Was macht den Ductus arteriosus botalli so gefährlich?

Dr. med. Nadine Hess

Ein ausbleibender Verschluss des Ductus arteriosus botalli tritt besonders häufig bei Frühgeburten auf. Was es damit auf sich hat und warum der Ductus sogar gefährlich sein kann, erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

Dr. Nadine Hess
„In den meisten Fällen – Frühgeborene ausgenommen – verschließt sich der Ductus von allein und verursacht auch keine Beschwerden“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Bei Frühgeborenen hört man immer wieder von einem unverschlossenen Ductus arteriosus botalli. Dabei handelt es sich um eine Verbindung zwischen der Lungenarterie und der Hauptschlagader (auch als Aorta bekannt), die sich eigentlich nach der Geburt verschliesst. Um zu verstehen, was es damit auf sich hat, muss man wissen, wozu er überhaupt vorhanden ist: Der Ductus stellt während der Zeit im Mutterleib sicher, dass das Blut vom rechten Herzen weitestgehend an der Lunge vorbeigeschleust wird. Denn das Blut muss die Lunge nicht passieren, um den Gasaustausch, also die Wiederanreicherung des verbrauchten, sauerstoffarmen Blutes mit neuem Sauerstoff, zu bewerkstelligen. Diese Arbeit stellt die Plazenta sicher. Es muss während der Zeit im Mutterleib also nur ein Bruchteil der Blutmenge die nach der Geburt durch die Lunge fließt, zur Sicherstellung der Entwicklung der Lungen von der rechten Herzseite zur Lunge geleitet werden. Der Ductus arteriosus botalli übernimmt die Aufgabe, das meiste Blut vom rechten Herzen über die Lungenarterie direkt zur Aorta zu leiten. Das Blut nimmt sozusagen eine Abkürzung: statt von der Lungenarterie weiter in die Lunge zu fließen, von da aus in die linke Herzkammer und dann in die Aorta, nimmt es den „Shortcut“ direkt zur Aorta, ohne die Lungen zu durchfließen.

Frühchen sind besonders gefährdet
Bei frühgeborenen Babys tritt ein Ductus arteriosus botalli häufiger auf, kann aber durch die Behandlung mit einem Medikament oder durch eine unkomplizierte Operation behandelt werden© Fotolia
 

Woran lässt sich der Ductus arteriosus botalli erkennen?

Normalerweise verschließt sich dieser „Kurzschluss“ innerhalb der ersten zwei bis drei Tage nach der Geburt durch die Änderung der Druckverhältnisse von alleine und wird mit der Zeit bindegewebig umgebaut. Aber in einigen Fällen, insbesondere bei Frühgeborenen, bleibt der Verschluss aus. Meist fällt das durch ein maschinenartiges Herzgeräusch auf oder durch die bei den Frühgeborenen ohnehin durchgeführten Herzechographien - einer Ultraschalluntersuchung des Herzens. Bei gesunden Neugeborenen wird das Herzgeräusch meist bei der ersten Vorsorge beim Kinderarzt festgestellt und dann ebenfalls durch ein Herzecho bestätigt. Die erste Vorsorge beim niedergelassenen Kinderarzt findet bei der sogenannten U3 zwischen der vierten und fünften Lebenswoche statt.

In vielen Fällen ist der Kurzschluß so klein geworden, dass er keine Relevanz hat und auch nicht die Gefahr besteht, dass das Herz Schaden nimmt. Dann muss auch nichts unternommen werden, allenfalls wird ein Kinderkardiologie alle paar Jahre kontrollieren, ob die Verbindung vielleicht sogar ganz verschlossen ist.

 

Bei Frühgeborenen findet der Verschluss häufig nicht statt

Bei Frühgeborenen ist es allerdings leider oft ein bisschen anders. Hier ist die Verbindung meist größer und es droht bei Nichtbehandlung eine Überflutung der rechten Herzhälfte. Da die Druckverhältnisse geändert werden, wird auch die Fließrichtung des Blutes verändert: Nun fließt das Blut von der linken Herzhälfte in die Aorta, über den offenen Ductus in die Lungenarterien und von da aus in die Lunge zurück. So wird die Lunge auf Dauer mit Blut „überflutet“,  was zu einem gefährlichen Hochdruck führen kann. Darum muss – je nach Größe des Ductus – eine Behandlung erfolgen

Die erste Möglichkeit wäre es, den Ductus mit einem Medikament zu verschließen. Dabei wird ein sogenannter Prostaglandinabkömmling wie beispielsweise Ibuprofen verwendet. Ist das nicht erfolgreich, muss der Ductus in einer kleinen Operation verschlossen werden. Das klingt sehr dramatisch, da es sich um eine Operation am Herzen handelt. Sie ist aber nicht vergleichbar mit der Behandlung anderer Herzfehler und ist meist innerhalb von etwa 30 Minuten abgeschlossen.

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