Was mein Fahrrad über mein Demenzrisiko weiß

Verena Elson
Ältere Frauen auf Ergometern
Welche Lesitung wir im mittleren Alter auf dem Fahrradergometer erbringen, sagt etwas über unser späteres Demenzrisiko aus – das ergibt eine aktuelle Studie © iStock/FatCamera

In einer über 40-jährigen Forschungsarbeit haben schwedische Wissenschaftler einen Faktor ausfindig gemacht, der hilft, das Demenzrisiko einzuschätzen: die körperliche Fitness. So können Sie Ihr persönliches Demenzrisiko in einem einfachen Test ermitteln.

Für die Studie begleiteten Forscher um Helena Hörder an der Universität Göteborg 191 Frauen 44 Jahre lang. Die Probandinnen waren zu Studienbeginn 1968 im Schnitt 50 Jahre alt. Um ihre körperliche Fitness zu ermessen, ließen die Forscher sie einen Test am Fahrradergometer durchführen.

 

So funktioniert der Demenzrisiko-Test


Die Probandinnen wurden gebeten, in die Pedale zu treten, bis sie erschöpfungsbedingt abbrechen mussten. Währenddessen wurde die Watt-Leistung langsam stufenweise gesteigert, das heißt, für die Probandinnen wurde das Radeln immer anstrengender. Die Forscher teilten die Frauen in vier Gruppen ein - je nachdem, bei welcher Belastung sie aufgeben mussten.

Frauen mit "hoher Fitness" schafften 120 Watt oder mehr, Frauen mit "mittlerer Fitness" schafften zwischen 80 und 120 Watt und Frauen mit "geringer Fitness" schafften 80 Watt oder weniger. Bei Frauen in der vierten Gruppe musste der Test vorzeitig abgebrochen werden, weil es zu stark erhöhtem Blutdruck oder anderen Beschwerden kam.

 

Demenz: Je höher die Fitness, desto geringer das Risiko

Bis zum Jahr 2012 entwickelten 44 der Probandinnen eine Demenz. Doch der Anteil in den verschiedenen Gruppen fiel stark unterschiedlich aus: Von den Frauen mit hoher Fitness wurden fünf Prozent dement, von den Frauen mit mittlerer Fitness 25 Prozent und von den Frauen mit geringer Fitness 32 Prozent. Von den Probandinnen, die den Test frühzeitig abbrechen mussten, entwickelten sogar 45 Prozent eine Demenz.

Wenn es in der Gruppe mit hoher Fitness doch zu Demenz kam, trat diese im Schnitt elf Jahre später auf als bei Frauen mit mittlerer Fitness - also in einem Alter von 90 anstatt 79 Jahren. 

 

Kann man mit Sport Demenz vorbeugen?

"Diese Ergebnisse sind spannend, denn es ist möglich, dass unsere körperliche Fitness im mittleren Alter dazu führen kann, dass wir später oder gar nicht an Demenz erkranken", sagt Studienautorin Helena Hörder. "Dennoch: Diese Studie zeigt keinen kausalen Zusammenhang zwischen kardiovaskulärer Fitness und Demenz (…). Es braucht noch mehr Forschung um herauszufinden, ob eine bessere Fitness einen positiven Effekt auf das Demenzrisiko hat - und auch, in welchem Alter eine gute Fitness am wichtigsten ist."

Frühere Forschungsarbeiten weisen bereits darauf hin, dass Sport einen positiven Effekt auf den Verlauf von Demenz hat - also auch dann noch sinnvoll ist, wenn sich bereits erste Anzeichen der Erkrankung zeigen. So konnten skandinavische Forscher in einer 2015 veröffentlichten Studie zeigen, dass Sport und ein gesunder Lebensstil im Anfangsstadium einer Demenz besser wirken als Medikamente.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.