Was meine Tränen über mich wissen

Mona Trautmann Medizinredakteurin
Auge von weinender Frau
Tränen verraten was wir fühlen – und wie es um unsere Gesundheit steht, wie Forscher nun herausfanden © iStock/RapidEye

Ob aus Freude, Schmerz oder Rührung: Tränen verraten unsere Gefühle - und noch viel mehr. Wie Forscher kürzlich in einer Studie herausfanden, können Tränen sogar anzeigen, ob jemand an Parkinson erkrankt ist. Wie das funktioniert und was unsere Tränenflüssigkeit sonst noch offenbart, erklärt PraxisVITA.

Laut der Studie der School of Medicine der Universität Southern California, kann die Zusammensetzung von Tränen ein Marker für Parkinson sein. Der Hintergrund der Untersuchung: Tränen enthalten Proteine, die in den Zellen der Tränendrüse produziert werden. Diese wiederum werden von Nerven dazu angeregt, diese Proteine in die Tränen abzugeben. Da Parkinson die Nervenfunktion beeinflussen kann, stellten die Forscher die Hypothese auf, dass eine veränderte Nervenfunktion im Proteingehalt der Tränen sichtbar sei. 

Dazu verglichen die Forscher Tränen von Parkinsonpatienten und gesunden Menschen. Das Ergebnis: Die Konzentration des Proteins Alpha-Synuclein war bei Menschen mit Parkinson verringert. Gleichzeitig war die Menge des Eiweißstoffs Alpha-Synuclein-Oligomeren erhöht. Diese Ansammlung von Eiweißen ist vermutlich an der Nervenschädigung bei Parkinson beteiligt.
Aufbauend auf diesen Forschungen hoffen Neurologen, die Erkrankung frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Oft treten erste Parkinson-Symptome schon vor dem Ausbruch der Krankheit auf.
Doch Tränen verraten noch mehr über Gesundheits- und Gemütszustand des Menschen. 

 

Die drei Arten von Tränen

Jede Träne besteht aus drei Teilen: Die innere Schicht (Muzinschicht) liegt direkt am Auge und enthält Glykoproteine, welche die Verteilung auf der Hornhaut begünstigen. Die mittlere Schicht ist wässrig und enthält Salze, Vitamine und Abwehrstoffe. Die äußerste, ölige Lipidschicht verhindert ein zu schnelles Verdunsten des Tränenfilms. Je nach Ursache für die Produktion von Tränenflüssigkeit gibt es drei Arten von Tränen:

  • Basale Tränen liegen ständig als Film auf dem Auge, halten es feucht und schützen es vor Krankheitserregern.
  • Reflextränen werden produziert, wenn Staub, Sonne, Rauch oder kalte Luft das Auge reizen. Sie sollen Reizstoffe aus dem Auge spülen.
  • Emotionale Tränen entstehen bei der Äußerung von Gefühlen wie Trauer, Freude oder Schmerz. Sie kommen ausschließlich beim Menschen vor.
 

Tränenflüssigkeit verrät den Grund des Weinens

Die Zusammensetzung der Tränen verrät, aus welchem Grund wir weinen: Emotionale Tränen enthalten viermal so viele Antikörper wie Reflextränen. Diese Tränenart hat wiederum einen höheren Wasseranteil als basale Tränen und ist deshalb dünnflüssiger. 

Emotionales Weinen hat für das Auge keinen gesundheitlichen Nutzen. Der Effekt dieser gefühlsbedingten Tränen gibt Forschern seit jeher Rätsel auf. Die Theorien darüber reichen von Stressabbau durch Weinen bis hin zur Ausscheidung von Giftstoffen über die Tränendrüsen.

Eine weitere Vermutung ist, dass Weinen signalisiert, dass ein Mensch Hilfe braucht und emotional – im positiven oder negativen Sinne – überfordert ist. Das emotionale Weinen dient dieser Theorie nach der nonverbalen Kommunikation. Auch als evolutionäres Mittel hat sich das Weinen bewährt: Der Geruch von Frauentränen senkt den Testosteronspiegel beim Mann. Die Folge sind reduzierte sexuelle Lust und ein geringeres Agressionspotential gegenüber der weinenden Frau.

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