Was macht ein Urologe? Warum sich ein Besuch lohnt!

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Frauen haben Frauenärzt:innen – und Männer? Was macht eigentlich ein Urologe? Ist er die Anlaufstelle für Beschwerden rund um die männliche Gesundheit? Viele Männer scheuen den Besuch beim Urologen, zu groß ist die Angst vor unangenehmen Untersuchungen wie zum Beispiel der sogenannten „Hafenrundfahrt“. Warum sich ein Besuch beim Urologen lohnt und was Männer dort erwartet: Alle Fakten und die Einschätzung eines Experten!

Was macht ein Urologe? Warum sich ein Besuch lohnt
Der Urologe macht ein ausführliches Anamnesegespräch und nimmt wichtige Vorsorgeuntersuchungen vor. Der Besuch lohnt sich, denn gerade Prostatakrebs lässt sich heilen, wenn er frühzeitig erkannt wird Foto:  iStock / PeopleImages
Inhalt
  1. Der Urologe ist der Arzt für typische Männerkrankheiten
  2. Ein Urologe – was macht der eigentlich?
  3. Was für Untersuchungen macht der Urologe und tun die weh?
  4. Was macht ein Urologe bei Frauen? Dürfen die auch zu diesem Arzt gehen?
 

Der Urologe ist der Arzt für typische Männerkrankheiten

Für einen Gesundheits-Check-up geht man zum Internisten, das ist den meisten klar. Was aber ist, wenn es rund um die Geschlechtsorgane Fragen oder Probleme gibt? Frauen haben mit den Gynäkolog:innen eine eindeutige Anlaufstelle für ihre spezifischen Beschwerden, während viele Männer nicht wissen, wen sie aufsuchen sollen.

Die erste Adresse für die männliche Gesundheit ist ein Urologe. Das sind Fachärzte für Erkrankungen, Funktionsstörungen oder Verletzungen der männlichen Geschlechtsorgane und der Harnorgane. Sie kümmern sich um die Vorsorgeuntersuchungen, um Diagnosen und Therapien. 

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Ein Urologe – was macht der eigentlich?

Ärzte mit dieser Facharztbezeichnung sind Experten auf dem Gebiet der Harnorgane. Sie kennen sich mit Erkrankungen und der Behandlung der Niere, der Harnleiter und Harnröhre sowie der Blase aus. Männer leiden zwar nicht so häufig an Blasenentzündungen wie Frauen, aber mit Harnsteinen, Harnverhalt und Problemen beim Wasserlassen haben sie häufig zu kämpfen.

Schließlich ist die männliche Vorsteherdrüse, die Prostata, oft verantwortlich für Beschwerden der Harnorgane. Das liegt an ihrer anatomischen Lage. Schwillt die Prostata an, verengt sie den Blasenausgang. Urologen beschäftigen sich in ihrer Praxis häufig mit Prostataproblemen und der Vorsorge von Prostatakrebs.

An dieser Stelle endet eigentlich das Tätigkeitsspektrum der Urologen. Wenn es um das männliche Geschlecht, um Erektionsschwierigkeiten, um die männliche Fruchtbarkeit, hormonelle Dysfunktionen und anderes geht, sind Andrologen gefragt.

Die Andrologie ist ein eigenes Spezialgebiet, das Ärzte mit einer speziellen Weiterbildung erlernen. Sie gibt es erst seit 2006 in Deutschland. Andrologen werden auch als Männerärzte bezeichnet, da sie sich nicht nur um die Gesundheit der Organe, sondern auch um die Lebensberatung kümmern. Historisch haben sich Urologen stets auch mit dem männlichen Geschlecht beschäftigt, daher ist der Urologe für die meisten Männer immer noch die erste Adresse für ihre Gesundheit.

Was macht ein Urologe bei Männern?

Je nachdem, ob Sie wegen eines allgemeinen Check-ups, einer Krebsvorsorgeuntersuchung oder konkreten Beschwerden kommen, wird sich der Urologe entsprechend Zeit für eine Anamnese nehmen. Dabei fragt der Arzt nach dem allgemeinen Gesundheitszustand, nach Vorerkrankungen und familiärer Belastung. Konkret wird sich der Urologe nach akuten Beschwerden und möglichen Problemen beim Wasserlassen, Harnverhalt oder Erektionsfunktionsstörungen erkundigen.

Bei einer Krebsfrüherkennung nimmt der Urologe neben der Befragung bestimmte Untersuchungen vor. 

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Was für Untersuchungen macht der Urologe und tun die weh?

Vor der körperlichen Untersuchung durch den Urologen haben viele Männer großen Respekt. Der Arzt tastet zunächst den Bauch, die Leistenregion, den Penis und die Hoden ab. Bei der rektalen Tastuntersuchung, die das große Schreckensgespenst für Männer ist und oft dazu führt, dass der Besuch beim Urologen gemieden wird, führt der Urologe vorsichtig seinen Zeigefinger in den Enddarm ein, um die Prostata fühlen zu können. Bei Auffälligkeiten erhält der Arzt Hinweise auf eine mögliche gutartige Prostatavergrößerung, auf eine Entzündung oder einen Tumor. Über die Tastuntersuchung können auch die angrenzenden Strukturen wie After und Beckenboden mit abgetastet werden.

„Diese im Volksmund genannte Hafenrundfahrt erfolgt im Liegen in Seitenlage, damit sich der Schließmuskel entspannen kann. Wir Urologen verwenden außerdem ein Gleitgel, damit die Untersuchung schmerzfrei ist“, beruhigt Dr. med. Christoph Pies, Urologe und Fachautor seine Geschlechtsgenossen und ergänzt: „Ich sage immer wieder zu Männern, dass sie mit ihrem Auto alle 15.000 Kilometer zur Inspektion müssen, auch wenn scheinbar nichts dran ist. Das Argument verstehen die meisten.“

Frauen lassen unangenehme Vorsorgeuntersuchungen bei Frauenärzt:innen wie das Abtasten der Brust oder die vaginale Ultraschalluntersuchung mit einem großen, stabförmigen Ultraschallgerät meist wortlos und regelmäßig über sich ergehen. Männer scheinen ihre Hemmungen vor einer Untersuchung noch nicht überwunden zu haben.

„Die Teilnahme an der Krebsfrüherkennungsuntersuchung ist in Deutschland erschreckend niedrig. Obwohl für Männer ab 45 Jahren bereits in den 1970er Jahren eingeführt, nimmt heute nur jeder fünfte Mann diese Möglichkeit wahr. Gerade ein früherkannter Prostatakrebs ist gut heilbar, deshalb sollte sich kein Mann scheuen, die Vorsorgeuntersuchung bei seinem Urologen regelmäßig wahrzunehmen“, appelliert Dr. med. Christoph Pies. 

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Was macht ein Urologe bei Frauen? Dürfen die auch zu diesem Arzt gehen?

Was die Geschlechtsorgane betrifft, ist der Urologe nicht für das weibliche Geschlecht zuständig. Er untersucht bei Männern Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Penis und Prostata. Die männliche Fruchtbarkeit, mögliche Erektionsstörungen oder Impotenz werden hier behandelt. Die weiblichen Geschlechtsorgane sind nicht Schwerpunkt der Urologie.

Dennoch können auch Frauen Urologen aufsuchen. Denn Frauenärzt:innen sind nicht spezialisiert auf die Harnorgane wie Blase oder Harnwege. Auch wenn wiederkehrende Blasenentzündungen oft von der Hausärzt:in oder der Gynäkolog:in mitbehandelt werden, ist ein Urologe für diese Beschwerden und für Erkrankungen der Harnorgane die richtige Adresse.

Vor dem Gang zum Urologen: So lässt sich typischen Beschwerden vorbeugen

Neben der Wahrnehmung von regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen können Männer selbst viel für ihre Harn- und Geschlechtsorgane tun und typischen Erkrankungen wie einer gutartigen Prostatavergrößerung oder gar Prostatakrebs vorbeugen. 

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Das empfiehlt die deutsche Krebsgesellschaft:

  • Versuchen Sie Normalgewicht zu erreichen bzw. zu halten.
  • Seien Sie körperlich aktiv.
  • Ernähren Sie sich gesund, nehmen Sie vor allem viele pflanzliche Lebensmittel zu sich und reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum, essen Sie insbesondere wenig rotes Fleisch.
  • Konsumieren Sie nur moderat Alkohol.

Beschwerden, die mit einer vergrößerten Prostata zusammenhängen, lassen sich ebenfalls vorbeugen. Neben einer pflanzen- und ballaststoffreichen Kost ist ausreichend Bewegung der wichtigste Faktor, die Prostata gesund zu erhalten. Die Prostata ist abhängig von einer guten Durchblutung, bei einem vorwiegend sitzenden Lebensstil staut sich das Blut in dem kleinen Organ. Vorsicht aber vor zu ausgiebigem Radfahren: Der Druck durch den Fahrradsattel auf die Leistengegend erhöht das Risiko für eine Prostatavergrößerung.

Gegen Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung können auch Heilpflanzen helfen, die als pflanzliche Arzneimittel in der Apotheke erhältlich sind. Die Wirkstoffkombination aus Sägezahnpalmfrüchten (Sabal) und Brennnesselwurzeln (Urtica) kann zum Beispiel häufigen, auch nächtlichen Harndrang verhindern.

Die Frage „Was macht ein Urologe“ müssen Sie sich bei einem gesunden Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen wahrscheinlich nicht allzu zu oft stellen.

Unser Experte ist Dr. med.Christoph Pies. Er war bis Ende 2020 niedergelassener Urologe und arbeitet nun als Honorararzt, Telemediziner und Berater. Er möchte über Männergesundheit aufklären und unterhalten. Als Buchautor hat er bisher veröffentlicht: „Was passiert beim Urologen“, „Check-up Mann“ , „Fokus Prostata“ und jüngst "Männer Ü50". Zudem betreibt er den Podcast „Pinkelpause“. doc-pies.de

Quellen:

Prostatakrebs - Vorbeugung, in: krebsgesellschaft.de

Was macht ein Urologe und was ist die Urologie, in: urologielehrbuch.de

 

 

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