Was meine Hände über mich wissen

Vorsicht, wenn unsere sensibelsten Werkzeuge plötzlich nicht mehr gehorchen: Es könnte ein Warnsignal sein. Auf welche ernsthaften Krankheiten Zittern, Schmerzen oder Taubheitsgefühl hindeuten können, erfahren Sie hier.

Sie freute sich jedes Jahr über eine Geburtstags-Karte ihrer Großmutter. "Meine Oma hat immer so schön geschrieben", erinnert sich Susanne. Doch dann kam es zu einer merkwürdigen Veränderung: Der letzte Brief war unleserlich, die Buchstaben winzig. Die 17-Jährige machte sich große Sorgen: Was war der Grund für die zittrige Schrift?

Tatsächlich wird die Fähigkeit des Schreibens in unserem Gehirn gesteuert. Wenn die Schrift sich wegen zitternder Hände verändert, deutet das meist auf eine Erkrankung des Nervensystems hin.

"Es gibt zwei verschiedene Formen des Zittern", erklärt Neurologe Dr. Ansgar Frieling. "Die Hand eines Parkinson-Kranken zittert, wenn der Arm ruhig liegt. Dabei bewegen sich Daumen und Zeigefinger so, als würde er Geld zählen. Deswegen sprechen wir auch vom "Geldzähl-Tremor". Dagegen tritt das sogenannte "essentielle Zittern" während einer Aktion auf: Die Hände sind unsicher, wenn sie eine Kaffeetasse oder ein Glas hochheben sollen. Dies weist nicht auf eine Erkrankung hin. Auch Gesunde zittern eben manchmal."

Die häufigste Ursache für neurologisch bedingte Probleme mit den Händen ist ein eingeklemmter Nerv. "Am Schreibtisch oder beim Kaffeetrinken stützen viele Menschen einen Ellenbogen auf dem Tisch ab und halten ihren Arm angewinkelt", erklärt der Experte. "Wenn wir zu lange in dieser Haltung bleiben, kann der Ellen-Nerv eingeklemmt werden. Und das macht sich an der Hand bemerkbar: Sie fühlt sich gelähmt an und der kleine Finger lässt sich nicht mehr abspreizen." Viele Patienten berichten auch, dass sie Schwierigkeiten haben, eine Flasche zu öffnen oder nach Gegenständen zu greifen.

Probleme mit den Händen können auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen
Probleme mit den Händen wie Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Zittern können auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen© shutterstock
 

Schmerzen ziehen bis in die Arme

Anders verhält es sich bei Schmerzen in der Hand und einem tauben Gefühl im Daumen, Zeige- und Mittelfinger. "Hier ist wahrscheinlich der Nerv an der Innenseite des Handgelenks eingeengt", so Dr. Ansgar Frieling. "Dieses Phänomen ist weit verbreitet", erklärt der Spezialist. "Meist ist der Mittelnerv an den Innenseiten des Gelenks eingeklemmt und daher nicht richtig durchblutet. Durch diesen Engpass treten Schmerzen in der Hand auf, die oft in den Arm hinaufziehen." Zur Behandlung wird in den meisten Fällen eine Schiene verordnet.

Aber auch ein Bandscheibenvorfall kann sich auf unsere Hände auswirken: "Das zeigt sich meist durch ein taubes Gefühl", erklärt der Mediziner. "Und wenn Nerven im Bereich der Hals-Wirbelsäule eingeklemmt sind, spüren Sie unter Umständen ein Kribbeln oder Schmerzen."

Lebensgefährlich kann es werden, wenn ganz plötzlich eine vorübergehende Lähmung der Hand auftritt. Hier handelt es sich möglicherweise um einen Schlaganfall. Weitere Indizien sind ein leicht schiefer Mund oder ein verzerrtes Gesicht. "Lassen Sie sich bei dem geringsten Verdacht sofort ins nächste Krankenhaus bringen – denn in solchen Notfällen zählt wirklich jede Minute.

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