Was kann ich bei einem akuten Asthmaanfall tun?

Akuter Asthmaanfall: Kinderärztin Dr. Nadine Hess sagt, was zu tun ist
Expertin Dr. Hess: „Grundsätzlich richtet sich die dauerhafte Asthma-Behandlung natürlich auch nach der Ursache. Sind Allergien dafür verantwortlich, kann beispielsweise oft eine Hyposensibilisierung Abhilfe schaffen.“ © privat

Eine Notfallsituation, vor der sich alle sorgen – ein plötzlicher Asthmaanfall. Was ist eigentlich Asthma? Wie sieht die Behandlung des akuten Anfalls aus? Was macht man zur Prophylaxe? Und gilt: einmal Asthma, immer Asthma?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Asthma ist eine Erkrankung der Lunge, die auf eine Überempfindlichkeit der Atemwege zurückzuführen ist. Es wird zwischen einer extrinsischen (durch Allergene wie zum Beispiel, Pollen, Hausstaubmilben, etc. hervorgerufen) und einer intrinsischen Form (durch körperliche Anstrengung, psychischen Stress, Infekte, Rauchen oder ähnliches ausgelöst) unterschieden. Mischformen sind natürlich auch möglich.

 

Was passiert bei einem Asthmaanfall im Körper?

Die Atemwege eines Patienten mit hyperreagiblem Bronchialsystem reagieren auf einen oder mehrere der genannten Faktoren mit einer Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur, einem Ödem der Schleimhaut in dem Bereich und vermehrter Sekretion, was dann zu einem akuten Hustenanfall, einer beschleunigten Atmung und in Folge auch Atemnot führt – der klassische Asthmaanfall.

 

Woran erkennt man Asthma bei Kindern?

Bei der Untersuchung haben die Kinder mit Asthma eine deutlich verlängerte Ausatmung: Durch die engen Atemwege ist die Luft „wie gefangen“ in den Lungen. Hört man sie ab, ist ein sogenanntes Giemen und Brummen zu hören, die Kinder sind aufgrund der Atemnot aufgeregt bis angstvoll. Meist wollen sie nur aufrecht sitzen , weil es das Atmen etwas erleichtert. In schweren Fällen ist eine deutliche Blaufärbung der Lippen erkennbar. Dann heißt es: sofort den Arzt rufen, vor allem, wenn es das erste Mal ist und/oder keine Medikamente verfügbar sind.

 

Was hilft bei einem akuten Asthmaanfall?

Mädchen inhaliert Asthma-Spray
Akuter Asthmaanfall bei Kindern: Asthma-Sprays schaffen schnell Abhilfe gegen die Atemnot © Fotolia

Schnell Abhilfe schaffen Inhalationssprays mit kurzwirksamen Beta-2-Mimetika wie Salbutamol. Sie erweitern die Atemwege rasch und erleichtern die Atmung deutlich. Die Asthma-Sprays wirken innerhalb weniger Minuten für vier bis sechs Stunden. In schweren Fällen muss auf der Intensivstation eine Infusion mit Theophyllin erfolgen, zusätzlich werden hochdosiert Steroide (Kortison) über die Vene verabreicht, um die akute Entzündungsreaktion zu unterdrücken. Manchmal muss sogar intubiert und künstlich beatmet werden. Glücklicherweise ist es selten, aber ein akuter Asthmaanfall kann auch tödlich enden, wenn nicht schnell genug adäquat behandelt wird.

 

Asthma bei Kindern gleich Asthma ein Leben lang?

Glücklicherweise gilt bei Asthma im  Kindesalter nicht: einmal Asthma, immer Asthma. Oft bessern sich die Beschwerden deutlich mit Eintritt in die Schule oder spätestens mit der Pubertät. Nur selten bleibt das Asthma ein Leben lang erhalten. Auch sind nicht immer dauerhaft und hochdosierte Kortisongaben notwendig. Oft kommt man mit der Akuttherapie mit einem Beta-2-Mimetikum aus, manchmal sind auch Leukotrienantagonisten oder Kortisonsprays für eine gewisse Zeit nötig. Nur in seltenen, schweren therapierefraktären Fällen sind langfristig Kortisontabletten erforderlich. Und grundsätzlich richtet sich die dauerhafte Asthma-Behandlung natürlich auch nach der Ursache. Sind Allergien dafür verantwortlich, kann beispielsweise oft eine Hyposensibilisierung Abhilfe schaffen – und einen Asthmaanfall so vermeiden.

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