Was macht eine Hebamme?

Michelle Kröger

Besonders während der ersten Schwangerschaft fühlen sich Frauen wohler, wenn sie eine Hebamme an ihrer Seite wissen. Sie gibt Sicherheit, ist ein Anker in einer neuen Lebensphase voller Fragen. Doch welche Aufgaben hat eigentlich eine Hebamme? Wobei kann Sie helfen und wie lange wird sie Sie auf Ihrem Weg durch die Schwangerschaft begleiten? 

schwangere Frau öffnet Hebamme die Haustür
Besonders in den letzten Schwangerschaftswochen ist es eine Erleichterung, dass die Hebamme Hausbesuche macht Foto:  iStock/sturti
Inhalt
  1. Wann ist eine Hebamme sinnvoll?
  2. Qualifikationen und Aufgaben einer Hebamme
  3. Die Hebamme während der Schwangerschaft
  4. Die Hebamme während der Geburt
  5. Die Hebamme nach der Geburt (im Wochenbett)
  6. Welche Arten von Hebammen gibt es?
  7. Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
  8. Welche Leistungen einer Hebamme zahlt die Krankenkasse?
 

Wann ist eine Hebamme sinnvoll?

Hebamme – ja oder nein? Viele Frauen sehen sich am Anfang ihrer Schwangerschaft mit dieser Frage konfrontiert. Die Entscheidung trifft jede Schwangere für sich selbst. In den meisten Fällen  entscheiden sich vor allem junge Mütter, Erstgebärende und Risikoschwangere für die Betreuung durch eine Hebamme.

 

Qualifikationen und Aufgaben einer Hebamme

Eine Hebamme ist nicht nur eine der wichtigsten Vertrauenspersonen einer werdenden Mutter, sondern auch ein fachkundiger Ratgeber. Sie hat stets das Wohl der ganzen Familie im Blick und schöpft aus einem reichen Erfahrungsschatz. Ihre Aufgaben umfassen einen großen Themenbereich – von der Schwangerschaft bis hin zum Wochenbett und hinein in die Stillzeit.

Wer den Beruf einer Hebamme ausüben möchte, der muss vorher eine anspruchsvolle, medizinisch-wissenschaftlich fundierte Ausbildung absolvieren. Hebammen bieten zum üblichen Aufgabengebiet häufig Zusatzleistungen an:

 

Die Hebamme während der Schwangerschaft

Vorsorgeuntersuchungen müssen nicht allein Sache des Frauenarztes sein. Auch eine Hebamme kann die meisten dieser Untersuchungen durchführen – vom Ausstellen des Mutterpasses bis hin zu den meisten Vorsorgeuntersuchungen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Vorsorgetermine zwischen Gynäkologen und Hebamme aufzuteilen und beide Hand in Hand arbeiten zu lassen. Da die Hebamme zu den Untersuchungen zur Schwangeren nach Hause kommt, ist dies für viele Frauen während der letzten Schwangerschaftswochen eine Erleichterung. Ultraschalluntersuchungen dürfen ausschließlich von einem Gynäkologen in einer ärztlichen Praxis durchgeführt werden. Bei Komplikationen, Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten ist es unerlässlich, einen Arzt aufzuschen.

So berät Sie Ihre Hebamme während der Schwangerschaft:

  • zur richtigen Ernährung
  • zu einer gesunden Lebensweise
  • zu den verschiedenen Geburtsorten
  • zum Ablauf der Geburt
  • zum Thema Sexualität und Partnerschaft

Als Vorbereitung auf die Entbindung bieten Hebammen häufig spezielle Geburtsvorbereitungskurse an (empfohlen ab der 25. SSW).

Mediziner zeigt Ultraschallbild
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Die Hebamme während der Geburt

In Deutschland sind Ärzte dazu verpflichtet, eine Hebamme bzw. einen Entbindungshelfer bei der Geburt hinzuzuziehen (Deutsches Hebammengesetz). Deshalb kommt es spätestens bei der Geburt zum Erstkontakt zwischen einer Schwangeren und einer Hebamme. Sollte sich eine Frau nicht schon vorher für eine Hebammenbetreuung in der Schwangerschaft entschieden haben, so übernimmt eine in der Geburtsklinik angestellte Hebamme die anstehenden Aufgaben. Die Entbindung darf nur im Notfall ohne Hebamme erfolgen. Normalerweise übernimmt die Hebamme während der Geburt folgende Aufgaben:

  • Überwachung des Gesundheitszustandes von Mutter und Kind
  • Kontrolle der Wehentätigkeiten und Herztöne des Kindes
  • Unterstützung der Mutter bei Atmung und Entspannung
  • Protokollieren des Geburtsverlaufes
  • Schützen des Damms während das Baby durch den Geburtskanal tritt oder (falls nötig) Durchführung eines vorsorglichen Dammschnitts
  • Durchtrennen der Nabelschnur
  • Begleitung der Nachgeburt
  • Hilfestellung beim Anlegen und Stillen nach der Geburt

Eine Hebamme ist dazu berechtigt, die Geburt selbstständig und ohne Arzt zu leiten. Bei Komplikationen muss sie jedoch einen Arzt hinzuziehen. Eine normal verlaufende Entbindung kann eine Hebamme bei folgenden Geburtssituationen eigenverantwortlich leiten:

  • Klinikgeburt
  • Hausgeburt
  • Ambulante Geburt
  • Entbinden im Geburtshaus
 

Die Hebamme nach der Geburt (im Wochenbett)

Mit der Geburt ist der Dienst einer Hebamme noch nicht getan. Auch im Wochenbett steht sie Mutter und Kind zur Seite. Die Hebamme überwacht regelmäßig deren Gesundheitszustände – in bis zu 16 Terminen während der ersten zwölf Wochen nach der Geburt. Sie begleitet die ersten Entwicklungsschritte, gibt Hilfestellungen und stellt sicher, dass alle Abläufe gut funktionieren.

Weitere Tätigkeiten einer Hebamme im Wochenbett:

  • Kontrolle des Nabels beim Neugeborenen
  • Kontrolle der Rückbildung von Beckenboden und Gebärmutter
  • Wundheilung von Dammverletzungen
  • Beratung rund ums Thema Stillen und Kindespflege
  • Seelischer Beistand bei eventuellen psychischen Problemen im Wochenbett (Postpartale Depression)
 

Welche Arten von Hebammen gibt es?

  1. Beleghebamme: Eine frei praktizierende Hebamme mit einem (Beleg-)Vertrag zu einer oder mehrerer Geburtskliniken. Betreuung und Geburt finden üblicherweise in der jeweiligen Klinik statt.
  2. Freiberufliche Hebamme: Auf freiberuflicher Basis arbeitend steht sie der Schwangeren oder frisch gebackenen Mutter rund um die Uhr zur Verfügung.
  3. Angestellte Hebamme: Sie ist fest in einer Geburtsklinik angestellt und kommt im Kreißsaal, auf der Wochenbettstation oder der Säuglingsstation zum Einsatz.
  4. Familienhebamme: Ihr Fokus liegt auf der Betreuung von Familien in Problemsituationen – meist nach der Geburt bzw. im Wochenbett und danach. Ihr Ziel: Förderung und Stärkung der Bindung zwischen Mutter und Kind.
 

Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

Wer gesetzlich versichert ist, der hat auch Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme. Doch leider werden nicht alle Kosten der angebotenen Hebammenleistungen übernommen, zum Beispiel Schwangeren-Yoga oder Akupunktur. Informieren Sie sich vorher bei Ihrer Krankenkasse darüber, welche Teilbereiche diese übernimmt und welche von Ihnen selbst gezahlt werden müssten.

Gut zu wissen: Der Geburtsvorbereitungskurs wird von den meisten Krankenkassen gänzlich erstattet. Die Kosten für die zusätzliche Teilnahme des Partners müssen selbst übernommen werden.

 

Welche Leistungen einer Hebamme zahlt die Krankenkasse?

  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Geburtsvorbereitungskurs
  • Begleitung der Geburt
  • Nachsorgeuntersuchungen (bis zum 10. Tag nach der Geburt zahlt die Kasse einen täglichen Hebammenbesuch zu Hause, auch danach übernehmen viele Krankenkassen noch einige Leistungen)
  • Rückbildungsgymnastik
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