Was ist Viszeralfett und warum ist es so gefährlich?

Sportliche Frau lacht
Viszeralfett adé: Mit Selbstakzeptanz, Bewegung und Genuss können Sie ganz leicht ein gesundes Körpergefühl entwickeln und Ihr Bauchfett kontrollieren © Fotolia

Eine schlanke Silhouette – leider kein Garant für dauerhafte Gesundheit. Denn selbst bei Normalgewichtigen kann sich im Bauch tückisches Viszeralfett verstecken. Woher es kommt, was es gefährlich macht und wie Sie es loswerden.

Bauchfett ist überlebenswichtig: Es legt sich schützend um unsere inneren Organe und dient dem Körper seit Urzeiten als Energiespeicher. Was so gut funktioniert, dass es sogar unser Überleben für rund 40 Tage sichern kann – selbst wenn wir keinen einzigen Bissen essen würden und zudem noch strenger Kälte ausgeliefert wären. Anders als nämlich das Unterhautfett an Po, Oberschenkeln oder Armen kann das sogenannte viszerale Bauchfett vom Organismus sofort in Zucker umgewandelt und den Körperzellen somit als Kraftstoff zur Verfügung gestellt werden. Doch nun die schlechte Nachricht: Das Fettdepot unter der Bauchdecke ist als einer der größten Gesundheits-Gefährder ins Visier der Mediziner gerückt. Warum? Das erklärt Dr. Tatjana Ballauff, Biochemikerin und Leiterin zweier Fitness-Studios in Hamburg.

Tatjana Ballauf
Unsere Expertin: Die promovierte Biochemikerin Dr. Tatjana Ballauf leitet zwei Fitnesstudios in Hamburg. Mehr Infos unter besser-drauf.com© privat

Die Ursache für Viszeralfett

„Das Tückische am Bauchfett ist: Niemand leidet hierzulande unter Hunger oder Kälte“, sagt Dr. Ballauff. „Im Gegenteil, unser Nahrungsangebot ist überwältigend. Vor allem durch zucker- und fetthaltiges Fast Food und Fertiggerichte führen viele ihrem Körper täglich viel mehr Energie zu, als er benötigt.“ Weil sich die Bauchfettzellen dadurch aber entsprechend schnell vergrößern und vermehren, verwandelt sich die einst nützliche Energiereserve in eine gefährliche Substanz – selbst bei optisch schlanken Menschen. „Denn wird der Nährstoffüberschuss nicht durch Sport ausgeglichen, sammelt er sich zuallererst als Viszeralfett in der Körpermitte an.“ Das Schlimme daran ist: Dieses Netzwerk aus unzähligen Fettzellen produziert ein giftiges Stoffgemisch aus Hormonen und Entzündungsmolekülen, die den gesamten Stoffwechsel lahmlegen. Deshalb bewerten Mediziner das Viszeralfett inzwischen sogar als eigenständige, hochaktive Drüse, die zu allem Überfluss auch noch permanent Fettsäuren ins Blut abgibt. Nur können die von den Körperzellen weder aufgenommen noch verwertet werden und bleiben daher im Kreislauf! Auf Dauer steigt so das Risiko gefährlicher Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Gefäßablagerungen bis hin zum Herzinfarkt und Schlaganfall. Ob sich die eigene Mitte im gesunden Normbereich befindet, lässt sich zum Glück ganz einfach messen. Und zwar mit einem schlichten Maßband nach einem entspannten Ausatmen auf Höhe des Bauchnabels. Als Faustregel gilt für Frauen: Bei einer durchschnittlichen Körpergröße von 1,60 m bis 1,75 m sind maximal 82 cm unbedenklich.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Stress und Viszeralfett

Doch nicht nur ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel lassen Bauchfettzellen wachsen. „Wissenschaflich belegt ist, dass Stress die Bildung von Viszeralfett extrem vorantreibt. Das ist auch der Grund, weswegen selbst sehr schlanke Frauen ein ‚Bäuchlein‘ haben können“, so Ballauff. Denn bei seelischer Anspannung schüttet die Nebennierenrinde Stresshormone wie Cortisol aus. Der Körper bunkert dann automatisch Fett – eben weil er auf eine akute Notsituation reagiert. Ob vielleicht „nur“ der Zoff mit dem Liebsten dahintersteckt, zu starke Selbstkontrolle, ein extrem voller Terminplan oder tatsächlich eine lebensbedrohliche Situation, macht für ihn keinen Unterschied. Gewissenhaft hemmt er den Fettab- sowie den Muskelaufbau, um Energie zu sparen. Dieses „Missverständnis“ bekommt die Fitnessexpertin häufig zu Gesicht: „Viele Frauen stecken unbewusst in der Perfektionsfalle. Um den eigenen hohen Ansprüchen zu genügen, wird gehungert und oftmals zu viel trainiert. Doch das Bäuchlein bleibt. Was wiederum Stress erzeugt – und neues Bauchfett!“ Die Biochemikerin sieht daher die Wohlfühl-Kombination aus gesunder Ernährung, Entspannung und Bewegung als effektivstes Mittel im Kampf gegen eiserne Fettreserven. „Zwei- bis dreimal pro Woche 45-minütiger Ausdauersport wie Joggen im Wechsel mit Schnellkraft-Übungen wie Crunches und Co. reichen aus. Dabei wird das Fett von den Bauchmuskeln am schnellsten verbraucht.“

Gestresste Frau vorm PC
Wissenschaflich belegt ist, dass Stress die Bildung von Viszeralfett extrem vorantreibt© Fotolia

Viszeralfett? Weg damit!

Vielleicht muss man sich erst an den Gedanken gewöhnen, aber: „Es kann ganz einfach sein, sich in seinem Körper wohlzufühlen“, so Dr. Ballauff. „Denn auch wenn es abgedroschen klingt: Sich selbst zu akzeptieren, liefert den ersten Baustein für eine schlanke Mitte – weil wir dadurch viel entspannter sind.“ Einen weiteren bringen kleine Änderungen der Ernährungsgewohnheiten wie zum Beispiel täglich zwei Äpfel, ein Esslöffel Flohsamenschalen in Wasser verrührt sowie Ballaststoffe aus Vollkornbrot, Obst und Gemüse. Diese Kombi regt die Verdauung an und wirkt dem tückischen Stressbäuchlein entgegen. „Und ganz wichtig: Bei allem, was wir tun, darf der Genuss nicht fehlen. Dann hat das Viszeralfett noch weniger Chancen, sich im Inneren niederzulassen.“

Vom Bauchfett zum Waschbrett

Wie Sie erfolgreich Bauchfett loswerden können, erfahren Sie in unserem Video:

 

 

© by WhatsBroadcast

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.