Was die Augenfarbe über unsere Gesundheit verrät

So wie die Augen ein Fenster zu unserer Seele sind, ist die Augenfarbe ein Fenster zu unserer Gesundheit. PraxisVITA entschlüsselt für Sie den Farbcode der Augen.

Bis vor einigen Jahren dachten Forscher noch, dass es genau zwei Gene im Menschen gibt, die für die Augenfärbungen – hell und dunkel – verantwortlich sind. Heute weiß man allerdings, dass es zwölf bis 13 Genvarianten sind, die in einem komplexen Zusammenspiel die Augenfarbe eines Menschen bestimmen.

 

Woher kommt die Farbe im Auge?

Egal ob Haare, Haut oder Augen – die Farben unseres Körpers werden durch natürliche Pigmente – auch als Melanin bezeichnet – bestimmt. Um bei den Augen zu bleiben, bedeutet das, dass Menschen mit viel Melanin in der Iris braune Augen haben, Menschen mit abnehmender Melanin-Konzentration sieht man die Welt durch braun-grüne, grüne oder blau-grüne Augen. Ist in der Iris kein Melanin vorhanden, sind die Augen dagegen blau oder grau. Da die Melanin-Konzentration bei jedem Menschen anders ist, gibt es jede Augenfarbe nur einmal auf der Welt.

Doch diese, für die Augenfarbe verantwortlichen Gene, haben im Körper noch andere Aufgaben und geben deswegen Auskunft über ganz konkrete Gesundheitsaspekte, die einen Menschen – je nach genetischer Farbprogrammierung – betreffen oder nicht.

 

Stammbaum in den Augen?

Bereits vor einigen Jahren entdeckten Forscher der Universität Kopenhagen, dass die blauen Augen aller Menschen auf einen einzigen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, der vor 6.000 bis 10.000 Jahren lebte. Aufgrund einer Mutation in einem bestimmten Gen (OCA2) war dieser Vorfahre der erste Mensch, der kein braunfärbendes Melanin mehr in der Iris produzierte. Vor diesem „genetischen Zwischenfall“ hatten tatsächlich alle Menschen braune Augen.

 

Wie wir mit Schmerz und Angst umgehen

In einer Studie der University of Pittsburgh entdeckten Forscher, dass Menschen mit hellen – also blauen oder grauen – Augen weniger Schmerzen empfinden, als ihre braunäugigen Artgenossen. Zudem zeigte sich, dass blauäugige Menschen weniger ängstlich sind und zudem seltener an Depressionen leiden.

Als Ursache für das augenfarbenabhängige Empfinden von Angst und Schmerzen kommt das Gen NCX-4 in Frage. Das ist nämlich nicht nur dafür verantwortlich, dass Augen eher dunkler werden, sondern steuert auch Proteine, die das menschliche Angst- und Schmerzempfinden verantwortlich sind.

Kann sich meine Augenfarbe ändern?

Tatsächlich verändert sich die Melanin-Konzentration in der Iris – beeinflusst durch Faktoren, wie Alter, Krankheiten oder Genen – ein Leben lang. Entsprechend verändert sich auch unsere Augenfarbe ständig – wenn auch nur sehr langsam.

Besonders furchtlos und schmerzunempfindlich sind übrigens blauäugige Rothaarige. Darüberhinaus sorgt bei Menschen mit roten Haaren und blauen Augen – aus genetischer Sicht die kleinste Minderheit der Welt – vermutlich das mutierte MC1R-Gen dafür, dass sie erheblich mehr Narkosemittel benötigen, um das ihnen verbliebene Schmerzempfinden zu betäuben.

 

Steht das Suchtpotential in den Augen geschrieben?

Die Genmutation, die das Angstempfinden durcheinander wirbelt, bringt aber nicht nur Vorteile mit sich. Das legen zumindest Studien nahe, die zeigen, dass Menschen aus diesem Grund mit hellen Augen eher dazu neigen, alkoholsüchtig zu werden. Braunäugige Menschen trinken dagegen vielleicht weniger, aber wenn sie es tun, weiten sich ihre Pupillen erheblich weiter – jedenfalls im Vergleich zu Personen mit hellen Augen.

 

Was verrät die Augenfarbe über meine Persönlichkeit?

Forschern von gleich zwei Universitäten in Australien zufolge sollen blaue Augen „erfolgsversprechend“ sein. Anders gesagt besitzen Menschen mit hellen Augen statistisch gesehen mehr Wettbewerbsfähigkeit und ein größeres Durchsetzungsvermögen. Das mag zunächst positiv klingen. Jedoch erklären die Forscher diese Eigenschaften bei Menschen mit blauen Augen wiederum mit weniger stark ausgeprägten Charakterzügen – wie z.B. Mitgefühl, Freundlichkeit oder Großzügigkeit. Blauäugige Menschen sind rein rational vielleicht erfolgreicher, dafür aber auch weniger beliebt und sozial weniger gut verträglich.

 

Zeigen die Augen, wie vertrauenswürdig man ist?

Weiterhin haben die Forscher untersucht, ob die Augenfarbe etwas mit Vertrauen zu tun hat. Und tatsächlich zeigte sich in einer Untersuchung, dass Menschen mit dunkel gefärbten Augen offensichtlich von ihren Mitmenschen als vertrauenswürdiger eingeschätzt werden. Allerdings haben die Probanden während der Studie über ganze Gesichter – und nicht nur über Augen – urteilen müssen. Die Frage also, ob nicht auch andere Gesichtsmerkmale ein Gesicht vertrauenswürdig erscheinen lassen, kann nicht ausgeschlossen werden – viele Forscher halten es für wahrscheinlich. 

 

Der Zusammenhang von Augen und Krankheiten

Die Gefahr an bestimmten Erkrankungen, wie Diabetes, Hautkrebs oder Vitiligo (Weißfleckenkrankheit), zu leiden, stehen in enger Verbindung zur Augenfarbe. Forscher der University of Colorado fanden heraus, dass Menschen mit dunklen Augen ein beinahe doppelt so hohes Risiko besitzen an Vitiligo – eine chronische nicht ansteckende Störung der Hautpigmente – zu erkranken.

Der Diabetesgrad, an dem ein Mensch leidet, zeigt sich dagegen nicht nur in den Augenfarben der Betroffenen – er verändert sie auch. Forscher beobachten entsprechend schon länger, dass die Augen von Zuckerkranken immer dunkler werden, je weiter die Krankheit fortschreitet.

Tipp: Wer seine Augenfarbe erhalten möchte und sich für eine gesündere Lebensweise interessiert, kann in den Podcast "Mit Diabetes erfolgreich durchs Leben" der Initiative Enjoy Life reinhören.

Helle Augen sind empfindlicher gegenüber UV-Strahlen, da sie über weniger Pigmente verfügen. Das hat zur Folge, dass sie statistisch gesehen an einem bestimmten Krankheiten wie Sonnenbrand im Auge erkranken. Mediziner raten vor diesem Hintergrund, dass Menschen mit blauen oder grauen Augen bei starker UV-Einstrahlung Sonnenbrillen mit einem hohen Schutzfaktor benutzen sollten. Darüber hinaus haben Menschen mit hellen Augen statistisch gesehen auch häufiger helle – und sonnenempfindlichere – Haut, weswegen sie aus medizinischer Sicht grundsätzlich ein erhöhtes Risiko haben, an Hautkrebs zu erkranken.

 

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