Was meine Gesichtsfarbe über meine Emotionen verrät

Verena Elson
Nicht nur unsere Mimik spricht Bände, wenn es um unsere Gefühle geht – auch unsere Gesichtsfarbe wechselt mit den Emotionen
Nicht nur unsere Mimik spricht Bände, wenn es um unsere Gefühle geht – auch unsere Gesichtsfarbe wechselt mit den Emotionen © iStock/ozgurdonmaz

Lächeln, Stirn runzeln, Augenbrauen hochziehen - die Mimik ist für unsere Mitmenschen der beste Indikator dafür, wie wir uns fühlen. Doch selbst wenn wir versuchen, unsere Mimik zu kontrollieren, verrät uns unser Gesicht, wie eine aktuelle Studie zeigt: Denn auch die Farbe des Gesichts gibt Aufschluss darüber, was in uns vorgeht.

Zornig, glücklich, angeekelt oder schockiert: Durchleben wir verschiedene Emotionen, nimmt unser Gesicht unterschiedliche Farben an – und unsere Mitmenschen können diese Farbwechsel unbewusst deuten. Das fanden Wissenschaftler um Aleix Martinez der Ohio State University in ihrer aktuellen Studie heraus.

Das Team programmierte einen Algorithmus, der subtile Veränderungen der Gesichtsfarbe bei verschiedenen Emotionen erkennt und aufgrund der Farbnuancen im Gesicht auf die Gefühle einer Person schließen kann.

Dabei zeigte sich: Verschiedene Emotionen hinterlassen bestimmte "Farbmuster" auf unserem Gesicht - Ekel zum Beispiel erzeugt eine blau-gelbe Schattierung um den Mund und eine rot-grüne Färbung auf Nase und Stirn. "Wir glauben, dass diese Muster auf subtile Veränderungen in Fluss und Zusammensetzung des Blutes zurückzuführen sind, die vom zentralen Nervensystem ausgelöst werden", so Studienleiter Martinez.

Jedes Gefühl verändert anscheinend den Blutfluss auf bestimmte Weise © http://www.pnas.org/
 

Wir deuten die Gesichtsfarbe unserer Mitmenschen unbewusst

Diese Veränderungen machen wir uns zunutze, wenn wir andere Menschen "lesen", wie die Forscher in einem anschließenden Experiment herausfanden. Sie zeigten 20 Probanden Bilder von Personen mit neutralem Gesichtsausdruck, die sie zuvor mit verschiedenen emotionalen Farbmustern hinterlegt hatten.

Das Ergebnis: Das "glückliche Farbmuster" identifizierten die Teilnehmer in 70 Prozent der Fälle richtig, das mit Traurigkeit assoziierte Muster in 75 Prozent der Fälle und die Wut-Farben in 65 Prozent der Fälle.

Im Anschluss bekamen die Probanden Bilder mit emotionalen Gesichtsausdrücken zu sehen, die mit dem "falschen" Farbmuster versehen waren – beispielsweise ein lachendes Gesicht mit "wütenden Farben" oder umgekehrt.

"Die Teilnehmer konnten ganz klar sagen, welche Bilder die übereinstimmenden oder die nicht übereinstimmenden Farben hatten", so Martinez. Obwohl sie nicht genau sagen konnten, was es war, bemerkten sie doch, dass etwas mit den Bildern "nicht stimmte".

Ohne es uns bewusst zu machen, interpretieren wir die Farbwechsel im Gesicht unserer Mitmenschen, so das Fazit der Forscher. Anders als unsere Mimik können wir diese Farbwechsel auch nicht willentlich beeinflussen – was es nahezu unmöglich macht, unser Innenleben komplett vor unserer Umwelt zu verbergen.

 

Wofür sind die Erkenntnisse gut?

Mögliche Anwendungsgebiete könnten sein:

1) Raum- und Luftfahrt

Die Gesichtsfarbe verrät dem flugbegleitenden Personal, ob Piloten z.B. von extremer Müdigkeit geplagt sind. Piloten können sich dann während des Fluges abwechseln und in einer Pause spezielle Schlafgelegenheiten nutzen.

2) Marketing

Wie wirkt Werbung, was spüren wir beim Einkaufen? In der Konsumentenforschung könnten mithilfe der identifizierten Farbmuster die Gefühle von Verbrauchern entschlüsselt werden.

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