem Desinfizieren der relevanten Stellen (z.B. Bauch) wird durch ein vorgespanntes Tuch der Operationsbereich abgeschirmt. Außerdem werden Bauch und Beine mit sterilen Tüchern abgedeckt. Die Mutter kann ihren Bauch also in der Regel nicht sehen. Vereinzelt gibt es in manchen Krankenhäusern auch Tücher mit Sichtfenstern. 

Hat die Betäubung eingesetzt, beginnt der Arzt mit dem Öffnen der Bauchdecke sowie dem Freilegen des unteren Teils der Gebärmutter – unterhalb des Nabels. Mithilfe eines horizontalen Schnittes durch den Uterus tritt die Fruchtblase hervor. Fruchtwasser tritt aus und wird abgesaugt. Übrigens: Heute wird nicht unbedingt immer ein Skalpell verwendet. Bei der sogenannten Misgav-Ladach-Methode werden die einzelnen Gewebeschichten nicht durchschnitten. Vielmehr werden sie mit den Händen gedehnt, geschoben und gerissen. Das ist um einiges schonender und besser für die anschließende Wundheilung. 

Das Neugeborene wird aus der Gebärmutter entnommen. Diese zieht sich danach schnell wieder zusammen. Sind keinerlei Komplikationen aufgetreten, so kann die Mutter schon kurz danach ihr Kind in die Arme schließen. Der sich ablösende Mutterkuchen wird entfernt und untersucht. Dann werden die einzelnen Bauchschichten wieder sorgfältig verschlossen. Währenddessen untersucht die Hebamme das Kind im Rahmen der Erstuntersuchung. Meistens dauert der komplette Eingriff maximal 30 Minuten.

Kaiserschnitt
Schwangerschaft & Geburt Kaisergeburt – Alles, was Mütter wissen sollten

 

Welche Risiken birgt ein Kaiserschnitt für die Mutter?

Ein Kaiserschnitt ist heutzutage zwar schon eine Art Routineeingriff, dennoch kann er auch Risiken bergen – für die Mutter sowie für das Kind. Die Risiken für die Mutter sind heute um einiges geringer als in den vergangenen Jahrzehnten – dank fortschrittlicher Operationstechniken, Narkoseverfahren und dem Einsatz von Antibiotika (Infektionsschutz). Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen operativen Eingriff, bei dem akute oder langfristige Komplikationen auftreten können, wie etwa: 

Akute Komplikationen: 

  • Erhöhter Blutverlust
  • Blutgerinnsel (Embolie, Thrombose)
  • Infektionen
  • Unerwartete Zwischenfälle bzgl. der Narkose
  • Störung der Wundheilung
  • Verletzung von Organen (z.B. Harnblase, Darm)

Langfristige Komplikationen: 

 

Welche Risiken birgt ein Kaiserschnitt für das Kind?

Für das Neugeborene bedeutet ein Kaiserschnitt meist weniger Risiken als eine vaginale Geburt. Dennoch sind folgende Komplikationen durchaus möglich: 

  • Verletzungen durch den Operationsvorgang (z.B. Schnitte)
  • Bindungsstörungen
  • Stillprobleme
  • Atemprobleme

Auch langfristig kann sich ein Kaiserschnitt negativ auf die Gesundheit des Kindes auswirken: Der Grund dafür ist, dass das Baby während der Geburt nicht mit der Scheidenflora der Mutter in Kontakt kommt – diese bildet eigentlich den „Grundbaustein“ für die Darmflora des Kindes. Die Darmflora erfüllt eine wichtige Funktion in der Immunabwehr. Die fehlende „Besiedelung“ des Darms fördert darum eine erhöhte Infektanfälligkeit und sogar späteres Übergewicht, wie eine 2016 veröffentlichte Kaiserschnittstudie US-amerikanischer Wissenschaftler zeigte. Aus demselben Grund gilt eine natürliche Geburt als wichtiger Faktor bei der Allergieprävention in der Kindheit

 

Heilungsprozess: Was passiert nach dem Kaiserschnitt?

Nach der Sectio kann sich die Mutter auf der Wöchnerinnenstation der Klinik erholen. In der Regel wird eine frühzeitige Mobilisation (Sitzen auf der Bettkante, Aufstehen) angestrebt, um etwa Blutgerinnsel oder Verstopfungen zu verhindern. Die meisten Frauen bleiben vier bis sieben Tage lang im Krankenhaus, bei einem Notfallkaiserschnitt durchaus auch länger. Die entstandene Bauchnaht ist meistens nach etwa acht bis 12 Tagen verheilt. 
In der ersten Woche nach der OP können Wundschmerzen auftreten. Auch nach der Entlassung treten oftmals noch Schmerzen an der Narbe auf und das Sitzen und/oder Liegen ist unangenehm. Hinzu kommt – genau wie bei einer vaginalen Geburt – der Wochenfluss (Blutung), der bis zu sechs Wochen lang anhalten kann. Schweres Heben und Überanstrengung sollten frisch gebackene Mütter besser vermeiden.

Quelle:
Yuan, Changzheng, et al. (2016): Association between cesarean birth and risk of obesity in offspring in childhood, adolescence, and early adulthood, in: JAMA pediatrics.

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